„Ich kann ja das Mädchen schicken,“ meinte Ilse, aber Nellie ließ das nicht zu.
„Ich weiß nicht recht, ob Fred nicht noch zu tun hat heute abend, ich will deshalb lieber selbst gehen,“ [pg 10]antwortete sie ausweichend. Doch in Wirklichkeit arbeitete Althoff selten abends und war immer gern bereit, nach Gontraus zu kommen.
Als sich Nellie verabschiedete, schickte sich auch der Professor zum Gehen an.
„Sie bleiben auf jeden Fall,“ sagte Ilse, ihn zurückhaltend, und wies jeden Einwand, den er machen wollte, zurück.
„Wissen Sie was,“ rief sie plötzlich, „ich habe heute morgen Waldmeister gekauft, wir brauen uns eine kleine Bowle, die erste Maibowle in diesem Jahre, Onkel Heinz – können Sie da widerstehen?“
Er lachte.
Die gemütlichen Bowlen bei Gontraus kannte er zur Genüge. Die Geister, die ihnen entstiegen, waren nicht trübselig, es waren die des Frohsinns und der Heiterkeit, und Onkel Heinz konnte heiter, sogar ausgelassen sein, doch nur im intimsten Kreise. Fremde Menschen nannten ihn unzugänglich, ja unliebenswürdig, und ließen ihn bald als „komischen Kauz“ ganz links liegen. Deshalb mied er auch die Menschen, und es kostete stets Kämpfe, ihn heranzuziehen, wenn eine größere Gesellschaft versammelt war.
Ilse hatte nicht umsonst die Maibowle als Lockmittel gebraucht, denn ohne langes Zaudern willigte der Professor nun ein, zu bleiben.
„Ja, dann bleibt mir wohl nichts andres übrig als dazubleiben,“ sagte er vergnügt, „aber die Bowle will ich [pg 11]selbst machen, Gontrau kann das nicht, er macht sie regelmäßig zu süß.“
„Natürlich, natürlich,“ sagte Ilse, „doch dann müssen Sie mit in die Küche kommen, Onkel Heinz.“