„Sie halten mich wohl für recht schlecht?“ platzte sie in ihrer Verlegenheit heraus. „Sagen Sie mir nur meine Fehler immer offen.“

„Ich halte Sie für gut, Frau Gontrau,“ erwiderte der Professor einfach, „sonst würde ich überhaupt Ihr Freund nicht sein, und der bin ich doch, nicht wahr? Schöne Redensarten kann ich nun einmal nicht machen, will es auch nicht, aber ich meine es trotzdem gut mit Ihnen. Oder glauben Sie das nicht?“

Abwechselnd klang seine Stimme weich und dann wieder schroff, als kämpfe er mit seinen Gefühlen.

„Gewiß, gewiß, Onkel Heinz,“ sagte Ilse schnell; „aber oft sind Sie zu absprechend, und nicht allein gegen mich, auch gegen Leo; wie machen Sie seine Wissenschaft manchmal herunter!“

Ironisch lächelnd drehte Onkel Heinz seine Bartspitze.

„Ja, die Juristen sind nun einmal einseitig, verstehen nicht viel andres.“

„So?“ unterbrach ihn Ilse lebhaft; „wenn also die Juristen einseitig sind, dann sind die Zoologen eingebildet, Onkel Heinz, das will ich Ihnen nur sagen.“

„Da sehen Sie ja, wie Sie mich immer mißverstehen, Frau Gontrau. Nun wollen wir das Thema lieber ruhen lassen, sonst streiten wir uns wieder. Wenn ich so etwas sage, meine ich es doch nicht persönlich, es gibt ja doch Ausnahmen unter den Juristen!“

„Leo ist eine Ausnahme, nicht wahr?“ fragte Ilse schnell.

„Sonst wäre er mein Freund nicht,“ gab Onkel Heinz wieder mit Nachdruck zur Antwort.