„Aber nun kommt herein,“ sagte sie, als die Begrüßung vorüber war, und fragte ihre Kinder: „Wo ist denn der Papa?“
„Vater ist im Schweinestall bei den kleinen Ferkelchen,“ berichtete Thusnelda mit lauter Stimme; es war das erste Wort, welches sie sprach.
Flora konnte eine kleine Verlegenheit bei dieser prosaischen Auskunft nicht verbergen.
„Ach, liebe Tante Flora, wo sind die kleinen Ferkelchen, ich möchte sie gerne sehen,“ bettelte nun Ruth, für die ein solcher Anblick hochinteressant war.
„Später, später,“ antwortete Flora flüchtig.
Sie hatte ihre Gäste mittlerweile die Treppe hinaufgeführt und in die Fremdenzimmer geleitet. Das Innere des Hauses glich ganz dem Äußeren. Die weiß getünchten Wände sahen sauber, aber nüchtern und kahl aus, der helle Estrich und die frisch gescheuerten Treppen brachten ebenfalls keine Abwechslung in die Eintönigkeit der Farben. Auch die Zimmer schienen soeben erst aus den reinigenden Wasserstürzen hervorgegangen zu sein, denn ein feuchter Geruch schlug den Eintretenden entgegen. Aufdringlich wirkten die Tapeten, deren grelles Muster selbst die farbenreichen Öldruckbilder an den Wänden um alle Wirkung brachten. Altmodische, steifbeinige Möbel, mit buntem Kattun überzogen, bildeten die Einrichtung; über die Tischdecke, schwarz mit großen roten Blumen, war als Schutz noch eine weiße Serviette gebreitet, und auf dieser stand ein großer Feldblumenstrauß – das einzig Geschmackvolle in dieser Umgebung.
Aber gleichviel! Schon die peinliche Sauberkeit war darin nicht verwöhnten Städtern eine Wohltat, und [pg 131]mit noch größerer Wonne sogen sie die herrliche Landluft ein, welche durch die offenen Fenster strömte.
Nellie las auf Floras gespanntem Gesicht die Frage: Nun, wie gefällt es euch hier? und deshalb lobte sie in ihrer Gutmütigkeit alles.
„Nicht wahr, es ist recht gemütlich hier? Die Möbel stammen noch von den Großeltern des Barons, sind also ganz antik,“ erwiderte Flora und zeigte dabei stolz auf die kattunbezogenen Steifbeine. „Aber nun will ich nicht weiter stören, ihr werdet euch erfrischen wollen. Wenn ihr fertig seid, erwarte ich euch im Eßzimmer – im unteren Flur die Türe rechts.“
Und mit freundlichem Nicken ging sie hinaus. Marianne hatte die frischen Zwillinge gleich in ihr kleines Herz geschlossen, während Ruth die kleinen Ferkel, nach denen sie sich immer wieder erkundigte, vorläufig noch viel mehr zu interessieren schienen, als die neuen Freundinnen, denn sie meinte, die hätte sie noch gar nicht gern, sie sprächen ja nichts und sähen genau so aus, wie die Bauernkinder, welche ihnen vorhin begegnet wären.