„Schlecht, schlecht,“ antwortete sie leise, „es geht immer schlechter.“

„I bewahre, Frau Tolle, Sie sehen ja schon viel wohler aus, verlieren Sie nur den Mut nicht, der liebe [pg 156]Gott wird Ihnen schon helfen,“ tröstete Flora sanft und liebevoll.

Ein Kopfschütteln war die Antwort, und ein trauriger Blick streifte dabei die Kinder, die sich in die Ecken gedrückt hatten und neugierig die Fremden anstarrten. Sie sahen schmutzig und zerlumpt aus, sauber und gut gekleidet wären es gewiß hübsche Kinder gewesen. Nur bei dem zweitjüngsten, einem kleinen Mädchen von zwei Jahren, wirkten die Lumpen geradezu malerisch zu der Schönheit des Kindes. Es saß der ältesten Schwester auf dem Schoß; wirre, ungepflegte blonde Löckchen fielen tief über ihr Gesichtchen, das unter den zurückgelassenen Spuren schmutziger Finger dennoch rosig schimmerte. Scheu sah es mit seinen großen braunen Augen Nellie an, welche mit ihm sprach und liebkosend die nackten braunen Füßchen streichelte.

„O, wie süß ist das baby,“ sagte sie zu Ilse. „Wie heißt du?“ fragte sie das Kind.

„Ännchen,“ antwortete die ältere Schwester.

„Willst du der Tante nicht ein Händchen geben?“ fragte sie weiter.

Das weiche Kinderpatschchen legte sich zögernd in die Hand der jungen Frau, aber ohne Widerstreben ließ sich die Kleine dann von ihr auf den Schoß nehmen. Zärtlich strich ihr Nellie die hellen Ringeln von der Stirn.

Flora hatte inzwischen Fleisch und Wein für die Kranke aus dem Korbe genommen und versprach für die Kinder abgelegtes Zeug zu schicken.

Müde und apathisch dankte die Frau.

Die Luft in dem kleinen Raume war zum Ersticken; Ilse, die kaum Atem zu holen wagte, wollte das Fenster öffnen, aber fröstelnd schauerte die Kranke zusammen und sie ließ es geschlossen.