„Höre, Nellie,“ rief Ilse plötzlich, „wenn dir das Kind so gut gefällt, so nehmt ihr es doch zu euch.“
So schnell wie ihr der Gedanke durch den Kopf gefahren war, hatte sie ihn auch ausgesprochen. Aber Nellie wurde blutrot bei diesen Worten, und es schien beinahe, als hätte Ilse sie bei ihrem eigenen Gedanken ertappt; doch heftig schüttelte sie den Kopf.
„Nein, o nein, Ilse, denke doch – Fred!“ rief sie aus.
„Na, dein Mann wird doch nicht nein sagen.“
„O, Fred würde es nicht wollen; nein, das geht nicht.“
„Ob dein Mann das nicht will, weißt du ja gar nicht, aber möchtest du es denn?“ fragte Ilse, die Freundin scharf beobachtend.
„O, ich möchte sehr gern, gewiß möchte ich, ich liebe die babys so sehr,“ erwiderte Nellie leise. „Aber es geht nicht, es geht nicht!“ fuhr sie lauter fort. „Ich habe auch keine Zeit für solch kleines Ding; Fred nimmt meine Pflege ganz in Anspruch, ich müßte ihn vernachlässigen, o, und das ginge doch nicht.“
Und wieviel auch Ilse dagegen sagte, wieviel auch hin und her gesprochen wurde, Nellie blieb dabei, „es [pg 161]ginge nicht.“ Ganz aufgeregt begaben sich die beiden zur Ruhe, jede lebhaft mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt.
Aber Ilse ließ sich von ihrem „guten Gedanken“, wie sie ihn nannte, nicht abbringen, wenigstens in ihrem Innern nicht, auch nachdem Nellie sie gebeten hatte, darüber für immer zu schweigen.
Am andern Tage da hatten Frau Ilse Gontrau und Frau Flora Werner merkwürdig oft zusammen zu tuscheln, und die diskrete Nellie, die keine Ahnung hatte, worüber sie sprachen, und auch gar nicht neugierig war, zog sich dann jedesmal mit den Kindern zurück, um mit ihnen zu spielen.