„Na, nun man sachte, man sachte, ich weiß ja noch von gar nichts,“ unterbrach er sie, indem er den Brief auseinanderfaltete und zu lesen begann.

„Ach Gott, es ist schrecklich, ganz schrecklich!“ klagte sie, während er las, und diesen Ausruf wiederholte sie in einem fort, während sie erregt im Zimmer auf und ab wandelte.

„Ja,“ – sagte Onkel Heinz, als er zu Ende war, fuhr mit der Hand über seine grauen Stoppeln und drehte an seiner Bartspitze.

„Nun, was sagst du, Onkel Heinz, ist es nicht schrecklich?“ fragte sie angstvoll.

„Nun – schrecklich kann ich das nicht gerade finden,“ gab er lächelnd zur Antwort.

„Was soll ich denn aber tun?“

„Ja –“ sagte Onkel Heinz wieder lakonisch und kratzte sich hinterm Ohr, indem er sein Gesicht in nachdenkliche Falten legte; „da ist nun schwer etwas zu sagen.“

Ruth hing sich an seinen Arm.

„Du mußt doch wissen, was ich tun soll, liebster Onkel, du weißt ja doch immer alles,“ sagte sie, ihn vertrauensvoll anblickend.

Der Professor wollte gerade in seiner gewohnten Manier losplatzen, „daß er besseres zu tun hätte, als über solche Dummheiten nachzudenken,“ hatte aber doch wohl das Gefühl, als ob es eine große Ehre für ihn wäre, von einem jungen Mädchen in einer so wichtigen Angelegenheit um Rat gefragt zu werden. Auch konnte er den ängstlich fragenden Augen seines Lieblings nicht widerstehen und besann sich deshalb eines andern. Aber [pg 190]leicht war die Sache nicht – wie sollte er denn nur anfangen? Überlegend ging er einige Male im Zimmer auf und ab.