„Ja, sage mal, Kröte, magst du Jansen denn leiden?“ fragte er endlich.
„Ja natürlich, gewiß, ich habe ihn sehr gern,“ lautete die Antwort.
„Na – dann ist es ja aber ganz einfach, dann heirate ihn doch.“
„Aber, Onkel Heinz,“ unterbrach ihn Ruth hastig, „wenn man jemand auch leiden kann, braucht man ihn deshalb ja nicht gleich zu heiraten, oder – meinst du doch?“
Ihre Antwort auf Herrn Jansens Frage vom gestrigen Abend war ihr auf einmal wieder zentnerschwer aufs Herz gefallen. Er hatte dieselbe als eine Zusage genommen, wie er in dem soeben erhaltenen Briefe schrieb – überglücklich schrieb – und wollte noch am heutigen Tage kommen und bei den Eltern um ihre Hand anhalten. Siedendheiß überlief es sie bei diesem Gedanken; sie wußte gar nicht, was sie tun sollte, und Onkel Heinz sagte auch nichts, gab ihr keine Antwort, sie war völlig ratlos.
„Onkel Heinz, bitte, sage mir doch, was meinst du dazu?“ wiederholte sie ihre Frage noch einmal dringlich.
Er machte wieder ein nachdenkliches Gesicht, brachte aber nur die nichtssagenden Worte heraus:
„Ja, das ist nicht so leicht,“ und fuhr dann plötz[pg 191]lich fort, als wäre ihm auf einmal etwas Wichtiges eingefallen: „Wie kommt denn Jansen überhaupt dazu, dich heiraten zu wollen?“
„Das war so, Onkel Heinz,“ begann Ruth; „gestern abend auf dem Balle fragte er mich, ob ich ihn gern hätte, und da habe ich ja gesagt, denn es ist doch auch wahr. Als ich aber jetzt den Brief von ihm bekam, da ist es mir erst klar geworden, wie er seine Frage gemeint hat. Muß ich ihn denn nun wohl heiraten?“
Der Professor geriet in keine geringe Klemme. Es war ja wahrhaftig viel schwerer, hier eine richtige Lösung zu finden, als bei irgend einer noch so verwickelten, wissenschaftlichen Frage. Er wußte nicht ein noch aus, und Ruth wurde immer dringender.