„Ja wahrhaftig, Orla, du wirst dich wundern, wie die ihren Mann unter dem Pantoffel hat. Ich sage es ja immer, die Sanften haben es faustdick hinter den Ohren. Sieht Rosi nicht aus, als könnte sie kein Wässerchen trüben? [pg 160]Sie hat ein Gesicht wie eine Madonna mit dem Heiligenschein und dabei ist sie mindestens ebenso widerspenstig, wie meine Wenigkeit.“

„Selbstbekenntnis einer edlen Seele,“ deklamierte Orla feierlich, worauf alle drei in ein Gelächter ausbrachen.

„Still, Kinder,“ mahnte Nellie und lief ans Fenster, „die Schlittens kommen, ich höre ihnen klingeln.“

Durch die Türe rief sie:

„Fred, bist du fertig?“

„Ja, Kind,“ antwortete er und kam herein.

„Hier bin ich.“

Vergnügt eilten die jungen Menschen die Treppe hinunter. Vor der Türe hielten vier mäßig elegante, aber mit guten Pferden bespannte Schlitten. In dem ersten saßen Gerbers, in dem zweiten der Referendar und Andres. Flora, die mit verdrossener Miene neben ihrem Manne saß, hatte verweinte Augen und begrüßte in kläglichem Tone die Freundinnen. Erst als Nellie sie fragte, ob ihr etwas fehle, erwiderte sie mit weinerlicher Stimme:

„Denkt nur, beinahe wäre mir das ganze Vergnügen verdorben worden. Mein Mann wollte nicht mit, er behauptete, sich nicht wohl zu fühlen, er hätte Kopfschmerzen, Fieber und wer weiß was alles noch. Aber man muß nur die Männer kennen. Wenn ihnen der kleine Finger weh tut, stellen sie sich gleich furchtbar an. Nein, die Schlittenpartie, auf die ich mich so riesig gefreut habe, wollte ich mir deshalb nicht vereiteln lassen. Wahrhaftig, Männchen, ich wäre ohne dich mitgefahren.“

Sie sah ihren Mann mit trotziger Herausforderung an und zog die Oberlippe in die Höhe, wie ein ungezogenes Kind.