„Adieu,“ sagte Flora schnippisch und drehte ihm den Rücken, ohne seine ausgestreckte Rechte zu berühren.
„Nun, bekomme ich keine Patschhand?“ fragte er.
„Nein, Sie sind zu unartig gewesen,“ sagte sie und sah ihn über die Schulter mit kokett schmollender Miene an.
„Aber wenn ich verspreche, jetzt wieder artig zu sein, Frau Flora, auch dann nicht?“
„Eigentlich haben Sie keine verdient, aber ich will gnädig sein. Hier!“
Sie reichte ihm ihre Hand. Er führte sie mit einem scheinbar demütig um Verzeihung flehenden Gesicht an seine Lippen und ging dann fort.
Ein triumphierendes Lächeln umspielte ihren Mund; voller Selbstbewußtsein sah sie ihm nach. Sie hielt alles bei ihm für bare Münze, die arme, blinde Flora, und keine noch so leise Ahnung sagte ihr, daß er in seinem Innern ganz anders über sie dachte, als er äußerlich zeigte. –
Pünktlich um zwei Uhr sollten sich die Teilnehmer an der verabredeten Schlittenpartie vor dem Althoff’schen Hause am andern Tage versammeln. Außer Flora mit ihrem Manne, Referendar Lüders und Althoffs mit den beiden jungen Mädchen, hatte man noch den Assistenzarzt von Doktor Gerber zu der Partie aufgefordert. Es wurde beschlossen, nach dem Dorfe zu fahren, in welchem Rosis Mann Pastor war, weil dorthin die beste Bahn sei und man erwarten konnte, daselbst, was Essen und Trinken betraf, gut aufgehoben zu sein. Der Pastor und seine Frau waren natürlich benachrichtigt und gebeten worden, zur angegebenen Zeit pünktlich in dem Gasthaus zu sein und dort für ein warmes Zimmer und guten Kaffee zu sorgen.
„Orla, du wirst dir staunen, unsre artige Rosi wiederzusehen, nicht wahr, Ilschen?“ sagte Nellie lustig, während sie zur Schlittenpartie gerüstet vor dem Spiegel stand und noch einen langen weißen Schleier um ihre Pelzmütze legte, den sie unter dem Kinn zu einer großen Schleife zusammenband, welche ihrem rosigen Gesicht reizend stand.
Ilse lachte.