„Na, was nicht ist, kann noch werden,“ denn sie war nun einmal der Meinung, daß das schöne Paar zusammengehören müßte. Orla wurden die Reden der geschwätzigen Alten ungemütlich, sie wollte deshalb ins Haus gehen, um ihre Freundin zu begrüßen.

Andres ging mit ihr hinein.

Rosi und ihr Mann kamen ihnen schon auf dem Flur entgegen. Rosi umarmte Orla mit steifer Würde und gab ihr einen Kuß auf die Wange.

„Ich war ganz überrascht, wie ich von Nellie erfuhr, daß du hier bist,“ sagte sie, als sie im Zimmer waren, „aber ich freue mich sehr, dich wiederzusehen. Kamst du nur nach Deutschland, um Althoffs zu besuchen, liebe Orla oder führt dich noch ein andrer Zweck hierher?“

„Du erlaubst wohl,“ unterbrach sie Orla, „daß ich dir Herrn Doktor Andres vorstelle und dich bitte, mich mit deinem Manne bekannt zu machen.“

Rosi war innerlich empört über die Zurechtweisung, wie sie Orlas Bitte nannte. Mit einer kaum merklichen Neigung ihres Kopfes erwiderte sie die Verbeugung des jungen Arztes und stellte dann ihren Mann vor, dessen Augen unablässig auf Orlas Gestalt geruht hatten. Rosi hat mir ja niemals erzählt, wie schön diese Freundin von ihr ist, dachte er, und es wäre doch wahrhaftig der Mühe wert gewesen.

Lautes Sprechen und Lachen draußen kündigte jetzt die Ankunft der Zurückgebliebenen an. Orla lief ans Fenster und die andern folgten ihr dahin nach. Sie klopfte an die Scheiben und nickte den Freunden grüßend zu. Leicht, wie ein Vogel vom Zweig, war Ilse aus dem Schlitten gehüpft, und Flora, welche das mit neidischen Blicken beobachtet hatte, nahm jetzt einen Anlauf, ebenso graziös, wie Ilse, herunterzuspringen. Aber, verwickelte sie sich in ihre vielen Hüllen und Tücher, oder war ihre [pg 170]Ungelenkigkeit daran schuld, kurz und gut, sie stolperte und fiel, so lang sie war, in den Schnee. Man lachte über diesen kleinen Unfall und kam ihr unter Scherzen diensteifrig zu Hilfe. Flora machte denn auch gute Miene zum bösen Spiel.

„Ich begreife nicht, wie man über solches Mißgeschick auch noch lachen kann,“ sagte Rosi kopfschüttelnd und ging Althoffs und Gerbers entgegen, welche soeben eintraten. Ilse eilte auf Orla zu.

„Himmlisch, kannst du aber fahren,“ rief sie voller Begeisterung, „so gut wie du kann ich es allerdings nicht.“

„Auch ich mache Ihnen mein Kompliment, Fräulein Orla,“ sagte Althoff hinzutretend.