„Jetzt laßt eure schönen Komplimente bis nachher,“ unterbrach ihn Nellie, „und kommt zum Kaffeetrinken.“
„Du bist wohl eifersüchtig, Nellie, daß dein Mann zu tief in Orlas schöne Augen sieht?“ neckte sie Flora.
„O nein,“ lachte Nellie, leicht errötend, aber sie fühlte sich doch etwas getroffen, denn sie besaß wirklich eine kleine Anlage zur Eifersucht.
Lebhaft plaudernd setzte man sich an den Kaffeetisch, und Nellie übernahm die Rolle der Wirtin. Die mächtige weiße Kaffeekanne, welche mitten auf dem Tische prangte, erregte allgemeine Heiterkeit. Althoff meinte, sie sähe nicht vertrauenerweckend aus, und als ihr der erste Strahl so durchsichtig und hell entströmte, sank er mit einem komisch geseufzten „Ach, du lieber Gott“ in seinen Stuhl zurück.
„O, du leckres Mann,“ verwies ihn Nellie, die sich innerlich selbst über diesen Trank entsetzte, „du darfst nicht unbescheiden sein, der Kaffee ist ganz schön.“
„Ich glaube auch, daß der Kaffee gut ist,“ ergriff der Pastor ernsthaft das Wort, „wir trinken ihn nie stärker. Meine Frau meint, starker Kaffee wäre ungesund, nicht wahr Rosi?“
Sie schien seine Frage zu überhören.
„Ich hätte euch so gern gebeten, in unserem bescheidenen Hause fürlieb zu nehmen,“ wandte sie sich an Nellie, „aber die Räume sind so eng, wir wohnen so beschränkt, da dachte ich, das würde nicht gemütlich für euch sein.“
Den wahren Grund, weshalb sie keine Gäste haben wollte, verriet sie natürlich nicht. Als die Nachricht von Nellie eintraf, daß sie kommen würden, hatte Adolf ihr gesagt, daß sie Althoffs und die andern doch eigentlich einladen müßten, da sie von ihnen schon so oft und so freundlich aufgenommen worden waren. Er dachte dabei an den vergnügten Sonntag bei Althoffs, den er nicht vergessen konnte, denn er war wie ein Lichtstrahl in sein einförmiges Leben gefallen. Mit diesem Vorschlag war er aber bei Rosi schlecht angekommen. Sie hatte soeben eine gründliche Hausreinigung glücklich vollendet, tagelang gescheuert; und nun sollten ihr die Fußböden wieder schmutzig getreten, alles wieder in Unordnung gebracht werden! Nein, auf keinen Fall! Der Pastor wurde durch ihre Entschiedenheit so eingeschüchtert, daß er keine weiteren Einwendungen wagte, trotzdem er die Freunde sehr gern bei sich gesehen hätte. Um ihr möglichstes zu tun, hatte sie einen großen Kuchen gebacken. Derselbe prangte jetzt, in dicke Streifen geschnitten, die quer übereinandergelegt und hoch aufgeschichtet waren, auf dem Kaffeetisch.
„O, dieses furchtbare Bauernkuchen,“ flüsterte Nellie Ilse heimlich ins Ohr und nahm aus einem Körbchen feines Gebäck heraus, das sie mitgebracht hatte.