„Ach, ich dachte, ihr würdet schon bald heiraten! Nellie, sagtest du mir nicht, die Hochzeit sollte im Frühjahr oder Sommer sein?“ fing Rosi das peinliche Verhör wieder an.
Ilse saß wie auf Kohlen, verstohlen blickte sie zu Nellie hinüber, welche diesen flehenden Wink auch verstand und ihr zu Hilfe kam. Rosis Frage scheinbar überhörend, nahm sie eifrig einen Teller mit Aufschnitt vom Tisch und reichte ihr denselben hin.
„Bitte, iß noch, Rosi,“ nötigte sie lebhaft, „denn wenn wir nachher in der Stadt umherlaufen und Besorgungen machen wollen, mußt du dir erst tüchtig satt essen.“
„Ja, liebe Frau,“ wandte sich der Pastor jetzt an sie, „was meinst du, ich denke, du machst deine Besorgungen mit Frau Doktor und Fräulein Ilse, und wir treffen uns nachher im Ratskeller, wo wir beiden Herren einen Frühschoppen trinken wollen.“
Rosi sah ihren Mann mit so erstaunten Augen an, daß er ganz verlegen wurde, sich einige Male räusperte, wobei er die Fingerspitzen auf den Mund legte und schließlich nach einer kleinen Pause die Worte hervorstotterte:
„Doktor Althoff machte mir nämlich den Vorschlag.“
„Frau Pastorin,“ fiel dieser ihm in die Rede, „Sie haben wirklich einen ganz durchtriebenen Gatten. Jetzt schiebt er alle Schuld auf mich, während er es war, der mich zum Frühschoppen verleiten wollte.“
Rosi verzog bei diesem Scherz keine Miene.
„Ich denke, wir bleiben besser zusammen,“ sagte sie entschieden zu ihrem Mann, „und dann, du weißt doch, in Wirtshäuser gehe ich grundsätzlich nicht.“
Ilse sah verwundert zu ihr hin. War das denn die sanfte, fügsame Rosi von früher?