Als alle zum Ausgehen gerüstet auf dem Vorplatz standen, nahm Rosi eine Tasche vom Kleiderständer herunter und hing sie sich über den Arm.

„O, dieses entsetzliche Tasch nimmt sie mit,“ flüsterte Nellie Ilse zu und betrachtete das Ding mit mißtrauischen Augen.

Schön war die Tasche nicht, das konnte man nicht behaupten, aber desto größer, von grober grauer Leinwand, worauf mit lila Wolle in Kettenstich die Worte gestickt waren: „Bon voyage“.

„Willst du den Sack mitnehmen, Rosi!“ machte Nellie ihren Gefühlen Luft. „Du brauchst nicht,“ fügte sie freundlich hinzu, „die Kaufleute schicken gern alle Ware ins Haus.“

„Einen Sack brauchst du diese Tasche nun nicht gerade zu nennen, Nellie, wenn du sie auch nicht schön findest,“ erwiderte Rosi gereizt und zog die Geschmähte noch fester über ihren Arm.

„O, sei nicht böse, ich kenne in der deutsche Sprach noch oft nicht die richtige Worte“, entschuldigte sich die junge Frau, und der Schalk lachte aus ihren Augen.

„Das scheint so,“ meinte Rosi kühl und ging voran.

Verschiedene Einkäufe waren schon besorgt und die Pakete in die verpönte Tasche gewandert, die sich behaglich in die Weite und Breite dehnte.

„Hier möchte ich noch eine Arbeit für meinen Mann [pg 95]zu Weihnachten kaufen,“ sagte Rosi leise zu den beiden Freundinnen und blieb vor einem Stickereiladen stehen.

„Lieber Adolf,“ wandte sie sich zu ihrem Manne, „du bleibst wohl hier so lange vor dem Laden stehen; ich möchte etwas kaufen, was du nicht sehen sollst. Sei auch so gut und halte die Tasche so lange.“