„Ja, was denn, was ist denn, hast du mich gerufen, Ilse?“ fragte diese noch halb im Schlafe.

Ilse war es nun doch peinlich, Orla zu fragen, denn was würde diese dazu sagen, wenn sie jetzt mitten in der Nacht eine Beschreibung von Paris haben wollte.

„Was willst du denn?“ fragte Orla und richtete sich im Bett auf, da sie keine Antwort erhalten hatte. „Warum hast du mich denn geweckt?“

Endlich faßte sich Ilse ein Herz und erkundigte sich zaghaft, ob Orla wohl schon in Paris gewesen sei und wie es dort wäre, sie möchte ihr doch davon erzählen. Sie war froh, daß es Nacht war und Orla sie nicht sehen konnte, denn sie fühlte, wie rot sie bei dieser Frage wurde.

„Mein Gott, Ilse, du phantasierst doch nicht, oder hast du etwa geträumt?“ rief Orla erstaunt.

„Ach nein, ich habe überhaupt noch nicht geschlafen,“ gab Ilse kleinlaut zur Antwort, „und da dachte ich so zufällig an Paris.“

„Ach ja,“ sagte Orla, „nun begreife ich, du beschäftigst dich natürlich deshalb in Gedanken lebhaft mit Paris, weil dein Bräutigam dort ist?“

Ilse erschrak; sie hatte geglaubt, Orla habe es nicht gehört, als die Frau Direktor ihr die Neuigkeit von Leos Reise mitteilte, da sie gerade in dem Schaufenster eines Kunstladens, vor welchem sie standen, die Bilder einiger Professoren betrachtete. Sie hatte dabei nicht gedacht, daß die neugierige Dame eine sehr helle und durchdringende Stimme besaß, so daß Orla recht wohl hören konnte, was sie sagte. Übrigens war dieser erst jetzt bei Ilses Frage die Angelegenheit wieder eingefallen, der sie zuerst keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt hatte.

Ilse wußte nicht, was sie auf Orlas Frage antworten sollte, und schwieg deshalb still. Es wäre ihr jetzt sogar lieb gewesen, wenn Orla das Gespräch abgebrochen hätte, aber diese fuhr nach einer kleinen Pause fort:

„Paris ist sehr schön, Ilse, und ich bin überzeugt, daß es deinem Bräutigam dort vorzüglich gefallen wird.“