Abb. 32. Korbhändler.
Zur Zeit ist die fragliche Landschaft, die wir der Einfachheit wegen als Baracoasche Berglandschaft bezeichnen, in den allermeisten Gegenden noch eine pfadlose und ursprüngliche Wildnis, und weder die stattlichen Kiefern- und Palmenbestände, die schon Kolumbus bewunderte und in ihrem wirtschaftlichen Werte würdigte, noch die Bestände der Mahagoni-, Cedrelen-, Tecoma-, Gayacum-, Sapota-, Catalpa-, Sideroxylon-, Balata-, Chlorophora- und Lorbeerbäume, die in dem wechselvollen Durcheinander ihrer Gestalt und Belaubung Höhen und Thäler bis dicht an die Meeresküste bekleiden, sind irgendwo in bemerkenswerter Weise gelichtet worden. Und wer die seltsame einheimische Tierwelt Cubas kennen lernen will, durch die sich die Insel zusammen mit den übrigen Großen Antillen als ein ähnlich selbständiger Erdraum bekundet, wie Madagaskar und Neuseeland, der findet hier dazu die beste Gelegenheit. Besonders sind die Hutias (Capromys) und Aires (Solenodon) in diesen Wäldern sehr zahlreich, nicht minder aber auch die von den nord- und südamerikanischen stark abweichenden Flatterer, die ungiftigen Schlangen, die Iguanas u. s. w.
Hier und da öffnet sich in der korallinen Küstenwand der Eingang in eine weite und zumeist auch tiefe Bucht, und manche dieser Buchten würde fähig sein, Riesenflotten zu bergen. Alle ohne Ausnahme haben aber die schlimme Schattenseite, daß sie in strenger Weise von dem Passatwinde beherrscht werden und daß schon das Einsegeln in sie, mehr aber noch das Aussegeln aus ihnen außerordentlich schwierig, ja zu Zeiten vollkommen unmöglich ist. Nur an der Minderzahl, wie an der Bucht von Juragua, an der von Tanamo und an der von Cabonico und Levisa, sind daher kleine Niederlassungen entstanden, deren Palmhütten von Bataten-, Yams- und Bananenpflanzungen und Kokoshainen umgeben sind, und irgend welchen Kultureinfluß, der weit in das Innere reicht, hat keine der Buchten auszuüben vermocht.
Bucht von Nipe.
Auch selbst die herrliche Bucht von Nipe sowie diejenige von Banes, die zwischen der malerischen Sierra de Nipe (der westlichen Fortsetzung der Sierra de Cristal) und der Kette des weithin sichtbaren Pan de Sama tief in das Land hineingreifen und die unter einem anderen Luftströmungsregime den vorzüglichsten Naturhäfen der Erde zuzählen könnten, werden im Laufe des Jahres nur von wenigen Fahrzeugen besucht, und sowohl das Uferland des auf einer kurzen Strecke (12 km) schiffbaren Rio Mayari als auch der Südabhang der Sierra de Sama sind ungeachtet ihrer fruchtbaren Roterde nur in geringem Umfange von Tabak- und Bananenpflanzungen bestanden, während die weite Schwarzerdeniederung zwischen den genannten Bergzügen beinahe in ihrer ganzen Ausdehnung noch eine ähnliche jungfräuliche Urwaldwildnis bildet, wie das beschriebene Gebirgsland.
Abb. 33. Eingang in die Bucht von Santiago (mit Morro und Socapa-Batterie).
Abb. 34. Bai von Santiago.