Abb. 50. Trinidad und der Pico de Potrerillo.

Das Cauto-Thal.

Wenn die Sierra Maestra gegen Süden in das tiefste Meer hinabstürzt, das Cuba bespült, so fällt sie gegen Norden mit ihren letzten steilwandigen Lomas in die ausgedehnteste Stromniederung hinein, die die Insel besitzt. Die ausgesprochensten Gegensätze berühren sich also an beiden Seiten. Diese Niederung, die sich auch in ihren innersten Teilen nur wenige Meter über den Meeresspiegel erhebt, und die in ostwestlicher Richtung von dem größten cubanischen Strom — dem mehrfach erwähnten Rio Cauto (mit 330 km Lauflänge und 11000 qkm Gebiet) — durchströmt wird, ist in der Hauptsache ein junges Schwemmland, das seinen Ursprung vor allen Dingen den ungeheuren Schlamm- und Schuttmassen verdankt, die die nördlichen Abflüsse der Sierra Maestra in der Regenzeit fortwälzen und schwebend seewärts führen. In einer nahen erdgeschichtlichen Vergangenheit griff der große Golf von Guacanayabo viel tiefer in die Insel ein, den Hals, der ihren Kopfteil an dem Rumpfe hält, zu einem längeren und schmächtigeren machend, und die Schuttkegel und Deltas des Cauto sowie auch des Rio Jicotea, Rio Yara und Rio Jibacoa schieben sich noch beständig weiter vor, an der Vergrößerung der Schwemmlandniederung und an der Auffüllung des seichten, von großen Sand- und Schlammbänken erfüllten Meerbusens rüstig weiter arbeitend. An den Rändern, wie bei Yara und Jiguani (2000 Einw.), ist der Boden beinahe durchgängig fruchtbare Roterde, auf der ein vorzüglicher Tabak gedeiht, nach der Mitte und nach der Küste zu, wie bei Bayamo und Manzanillo, breiten sich weite Strecken von noch fruchtbarerer Schwarzerde aus, und auf ihnen hat der Zucker- und Reisbau eine gute Stätte gefunden. Sehr bedrohlich und oft verhängnisvoll sind für diese Kulturen aber die großen Überschwemmungen, die die genannten Ströme sowie auch der von dem Hügellande in Holguin herkommende Rio Salado in der Regenzeit verursachen, und an diesen Überschwemmungen liegt auch der Hauptgrund davon, daß die Niederung auf weiten Strecken dauernd versumpft ist (besonders in der Ciénaga del Ruey), im übrigen aber noch immer zum allergrößten Teile als Savanne und Bruchwald wild brach liegt. Der Cauto ist auf einer Strecke von 120 km (bis zur Vereinigung mit dem Cautillo) gut schiffbar, und ursprünglich konnten auch Seeschiffe in seine Mündung gelangen, eine furchtbare Überschwemmung im Jahre 1616 schloß die Mündung aber durch die herbeigeführten Schuttmassen dergestalt, daß die in dem Flusse befindlichen zahlreichen Fahrzeuge denselben niemals wieder verlassen konnten. Die so geschaffene Barre künstlich zu beseitigen, ist aber unter den obwaltenden Verhältnissen nicht thunlich gewesen. Die gleiche Überschwemmung zerstörte übrigens auch das bereits im Jahre 1513 von Santiago begründete Bayamo (9000 Einw.), so daß dasselbe größtenteils neu aufgebaut werden mußte. Der Abzug der Produktion und der Verkehr nach außen wurde durch die Sperrung der Cautomündung für die ganze Niederung schwer behindert, und auch die Anlagen von Manzanillo (10000 Einw.), das in seinen Hafen mittelgroße Seeschiffe zuläßt, hat nur für einen beschränkten Teil der Gegend eine erhebliche Verbesserung mit sich gebracht. Die Landstraßen sind ja in der Cautoebene während der Regenzeit noch grundloser als im Berg- und Hügellande, und eine Eisenbahn von Manzanillo nach Bayamo ist zwar seit langem geplant, zur Stunde aber noch nicht in Angriff genommen worden. Infolge der angegebenen Eigenschaften hat sich die Cautoniederung und besonders ihre Randgegend jederzeit als der eigentliche Hauptherd der Insurrektion bewährt. Der Reichtum der Ebene bot den Aufständischen die beste Gelegenheit, ihre Kräfte zu konzentrieren, die Berge nahe dabei sowie die Sumpfwaldungen boten ihnen vorzügliche Deckung, und die spanischen Heerkörper bewegten sich bei den mangelnden Verkehrsvorrichtungen schwerfälliger als irgendwo sonst. So nahm der zehnjährige Aufstand von 1868 bis 1878 seinen Anfang in Yara, und die ersten wirklichen Kämpfe der Gomez und Maceo im Jahre 1895 fanden dicht bei Bayamo statt, sowie bald danach in der Gegend von Victoria de las Tauas (3000 Einw.), das in dem nördlich an die Cautoniederung anstoßenden Hügellande von Holguin liegt und noch dem Cautogebiet angehört — als die Hauptausgangspforte aus dem Kopfteile Cubas in den anstoßenden Rumpfteil, bezugsweise aus den Gebirgslandschaften von Baracoa und Santiago nach der weiten Hügel- und Flachlandschaft, die der cubanische Volksmund als das Camaguey zu bezeichnen pflegt.

Abb. 51. Vorberge der Sierra de Trinidad.

VI.

Die Natur der cubanischen Küste und des Meeresraumes, der sie begleitet, ändert sich, wenn man das Kap Cruz hinter sich hat, in geradezu überraschender Weise. Niemand hat dies wohl lebhafter empfunden, als Christoph Kolumbus, und weil derselbe ohne weiteres erkannte, daß von hier ab gegen West ganz andere und weit schwierigere Probleme seiner harrten, als zwischen Baracoa und Nuevitao und zwischen Kap Maisi und Kap Cruz, so wendete er sich auf seiner zweiten Reise alsbald von dem fraglichen Punkte weg gegen Süd und hinüber nach Jamaica, um seine Fahrt entlang der Südküste von Cuba erst später wieder aufzunehmen.

Abb. 52. Die Bucht von Cienfuegos.

Die Cayos.