Nur an der Ostseite des Cayo Sabinal steht dem Seeverkehr ein wirklich guter Aus- und Eingang offen, durch den die größten Seeschiffe sich dem Ufer des Hauptlandes bis auf einen geringen Abstand nähern und kleinere unmittelbar daran landen können. Kolumbus stand nicht an, denselben als „einen der besten der Erde“ („de los mejores del mundo“) zu rühmen, und er nannte ihn Puerto de Mares, Velasquez aber gründete an seinem Gestade 1516 die Stadt Santa Maria del Puerto Principe, die sich zu dem heutigen Nuevitas (7000 Einw.) entwickelt hat. Der Passatwind und die Gezeitenströmungen, sowie die Gewundenheit und Enge des Fahrwassers sind Mängel des schönen Hafens, und die beiden hohen Leuchttürme vor der Einfahrt warnen nicht umsonst vor den daselbst drohenden Gefahren. Das nächste Hinterland hat aber einen sehr fruchtbaren Dunkelboden, auf dem die Zuckerrohrkultur einen beträchtlichen Umfang genommen hat, und außerdem enthält dasselbe auch einen großen Reichtum an den bekannten westindischen Nutzhölzern. Das fernere Hinterland ist aber die Camagueylandschaft nahezu in ihrer Gesamtheit, und in dieses hinein führt von Nuevitas eine der wenigen ostcubanischen Eisenbahnen, die Würde des Platzes als Haupthafen gewissermaßen noch vollständiger besiegelnd. Moron (6000 Einw.), das durch die Kanäle am westlichen Ende der angegebenen Keyreihe kleineren Fahrzeugen nahbar ist, kann jedesfalls nur als eine Nebenpforte gelten, und dasselbe hat seine Bedeutung vor allen Dingen darin gehabt, daß es die spanische Heeresleitung in den Stand setzte, die stark befestigte Verteidigungslinie gegenüber der Insurrektion auf dem Isthmus von Moron auch von dieser Seite von der See her zu stützen.

Abb. 58. Cubanische Feldbestellung.

Das Hügelland als Schlupfwinkel.


Das Innere des Camaguey stellt sich dem Auge im großen Ganzen als eine Landschaft dar, deren Formen stark von den Verwitterungsagentien abgetragen worden sind. Weite und nahezu vollkommene Ebenen mit der allgegenwärtigen cubanischen „Tierra Colorada“ wechseln mit Gruppen niedriger, aber immerhin ziemlich steilwandigen Cerros und Lomas aus Granit, Diorit, Serpentin u. dergl., sowie zum Teil auch aus tertiärem Kalkstein. In der Osthälfte des Landes, und insbesondere in der Gegend von Guaimaro und entlang dem Rio Najasa entwickeln sich diese Lomas zu förmlichen kleinen Gebirgen — den Lomas del Rompe, der Sierra de Sibanica, der Sierra del Postillo, der Sierra de Najasa, der Sierra de Guaicanamar —, die trotz ihrer geringfügigen Erhebung (200–300 m) wild genug sind, und durchgängig noch ein ziemlich ursprüngliches Busch- und Waldkleid tragen: schöne Königspalmen, mächtige Ceibas ([Abb. 43] und [44]), Mahagonibäume, Cedrelen, Granadillas, Mameys, Rosenäpfel- und Guavenbüsche u. s. w. Ein ansehnliches Kalksteingebirge, das in der Steilheit seiner Wände und Gipfel, sowie in seinen Höhenverhältnissen (gegen 500 m) und in seiner Entstehungsgeschichte an die Gebirge von Baracoa erinnert, ist aber vor allem die Sierra de Cubitas, in Nordwest-Camaguey in unmittelbarer Nachbarschaft der nördlichen Küstensümpfe, und dieselbe setzt sich gegen Moron hin, jenseits einer breiten Thalsenke, in der niedrigen Sierra de Indas gewissermaßen weiter fort. Sie enthält eine Reihe mächtiger Höhlen, von denen die größte bezeichnenderweise Cueva de los Negros Cimarrones (Cimarronnegerhöhle) heißt. In den Insurrektionskämpfen hat die Sierra de Cubitas sich immer als ein Hauptfort der Aufständischen bewährt, und in den letztvergangenen Jahren galt ein schwer nahbares Viehgehöft auf einer ihrer Höhen längere Zeit als die Regierungshauptstadt der „Cuba Libre“. Kaum minder bedeutsam sind aber in der Insurgentenstrategie auch die genannten niedrigeren Bergzüge bei Guaimaro gewesen, da sie es den Führern ermöglichten, in steter enger Berührung mit der Cauto- und Maestragegend zu bleiben. Und die weiten Ebenen, zu denen sich die Camagueylandschaft gegen die Mitte hin verflacht, und mit denen sie sich beiderseits sanft zu den Küstensümpfen abdacht, sind füglich ebenfalls viel besser dazu geschaffen, kleinen Banden die Bewegung und Verproviantierung, sowie das Scharmützeln und Entschlüpfen zu gestatten, als wirklichen Heerkörpern ihre geordneten Operationen. In der Trockenzeit (Seca) herrscht daselbst größerer Wassermangel, als in anderen Gegenden der Insel, denn das Klima des Camaguey ist bei der entschiedenen Vorherrschaft abgeflachter Bodenformen verhältnismäßig regenarm. Die schwach eingeschnittenen Ströme ([Abb. 45] und [46]) trocknen dann vielfach gänzlich aus, und als Trinkstätten für Menschen und Tiere dienen lediglich vereinzelte Wasserlöcher und Quellen (ojos de agua), die nur der Ortskundige findet. In der Regenzeit (estacion de las aguas) dagegen reichen die Gewittergüsse bald genug aus, die Ströme übervoll und unpassierbar zu machen, die Ebenen aber auf weiten Strecken in einen knietiefen Morast zu verwandeln. Im Zusammenhange mit diesem Klima, sowie mit dem sandigen Boden herrschen in den Ebenen des Camaguey auch lichte Baumbestände, mit Fächer- statt Königspalmen, sowie ausgedehnte Savannen mit hohen Gräsern vor. Den Hauptwirtschaftsbetrieb aber bildet die Viehzucht, die Hauptsiedelungen sind weit auseinander liegende Ranchos und Hatos ([Abb. 47]), die eigentlichen Charakterfiguren der Landschaft sind die berittenen Hirten (Monteros) und Land- und Herdenbesitzer ([Abb. 48]), die natürlich sämtlich echte Cubaner und treue Parteigänger der Insurrektion waren. Wer das Cuba der Creolen kennen lernen will, der ist überhaupt in dem Camaguey am richtigsten Orte. Die Straßen sind durchgängig schlecht, und das einzige Verkehrsmittel, in dem auf denselben mit einiger Sicherheit und vielleicht sogar mit einigem Behagen vorwärts zu kommen ist, ist außer dem kleinen cubanischen Reitpferde die zweiräderige Volante, mit ihrem breiten Achsengestell und ihrer langen elastischen Deichsel, sowie mit ihrem seitwärts voraufjagenden Leitreiter — ein Fuhrwerk, das in den meisten anderen Gegenden Cubas im Aussterben begriffen ist ([Abb. 49]). Auf solche Weise, und weil bislang ein Anschluß an das westcubanische Eisenbahnnetz nicht vorhanden war, werden aber auch die fremden Einflüsse von der Landseite her ziemlich wirksam von dem Camaguey fern gehalten oder doch sehr eingeschränkt.

Abb. 59. Grünfuttertransport.

Abb. 60. Santo Domingo.