Die ungeheure Sumpfniederung der sogenannten Ciénaga de Zapata, die sich westlich von der Cienfuegosbucht ausbreitet, wurde von dem spanischen Kolonialregimente derselben Provinz zugerechnet, wie Cienfuegos — der Provinz Santa Clara —, vom geographischen Gesichtspunkte aus wird sie aber besser der Vuelta Arriba zugewiesen, die westlich an Las Villas grenzt. Wir wenden uns von neuem der Nordküste Cubas zu und betrachten die Cinco-Villas-Landschaft auch von dieser Seite her. Wir gewahren da vor allen Dingen, wie die lange Kette der Koralleninseln und Riffe, die bei Nuevitas beginnt, sich westwärts von dem Isthmus von Moron weiter fortsetzt, zugleich aber auch in viel kleinere Glieder auflöst und festonartig wieder und wieder an die Hauptinsel angeknüpft erscheint. Die Seichtsee, die durch die Keys von dem hier auch noch ziemlich tiefen Bahamakanale (475 m) geschieden wird, setzt sich auf diese Weise aus einer ganzen Reihe von einzelnen Becken zusammen, die verschiedene Namen führen: Buenavistabai hinter dem Cayo Frances und den Cayos de Santa Maria; Caibarcenbai hinter dem verhältnismäßig großen, dreigliedrigen Cayo Fragoso; Saguabai hinter der Gruppe des kleinen Cayo Cristo; Guinesbai hinter dem Cayo Verde und Cayo Sotavento; Santa-Clara-Bai hinter dem Cayo de Cadiz und Cayo de Cinco Leguas; Cardenasbai hinter dem Cayo Cruz del Padre und der Hicacoshalbinsel, an der die ganze reichlich 400 km lange Keykette von Nordcuba ihren Abschluß endlich findet. Auch die hydrographische Aufnahme dieser Keyflur ist eine unvollständige geblieben. Es ist aber sicher, daß ein tieferes Fahrwasser als 1–3 m bis zur Küste des Hauptlandes nirgends vorhanden ist, wenn auch einzelne Durchfahrten zwischen den äußeren Keys etwas tiefer sind. Kein großer Dampfer kann sich also der Landschaft der Cinco Villas hier nähern, und die Hauptströmungen des Weltverkehrs können sie von der Bahamaseite nicht so stark und unmittelbar berühren, wie von der caribischen Seite, so daß man sagen könnte, die Landschaft wende ihr kulturgeographisches Antlitz von Nordamerika ab und Mittel- sowie Südamerika zu. Ein ziemlich guter und durch einen Leuchtturm deutlich markierter Zugang zur Küste ist indes beim Cayo Frances vorhanden, und gewöhnliche Schoner sowie kleine Dampfer (von 2,7 m Tiefgang) können durch ihn bis Caibarien gelangen. Nicht viel ungünstiger liegen die Verhältnisse sodann auch westlich von dem Cayo Tragoso (bei der Boca de Marcos) und zu beiden Seiten des kleinen, wieder einen Leuchtturm tragenden Cristekay (bei der Canete-, Marillanes- und Serondurchfahrt), wo die Mündungen des kleinen und großen Saguaflusses von flach gehenden Fahrzeugen (bis gegen 2 m) erreicht werden können und wo dergleichen Fahrzeuge auf dem letzteren Flusse sogar ein beträchtliches Stück (35 km) ins Binnenland vordringen. Weiter westlich endlich läßt die Cardenasbai zwischen dem Cruz del Padre- und Piedraskey noch größere Schiffe (von 3,3 m Tiefgang) als die Caibarienbai zu; da wir die westliche Grenzlinie der Cinco-Villas-Landschaft nicht anders zu ziehen wissen, als quer über die isthmusartige Verschmälerung Cubas zwischen der Cienfuegosbai und der Guinesbai, bezugsweise östlich von dem Zapatasumpfe, so kommt die Cardenasbai an dieser Stelle noch nicht in Betracht. Viel besser als bei dem Camaguey ist es übrigens bei der Cinco-Villas-Landschaft um die Zugänglichkeit der Nordseite in jedem Falle bestellt, und sowohl der Küstenverkehr als auch der kleinere Hochseeverkehr hat sich daselbst in viel bedeutenderem Umfange entwickeln können.

Abb. 65. Habana und die Atares- oder Tallapiedrabucht.

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GRÖSSERES BILD]

Abb. 66. In der Vorstadt von Habana.

Zudem ist die Hauptküste der Cinco-Villas zwar auch niedrig und vorwiegend von Mangroven- und Binsensumpf eingenommen, sehr breit und mit zahlreichen Lagunen übersät ist der Sumpfgürtel aber nur an der großen Sagua, und anderweit ist er mehrfach von höherem Lande unterbrochen, ja zum Teil treten wirkliche kleine Gebirge nahe genug an das Meer, um von den Seefahrern gut gesehen und als Landmarken benutzt werden zu können; so namentlich die Tetas de Buenavista, östlich von Remedios, und die Sierra Morena, nordwestlich von Quemado de Guines. Eine kleine Strecke landein liegt aber beinahe allenthalben fruchtbare Schwarz- und Roterdeniederung, die ursprünglich teils von Savannen, teils von lichtem Walde bestanden war — auch hier öfter von Fächerpalmen („Guano blanco“ = Thrinax argentea, „Palma cana“ = Sabal umbraculifera u. s. w.) als von Königspalmen, die sich aber auch hier unter der Hand des Menschen und durch den rohen cubanischen Ochsenpflug ([Abb. 58]) in bedeutendem Umfange in ergiebige Zuckerrohrfelder verwandelt hat. Namentlich an der Buenavista- und Caibarien- sowie an der Guinesbai sehen wir daher eine große Zahl der erwähnten Zuckereisenbahnen und Zuckereisenbahnzüge quer durch die Niederung zur Küste streben, um dort an kleinen Verladeplätzen ihre Last an Lastenschiffe oder Küstenfahrer zur Weiterbeförderung nach Caibarien oder nach der Saguamündung oder nach irgend einem anderen weiteren Ziele abzugeben. An den Gehängen und an den Thälern der Tetas de Buenavista bei Remedios, sowie auch in denjenigen der Lomas von Quemado de Guines und der Sierra Morena ist dazu auch der Tabakbau schon seit alten Zeiten belangreich, und wo die Savanne gegenwärtig noch in dem Naturzustande verharrt, da weiden auch hier stattliche Rinderherden.

Remedios. Sagua la Grande.

In solcher Weise waren in dem nördlichen Küstenstriche der Cinco-Villas-Landschaft gute natürliche Vorbedingungen für das Aufblühen von einer ganzen Reihe ansehnlicher Märkte und Ortschaften gegeben. Der Ehrenplatz unter ihnen gebührt dem alten Juan de los Remedios (7500 Einw.), der vierten der „Cinco Villas“, deren Begründung an ursprünglicher Stelle (auf einem Key dicht an der Küste) ins Jahr 1545 zurückreicht, und die mit ihrem Hafen Caibarien (5500 Einw.) einer der hervorragendsten Zucker- und Tabakausfuhrplätze der Insel ist. Als Zuckerhafen noch bedeutender ist aber das junge, erst 1859 zur Stadt erhobene Sagua la Grande (14000 Einw.) das mit beiden Plätzen sowie auch mit Santa Clara und Habana und mit seinem Vorhafen Isabella durch Eisenbahnen verbunden ist. Von kleineren Ortschaften des Küstengebietes sind daneben noch bemerkenswert Yaguajay (1500 Einw.), südlich der Buenavistabai, Camajuani (2000 Einw.) sowie Calabazas (2000 Einw.), zwischen Remedios und Sagua, als der Mittelpunkt zahlreicher Ingenios; und Las Vueltas (1500 Einw.) westlich von Remedios sowie Quemado de Guines (1500 Einw.) westlich von Sagua, als wichtige Tabakmärkte.