Cubas Aufschwung im XIX. Jahrhundert.

In den Jahren 1792–1817 erfolgte eine Verdoppelung der cubanischen Volkszahl von 272000 auf 553000 und in den Jahren 1818–1845 eine weitere Verdoppelung derselben auf 1112000, so daß der Aufschwung in dieser Beziehung als ein höherer und rascherer erscheint, als in den hervorragendsten Staaten der Nordamerikanischen Union, mit alleiniger Ausnahme von New York. Und im Einklange damit erschienen auch die wirtschaftlichen Leistungen der Kolonie mehr und mehr in einem sehr glänzenden Lichte. Die Tabakausfuhr stieg in dem Zeitraume von 1789–1850 von 56000 Centnern auf 360000 Centner und 94 Millionen Stück Cigarren (abgesehen von dem in diesem Artikel jederzeit stark betriebenen Schmuggelhandel), die Zuckerausfuhr wuchs von 1764 bis 1853 von 20000 auf 6,6 Millionen Centner, und die Kaffeeausfuhr war in den zwanziger und dreißiger Jahren des laufenden Jahrhunderts bedeutender als die von Java (1830–1835 500000 Centner jährlich). Die Häfen der Insel, und vor allem derjenige von Habana, belebten sich mit Tausenden von Fahrzeugen, die meisten älteren Städte gediehen zu ansehnlicher Größe und Schönheit ([Abb. 8], [9] u. [10]), und zugleich gesellten sich ihnen zahlreiche neue zu, und inmitten der sich weiter und weiter ausdehnenden, mit den genannten Stapelerzeugnissen bebauten Kulturgefilde erstanden allerwärts mächtige Wirtschafts- und Fabrikgebäude ([Abb. 11] u. [12]) sowie freundliche Herrenhäuser und Quintas. Die natürlichen Savannen nebst den durch das eingeführte Guinea- und Paragras (Panicum maximum und Panicum molle) verbesserten Kunstweiden nährten um das Jahr 1850 nahe an eine Million Rinder, und die Mahagoni- und Cedrelenschlägereien sowie die Kupfergruben der Provinz Santiago gewährten gleichfalls eine namhafte Ausbeute. Nicht so bald war in Europa und Nordamerika das Zeitalter der Eisenbahnen hereingebrochen, so machte sich Cuba auch diese bedeutsame Neuerung zu nutze, und die Linie Habana-Guines war bereits 1838 im Betriebe, während der Ausbau des heute auf der Insel vorhandenen Schienenstraßennetzes in der Hauptsache bis Anfang der sechziger Jahre bewirkt wurde. Der erste Seedampfer aus Nordamerika war aber schon im Jahre 1818 in der Bucht von Habana erschienen.

Abb. 7. Die Cabañafestung nebst der Bucht von Habana.

[❏
GRÖSSERES BILD]

Abb. 8. Die Indianerinbildsäule im Prado von Habana.

Wirtschaftlicher Aufschwung Cubas.

Furchtbare Naturereignisse, wie die mit großen Sturmfluten einhergehenden Orkane von 1768, 1791, 1810, 1844 und 1846, die starken Erdbeben von 1755, 1766, 1826 und 1852 und die anhaltende Dürre von 1844 traten auch in dieser Zeit auf, sie vermochten aber die wirtschaftliche Blüte ebensowenig dauernd zu beeinträchtigen wie die den Küstenplätzen eigentümlichen Gelbfieberepidemien, und alles in allem gab es um die Mitte des XIX. Jahrhunderts schwerlich ein Kolonialland in der Welt, das in einem so hohen Grade wie Cuba ein Bild rühriger Thätigkeit, allgemeinen Wohlstandes und verfeinerten Lebensgenusses geboten hätte.

Die Zahl der Zuckerrohrpflanzungen belief sich im Jahre 1850 auf 1442, die Zahl der Kaffeegärten (Cafetales) auf 1618 und die Zahl der Tabakfelder (Vegas) auf 9102, dabei waren aber um jene Zeit in der Westhälfte der Insel (westlich von dem Isthmus von Moron) erst ungefähr acht Prozent und in der Osthälfte sogar nur etwas über drei Prozent von der Gesamtfläche wirkliches Kulturland, und der Weiterentwickelung des Wirtschaftslebens schienen auf diese Weise allerwärts noch ungemessene Räume offen zu stehen.