Wissenschaftliche Erforschung Cubas.

Anerkennenswert waren in der Zeit des geschilderten wirtschaftlichen Aufschwunges auch die Fortschritte, welche die wissenschaftliche Durchforschung und Kenntnis von der Insel machte. Die Aufnahmen, welche das spanische hydrographische Amt damals an den Küsten von Cuba vornahm, durften mit gutem Grunde als mustergültige gerühmt werden, und im Verein mit den im Inneren bewirkten astronomischen Ortsbestimmungen führten dieselben im Jahre 1835 zu der Veröffentlichung einer grundlegenden topographischen Übersichtskarte von der Insel.

Vor allen Dingen aber bewährte sich an der Eingangsschwelle unseres Jahrhunderts Alexander von Humboldt auch betreffs Cuba als eine Art zweiter Kolumbus, indem er an der Hand seiner 1801 und 1804 bei Habana, Guines, Batabano und Trinidad angestellten eigenen Beobachtungen seine an der Hand der besten anderweit vorliegenden Materialien in seinem Essai politique sur l’île de Cuba (Paris 1821–1824) ein erstes kritisches und umfassendes wirtschafts- und kulturgeographisches Gemälde von der Insel entwarf.[1]

Abb. 9. Vorstädtisches Matanzas (Quintas).

[1] In Humboldts Fußstapfen gingen dann andere einher: ein Ramon de la Sagra mit seiner ausführlichen Historia fisica, politica y natural (Madrid 1849), ein Felipe Poey mit seiner Historia natural (Madrid 1851), ein Estéban Pichardo mit seiner Geografia (Habana 1854), ein José Maria de la Torre mit seinem Elementos de Geografia (Habana 1856), ein José de Pezuela mit seinem Diccionario geografico (Madrid 1863) — nicht zu vergessen der mühevollen kartographischen Leistungen eines Estéban Pichardo (21 Blätter) und Francisco Coëllo. Eine von der spanischen Kolonialregierung geplante geologische Landesaufnahme (1844) scheiterte freilich an den unzureichenden Mitteln.

II.

Tabakbau.

Man darf behaupten, daß die hohe wirtschaftliche Blüte Cubas bis in die siebziger Jahre des XIX. Jahrhunderts hinein angedauert habe, und wenn gewisse statistische Ausweise für die Beurteilung dieser Blüte maßgebend wären, so könnte man sogar geneigt sein zu glauben, daß es auch in den achtziger und neunziger Jahren noch sehr glänzend damit bestellt gewesen sei. Die Zuckerproduktion der Insel erreichte ja im Jahre 1894 die vordem niemals dagewesene Höhe von 1030000 Tonnen, so daß sie ein volles Dritteil von der Rohrzuckerproduktion der ganzen Welt ausmachte, und daß Java, Mauritius u. s. w. darin weit hinter Cuba zurückstanden. Die Tabakernte betrug bis 1895 im Jahresdurchschnitte gegen 600000 Centner, und etwa 450000 davon wurde in Gestalt von Blättern, der größere Teil des Restes aber in Gestalt von Cigarren (1889 250 Millionen) und Cigaretten (1893 147 Millionen Pakete) in das Ausland verführt. Die Einwohnerzahl der Insel war im Jahre 1890 auf 1660198 gestiegen, die Zahl ihrer Zuckerfabriken (Ingenios) auf 1119, die Zahl ihrer Tabakpflanzungen (Vegas) auf 8485, die Zahl ihrer Viehzuchtgehöfte (Potreros) auf 4214, die Zahl ihrer Rinder auf 2,5 Millionen, die Zahl ihrer Pferde, Maultiere und Esel auf 965000 und der Wert ihrer sämtlichen Landgüter auf 1260 Millionen Mark. In seinem Ausfuhrhandel aber überragte Cuba (1892 384 Millionen Mark) sowohl Algerien und Ägypten als auch das Kaisertum Japan, und in dem Hafen von Habana allein verkehrten 1890 2179 Schiffe (mit 2,6 Millionen Tonnen).