Treu
19-1
und herzinniglich,
Robin Adair!
Tausendmal grüß ich dich!
Robin Adair!
Hab’ ich doch
19-2
manche Nacht
Schlummerlos zugebracht,
Immer an dich gedacht,
Robin Adair!

Die Verse verklangen. Der Engländer war außer sich vor Freude, als er die heimische Weise klingen hörte. „Das ist beautiful—, aber wo haben Sie ein ähnliches deutsches Lied?“—Die Studios besannen sich.

„Nun, singen Sie: ‚Ännchen von Tharau’!“,19-3E-1 sagte die „Institutsvorsteherin.“

„Richtig, los! eins, zwei, drei, ’Ännchen von Tharau’ ist’s die mir gefällt!“ rief der zweite Tenor. Sie sangen frisch herunter:

Ännchen von Tharau ist’s, die mir gefällt,
Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld.
Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz
Auf mich gerichtet in Freud’ und in Schmerz.
Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut!
Du, meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.
Käm’ alles Wetter gleich auf uns zu schlahn,
19-4
Wir sind gesinnt, bei einander zu stahn:
Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein
Soll unsrer Liebe Verknotigung sein ...

„Das ist ein schönes Volkslied, das müssen Sie mir geben. Aber was ist das „Verknotigung?““20-1E-2

„Ja, wissen Sie, das ist etwas besonderes. Zum Exempel, wenn ein Jüngling und eine Jungfrau sich so ein bißchen stark lieb haben, so ist das „Verknotigung“. Das kommt von dem Liebesband her, und wenn die zwei Bänder zusammenkommen und geknüpft werden, giebt’s allemal dort eine „Verknotigung“. ‚Der Ausdruck ist obsolet,’ sagt der Herr Professor auf seiner Hitsche20-2 —aber er20-3 ist gut, sehr gut,“ sagte der zweite Tenor.

„O, well, Sir—sehr gut! ich verstehen jetzt „Verknotigung“. Ich lieben sehr das Volkslied20-4 der Deutschen.“

„Holla!“ rief der zweite Tenor, „das können Sie hier20-5 haben, Mr. Brown, aus bester Quelle. Heda, ihr Mannsleut’, singt’s20-6 einmal einen Steirer!20-7 Meint Ihr denn, wir singen umsonst hier? Jeder, wer zuhört, zahlt20-8 einen Zwanziger Münz.20-9 Wenn Ihr aber selber singt, braucht’s nix zu zahlen!“

Die Leute schauten sich verdutzt an, und keiner sagte ein Wort. Endlich brach der alte Führer das Schweigen: