Am Abend kehrte auch Hendrik, der Häuptling des Dorfes zurück. Allgemeiner Jubel aller seiner Ohm's und Tanten, denn ihre Hoffnungen waren erfüllt. Hendrik brachte eine riesige, wenigstens 10 Liter fassende Flasche Feuerwasser mit. Bevor er jedoch seine jubelnde Umgebung damit bewirthete, kam seine Frau herangetrippelt, ihren langen Ehegespons am Arme führend und präsentirte ihn uns mit den Worten. »Das ist der Herr dieses Ortes! Das ist der Herr der vielen Schafe, die Ihr täglich blöken hört, und ist auch mein Mann!« Hendrik, eine schwankende Hopfenstange, grinste verschämt, streckte mir seine Hand entgegen und hieß mich willkommen.

Mit Hendrik war der Häuptling eines anderen an der Mokara gelegenen Kraal's, angekommen. Er fiel mir auf, weil er sich an dem nun folgenden Saufgelage nicht betheiligte. Trotz des Unfalls murrte ich nicht mehr über den Aufenthalt, der mir in Musemanjana begegnete, da ich Gelegenheit fand, einen tiefen Einblick in das Leben und Wesen der Koranna, Barolongen und Makalahari zu gewinnen und bedauerte nur, daß ich nicht genug Geld mit mir führte, da mir der mit Hendrik angekommene Korannahäuptling einen vernünftigen Antrag machte. Er besah meine Zugthiere und hielt fünf von acht für reiseuntauglich. Er wollte mir für dieselben gute Zugochsen, die ich mir selbst aussuchen konnte, gegen eine Aufzahlung von 2 £ St. per Stück überlassen.

An diesem Tage hatte ich auch Gelegenheit, das Anfertigen irdener Töpfe von Seite der Barolongenfrauen zu beobachten. Auf einer hölzernen runden Schüssel wurde die aus Thon und Humus zubereitete Masse mit den Händen in die natürliche ausgebauchte Topfform geknetet, stehen gelassen, um nach einigen Tagen im Feuer eingebrannt zu werden. Diese Gefäße, von 7-12 Zoll Höhe und gleicher, oder noch um 2-3 Zoll größerer Breite, mit einer Oeffnungsweite von 5-7 Zoll und einer Wandstärke von ¼-½ Zoll wurden beinahe ausschließlich als Wassergefäße benützt.


IX.

Von Musemanjana nach Moschaneng.

Aufbruch nach Moschaneng.—Quaggaflats.—Hyänenjagd bei Mondschein.—Makalahari-Reiter—Konana.—Barolongenstolz.—Acht Löwen.—Eine Begegnung mit Löwen am Setlagole.—Thierleben auf der Hochebene.—Gnujagd bei Nacht.—Boly verirrt sich.—Zebrajagd.—Skeletthügel.—Eine abenteuerliche Gansjagd.—Südafrikanischer Frühling.—An Ufer des Molapo.—Molema's Town.—Rev. Webb und die Mission daselbst.—Chef Meloma.—Kranken-Ordination.—Siedlersperlinge.—Huß-Höhe.—Ankunft in Moschaneng.—Hohe Gäste.

Abends fand sich der Schmied mit seinem Meisterstücke ein, das kaum zur Noth brauchbar war. Als man im Dorfe unsere Vorbereitungen wahrnahm, kamen die Leute herbeigeströmt und ein Jeder begehrte ein Geschenk; nur die, welche uns behilflich waren, bekamen etwas Tabak und je ein färbiges Tuch. Als wir schon eingespannt hatten, kam noch der Chef mit einem Ansuchen. »Mein Kind (der ihm verwandte Schwarze) geht mit Euch, er war einer meiner Diener, deshalb verliere ich einen Arbeiter, ich kann ihn nicht ziehen lassen, bevor Ihr mir nicht 8 Shilling bezahlt, d.h. so viel, als Ihr ihm wöchentlich Lohn gebt!« Um nur loszukommen und die ausgeglichenen Differenzen nicht vielleicht im letzten Augenblicke durch andere erneuert zu sehen, gab ich dieser Erpressung nach und wir zogen ab.

Unter der Führung des oben erwähnten Dieners setzten wir unsere Reise fort und machten erst in später Nachtstunde Halt. Beim Anzünden des Lagerfeuers hatten wir viel Mühe, um einen Grasbrand zu verhüten, da sich der Wind zu einem wahren Orkan gesteigert hatte. Dagegen war der folgende Morgen (21. November) schön und warm, wir begegneten einigen Makalahari- und Barolongfrauen, welche junge, kaum aus den Puppen gekrochene Heuschrecken emsig sammelten. Nach einer 3½ stündigen Tour erreichten wir eine seichte Vertiefung, in welcher wir in einigen Löchern schönes klares Trinkwasser fanden. Unsere Weiterfahrt führte uns in einer nordöstlichen Richtung über unabsehbare, sehr spärlich bebuschte Ebenen. Das trockene Gras verbreitete einen angenehmen Heugeruch, frisches Gras sproßte allenthalben unterhalb der trockenen Stengel. Der Boden war nach allen Richtungen von den Eingängen zu den unterirdischen Bauten der Springhasen, Stachelschweine und Erdferkeln durchfurcht. Doch mangelte es auch nicht an solchen der Schakale, während die Hyänen die von den Erdferkeln verlassenen Löcher bezogen hatten. In diesen von Weißen unbewohnten Gegenden werden die Schakale, die Kaamafüchse und die Proteleswölfe ihres Balges halber, der zu Carossen verarbeitet wird, von den Eingebornen häufig gejagt. In den wildreichen, von Weißen bewohnten Localitäten sind es wieder die Hyänen, die meist mit Strychnin ausgerottet werden.