[Barolongmädchen Heuschrecken sammelnd.]

Nachdem wir 14 englische Meilen zurückgelegt, kamen wir in ein zweites, doch breiteres Thal, das wieder zahlreiche Wasserlöcher aufwies. Man hatte hier das Gras im September niedergebrannt, das frische stand schon 12 Zoll hoch. In diesem Thale trafen wir auch die äußerste von Chef Hendriks Ansiedlungen, d.h. Viehposten, und an dieser allein zählten wir über 100 Rinder. Um uns nach allen Seiten hin erstreckte sich die Ebene bis an den Horizont.

Wir betraten die Quaggaflats und damit Montsua's Gebiet. Der nächste Tag war schön und warm, auch hatte sich der Wind gelegt, dagegen hatten wir auf dem die ganze Strecke entlang morastigen Boden mit zahllosen Schwierigkeiten im Fortkommen zu kämpfen. Wir begegneten aus Marokana kommenden und auf die Jagd ausgehenden Barolongen und knüpften mit ihnen Verhandlungen über den Austausch einiger Zugthiere an, die indeß resultatslos waren, da die Barolongen in einem Athem ihre Forderungen hinaufschraubten und Schließlich 8 £ St. für je ein Thier begehrten.

Am folgenden Tage, den 23., verließ ich, von F. und einem unserer Schwarzen (Boy) begleitet, den Wagen, um zu jagen. Ich beobachtete auf diesem Jagdausfluge, daß die Springbockgazelle ihre Kälbchen den Tag hindurch sich selbst überläßt, oft sich auf weite Strecken entfernt und erst gegen Abend zu den Kleinen zurückkehrt und dann bis gegen Sonnenaufgang bei ihnen verbleibt. Geht man ruhig durch das zwei Fuß hohe Gras jener Ebenen, so kann man sich den im Grase verborgenen Thieren bis auf 20-25 Schritte nähern, ohne im Geringsten ihre Gegenwart zu bemerken. Die schönen Thierchen bleiben, ohne sich gleich den Orbekigazellen, um dem Beobachter zu entgehen, flach ausgestreckt auf den Boden zu legen, selbst im kurzen Grase völlig unbemerkt.

Nachmittags kamen wir auf einen nach Norden führenden Weg, der sich später als die Verbindungsstraße zwischen Mamusa und Konana herausstellte und dem wir auch folgten. Dieser Weg bestand in einem vielleicht vor drei Monaten zuletzt befahrenen Geleise und schien auch häufig als Fußpfad von den Eingebornen benutzt zu sein. Wir waren an den Rand einer von Osten nach Westen unabsehbaren, nach Norden zu in ihrer Mitte von Höhenkuppen begrenzten und nach dieser Richtung in der Entfernung einiger Meilen von isolirten Gehölzen unterbrochenen Ebene gelangt. Abend und Nacht waren ungewöhnlich schön, der bleiche Mond mit einem Nebelkreis um seine runde Scheibe lächelte so freundlich und die flimmernden Sternlein blickten so hell zur Erde, daß ich trotz der Müdigkeit stundenlang die Pracht dieser Nacht bewunderte. Meine Gefährten hatten einer nach dem Andern sich in Morpheus Arme geworfen. Nur die Hunde blieben bei mir, ich konnte mich von der dunklen, mit einem grauen Schimmer—dem Abglanz von Luna's Strahlen—übergossenen unabsehbaren Fläche und dem leuchtenden Gestirn über mir nicht trennen.

Eine plötzliche Bewegung Niger's riß mich aus meinen Gedanken. Von »Onkel«, einem zweiten Hunde gefolgt, sprang Niger einige Schritte vorwärts und fing an zu knurren. Ich sollte über die Ursache dessen nicht lange im Zweifel bleiben. In die Stille der Nacht tönte von der etwas niedriger liegenden Ebene vor mir ein langgezogenes, äußerst unangenehmes, klagendes Geheul. Der häßliche Laut, dieses tiefe, entfernte Stöhnen einer gefleckten Hyäne fiel wie ein Mißton in die Idylle der schönen Nacht um mich. Eben im Begriffe, es meinen Gefährten gleichzuthun, die alle bereits im Reiche der Träume lebten, wurde ich durch die gesteigerte Unruhe der Hunde auf die Annäherung der Raubthiere aufmerksam und faßte den Entschluß, auf diese lästigen Ruhestörer Jagd zu machen. Ich kroch zu Pit und Boy, rüttelte sie auf und hieß sie die Hunde halten, holte dann Gewehr und Munition aus dem Wagen, weckte F. auf und ohne mich mehr nach ihm umzusehen, hielt ich nach der Richtung zu, von der mir das Geheul zu kommen schien. Die Hunde am Wagen gaben aber den Dienern tüchtig zu schaffen, da die afrikanischen Hunde die Hyäne stets als ihren Erzfeind betrachten und sie anzugreifen suchen. Theils gebeugt, theils auf Händen und Füßen vorwärts schleichend, hatte ich etwa 100 Schritte zurückgelegt, als mir ein dumpfes Knurren auffiel. Ich hielt an, legte mich flach hinter einen der niedrigen Termitenhügel und nachdem ich mich umgesehen, ob alles auch hinter mir in Ordnung sei, legte ich den Hinterlader zum Schusse bereit neben mir nieder. Das Knurren kam näher, doch schien es mir mehr wie ein Scharren denn ein Knurren—vielleicht ein Stachelschwein oder Erdferkel? »Hu—hu,« tönt es plötzlich vor mir, und das »Hu—hu« wiederholt sich, noch ein zweites und tieferes, dann ein Scharren und Knurren, alles klar und deutlich hörbar und doch vermag ich nichts zu sehen.