[Hyänenjagd.]

Vergebens beuge ich mich mit dem halben Körper über den Hügel, ich sehe nichts als Termitenhügel—es wird stille. Das Knurren und Scharren hört auf und ich mußte annehmen, daß ich durch meine Unvorsichtigkeit die Raubthiere verscheucht hatte—ich hocke mich wieder hinter den Erdhügel nieder und verhalte mich still, um selbst die leiseste Annäherung der Thiere wahrnehmen zu können. Doch ich harre vergebens, einige Termiten machen mir das Liegen recht unbequem, ja unmöglich. Plötzlich erschallt, kaum einige Dutzend Schritte vor mir das Doppelgeheul und das grunzende Stöhnen abscheulicher wie je—doch trotz Mondscheins und der äußersten Anstrengung meiner Sehkraft kann ich nichts erspähen, nichts als Termitenhaufen starren mich an. In diesem spannungsvollen Momente vernahm ich ein Rauschen, ein Knurren und Fauchen hinter mir, mich umwendend, will ich schon losdrücken, ich sehe eben einen dunklen Gegenstand an mir vorübergleiten, als glücklicher Weise ein bekanntes Gebell mich rechtzeitig an den Irrthum mahnt, den ich mit dem Niederstrecken eines meiner Hunde begangen hätte. Bei dem letzten Geheul der Hyäne hatte sich Niger losgerissen und Boy, fürchtend, daß die Hyäne den Hund erwürgen könnte, hatte sofort auch dem starken Onkel die Freiheit gegeben, der nun in Sätzen nach Niger gesprungen kam. Sie jagten die Ebene weit nach abwärts, doch die Hyänen waren rechtzeitig geflüchtet und verdrießlich mußte ich den Rückzug antreten.

[Von acht Löwen überrascht.]

Unter den südafrikanischen Raubthieren ist die gefleckte Hyäne in Bezug auf Lebenskraft das zäheste Thier, sowohl dem Hunger, als auch den schlimmsten Verwundungen setzt ihr Organismus zähen Widerstand entgegen. In einem Falle war einer Hyäne am Schascha-River (Matabele-Land) durch einen Streifschuß der Unterleib aufgeschlitzt worden, so daß die Eingeweide heraushingen, trotzdem lief sie noch lange, mindestens die doppelte Zeit als es ein anderes Säugethier ausgehalten hätte, um dieselbe Einfriedigung, aus welcher der Schuß gefallen war. Die in Gangrän übergegangene Wunde eines durch eine Löwin verwundeten Bamanquato hatte sie angezogen. Ich werde noch mehrmals Gelegenheit haben, auf diese Raubthiere zurückzukommen.

Nächsten Morgens fanden wir uns am Rande eines die eben durchschrittene Ebene nach Norden begrenzenden Gehölzes. Wir fanden hier einige elende Hütten aus in die Erde eingetriebenen und mit Gras überworfenen Aesten errichtet, welche von Jochoms, einem Zweigstamme der Makalahari, bewohnt wurden. Diese Eingebogen waren Vasallen eines eine Stunde weit ab in einem anderen Gehölze wohnenden Barolongen, mit Namen Mokalana, beide Gehöftgruppen führten auch den Namen des Besitzers. Es wiederholt sich unter den Betschuana's häufig, daß neue Städte und Dörfer, nach dem Erbauer oder Besitzer benannt werden, eine Gepflogenheit, die oft zu Irrungen Anlaß gibt, indem ein Ort zuweilen zwei bis drei Namen, seinen herkömmlichen, den nach dem letzten und den nach dem gegenwärtigen Häuptling führt, oder daß der Häuptling seinen Wohnsitz ändert und einige Meilen weit ab eine zweite gleichnamige Stadt erbaut. Die Jochoms hatten eine Heerde Kühe und Schafe zu hüten und zugleich für ihren Herrn und Gebieter zu jagen. Zu letzterem Zwecke hatten sie einige Pferde zu Gebote und schienen sich weit besser im Sattel zu fühlen als je ein Betschuana.

Für das Geschenk eines Taschenmessers bewog ich einen der Eingebornen zu dem »Baß« zu reiten und ihn zu ersuchen, mir gegen Geldentschädigung und Munition einige junge Ochsen gegen unsere matteren auszutauschen. Während unseres Imbisses sahen wir einen Makalahari hoch zu Rosse von der Jagd heimkehren. Der nur in glatt gargearbeitete Lederstücke gehüllte und mit Assagaien, die mit ihrem unteren Schaftende in eine Ledertasche am Steigbügel eingelassen waren, bewaffnete rothbraune Sohn der südafrikanischen Hochebene sah ganz stattlich aus, er ritt eine starke Fuchsstute und hatte vorne über seinen primitiven Sattel und den Nacken des Pferdes einen Bläßbock liegen. Dem von Jugend auf an die Ebene, ihr hohes meist in Büscheln wachsendes Gras, ihre zahllosen, kleinen und größeren Löcher gewöhnten Pferde die Zügel lassend, jagt der Reiter der flüchtigen Heerde nach (Springböcke sind zu rasch für ihn, um sie vollkommen einzuholen), bis er sie nach einem halbstündigen Ritte eingeholt, dann ist der Assagaie auch schon wurfbereit und bohrt sich in das Thier, an dem er vorübersaust; der Jäger begnügt sich mit diesem einen und verfolgt fast nie ein zweites, sondern wendet das Pferd und wirft seinen zweiten Wurfspeer, der dem flüchtigen Thiere meist den Garaus macht. Je weniger Wunden, desto gnädiger wird das Fell von dem Baß entgegen genommen.

Da der ausgesandte Bote nicht kam, ließ ich einspannen. Kaum hatten sich jedoch meine Diener an diese Arbeit gemacht, als einer der Makalahari den von der Ferne ankommenden Genossen entdeckte. Die Antwort lautete dahin, daß der Baß nur ein Gespann (Zug) Ochsen hätte, die er selbst benöthige, daß er uns aber ein Schaf für einen Becher Schießpulver (etwas über ein Pfund) geben wolle. Ich nahm dieses Anerbieten an und erhielt einen feisten »Fettschwanz« für die geforderte Quantität Schießpulver, dem ich einige Kleinigkeiten (Feuerdosen, Kettchen, Nadeln etc.) als Geschenk beifügte, das zu entgegnen die Makalahari sich beeilten und mir einige Protelesfelle und einige Bläßbock- und Hartebeesthörner überbrachten.

Der Morgen des folgenden Tages brachte mir eine sehr unangenehme Ueberraschung, eines der Zugthiere war verendet, es blieb mir nun nichts übrig, als die schwere Last des Wagens den übrigen drei Zugthierpaaren aufzubürden. In das Thal, das wir nun verfolgten, mündeten einige Querthäler, deren Sohle bebaute Felder bedeckten; nach einigen Meilen gelangten wir in ein von Süden nach Norden sich erstreckendes Thal, das uns von einigen vorübergehenden Koranna's als das des Konana-Rivers, welcher sich durch ein Höhenland nach dem Maretsane zuwendet, bezeichnet wurde. Dieses Höhenland wird von Koranna's und Barolongen sowie deren Vasallen bewohnt und steht unter der Gerechtsame des Häuptlings Schebor, der selbst wieder Montsua's Unterthan ist.