[Jochom-Makalahari einen Bläßbock jagend.]
Nach einer einige englische Meilen langen Fahrt kamen wir zu dem sich in einem Höhensattel und am Abhange mit Bäumen bestandener Höhen ausbreitenden, an 1000 Einwohner zählenden Konana. Auf einer freien, von der Stadt nach Osten und nach dem tiefen, engen Thale des Konana-Rivers abfallenden Lehne sich ausbreitenden Rasenstelle hielt ich an, um mit meinem Wagen besser die Aufmerksamkeit der Bewohner auf uns zu lenken, denn ich hoffte hier einige frische Zugthiere eintauschen zu können. Es währte auch nicht lange und wir waren von zahlreichen Besuchern belagert, unter welchen die Koranna's das Hauptcontingent stellten. Ich hatte vor dem Wagen einige der auszutauschenden, ursprünglich für den Kauf von ethnographischen Gegenständen bestimmten Waaren ausgebreitet. Es waren ein guter Plüsch-Anzug, ein Paar Schuhe, zwei bunte Wollhemden, ein Hut, ein halbes Dutzend Taschentücher und eine halbe Rolle Tabak. Der Häuptling des Dorfes kam selbst, um die Waaren zu besehen, und trank eine Tasse Kaffee mit uns, doch die Leute zeigten keine Neigung, auf meinen beabsichtigten Tausch einzugehen. Von einem der Barolongen kaufte ich für ein Kalikohemd eine Holzschüssel, von einem Anderen für einen Becher Schießpulver zwei Kiri's und zwei Schakalfelle, von einer Frau zwei aus Glasperlen gearbeitete Schmucksachen. Von einigen der Besucher erfuhren wir, daß die umliegenden Höhen, wie auch jene am Setlagole- und Maretsane-Flüßchen zahlreiche Löwen beherbergen. Die Löwen waren hier so dreist und dies namentlich (was ich bestätigt fand), weil sie oft den Knall des Gewehres zu hören bekamen und an des Menschen Anblick gewöhnt waren. Obgleich die Umgegend von Wild wimmelte, bekundeten die Könige des Waldes trotzdem eine besondere Vorliebe für die Heerden des Menschen.
Einer der Barolongen brachte mir das Fell eines nicht vollkommen ausgewachsenen Löwen, für das er 3 £ St. in Gold begehrte. Ich bot einen alten Rock dafür, doch er bestand auf dem geforderten Preis, da er schon früher ein anderes Löwenfell in Klipdrift für 3 £ St. verkauft hatte. Ich rieth ihm an, es auf den Rücken zu nehmen und damit nach Klipdrift zu wandern, eine Zumuthung, die den Barolongen in Aufregung versetzte. Um mich vielleicht nachgiebiger zu stimmen, begann sein Freund mir in wahrhaft mustergiltigem Holländisch zu erzählen, auf welche Art der schmollende Gefährte zu diesem Löwenfelle gekommen sei.[[1]]
[1] Ich lasse hier absichtlich den vollen Wortlaut dieser Erzählung folgen, um die Umständlichkeit der Eingebornen bei solchen Anlässen zu charakterisiren.
»Der Mann,« meinte unser Vis-à-vis und zeigte auf den grollenden Helden, »hatte blos eine Kuh, die Kuh war sein, auch hat er zwei Frauen und ein gutes Stück Feld. Ein Hirt, der noch andere Rinder aus dem Dorfe zu beaufsichtigen hatte, hütete auch die Kuh. Dieser Junge kommt nun eines Tages gelaufen und klagt unter Heulen, daß ein Löwe die Kuh erwürgt hätte. Mein Gefährte lud schweigend sein Gewehr und folgte dem Jungen, der das Pulverhorn tragen mußte. An einer Stelle, von welcher man den Löwen und sein Opfer erblicken konnte, kroch mein Freund auf einen Baum, um Rundschau zu halten. Ja, dort sah er die Kuh liegen, aber keinen Löwen dabei. Mein »Bruder« näherte sich deshalb und kroch mit dem Jungen auf einen nahen Baum, von welchem herab er den Räuber wie eine Meerkatje (Scharrthier) todtschießen wollte. Mein armer »Bruder« hatte bis zum nächsten Morgen auf dem Baume zu sitzen, er wollte gegen den Abend heruntersteigen, da es ihm auf dem Dornbaume—er saß da drinnen (der Erzähler ahmte mit ausgespreizten Fingern eine Gabel nach)—nicht gefiel und sein Körper »hart« (steif) wurde, doch dachte er wieder auf die Abends aus den Gebüschen ausbrechenden Löwen und so blieb er mit dem Jungen, der, weil ihm die Füße von dem Stehen auf einem dünnen Aste schmerzhaft geworden waren, fürchterlich heulte. In der Nacht kamen sie, »nicht einer« (der Erzähler warf sich in die Brust), sondern viele (er begann von dem kleinen Finger der linken Hand nach rechts zu zählen), acht Löwen, he Makoa (Weißer)—acht Löwen!« Dabei sah er sich nach meinen Gefährten und den Dienern um, ob es wohl auch alle gehört hätten und wiederholte »acht Löwen«, wobei er sich etwas bückte, den Körper vorstreckte und beide Hände vor sich haltend mit acht Fingern die Zahl noch deutlicher zu verdolmetschen suchte, während sein Freund finster dareinblickend, noch immer ob der vorerwähnten Zumuthung beleidigt, unaufhörlich etwas in sich hineinmurmelte, wovon nur die Worte dree pund—dree pund (drei Pfund) hörbar waren.
Nachdem sich der Erzähler vergewissert hatte, daß wir alle die acht Löwen begriffen hatten, setzte er seinen Bericht fort. »Mein Bruder am Baume und das Kind bei ihm wollten keinen Löwen vor Tagesanbruch todtschießen; erst dann schoß der Mann auf einen, dessen Haut hier liegt und der zu dem Baume gekommen war, um sich mit dem Schädel daran zu reiben. Mein Bruder hielt sich mit den Füßen auf dem Baume und nachdem er dem Jungen zugeschrieen, sich mit Hand und Fuß festzuhalten, um nicht durch den Schrecken, den in ihm der Schuß hervorrufen könnte, herunter zu fallen, legte er an. »Tla-bumm« (hier folgte ein tüchtiger Schnalzer mit den Fingern, der den Schuß versinnlichen sollte) und (der Erzähler ahmte nun das Fallen nach) det Leu wat dod, morsh dod (der Löwe war todt, mausetodt). Die Andern aber grollten und brüllten und wiesen meinem Bruder und dem Kinde die Zähne so grimmig, daß dieses wieder zu heulen begann. Allein als die Sonne warm wurde und sie die Kuh abgenagt hatten, liefen sie davon. Mein Freund aber sprang herab, ließ den Jungen als Schildwache auf dem Baume und zog die Haut des geschossenen Löwen ab, die er dann heimbrachte und für die er 3 £ St. bekommen mut (muß), weil die Löwen seine einzige Kuh erwürgt haben, er konnte nicht einmal ihr Fell brauchen. Zudem bekam mein Bruder 3 £ St. für das Fell eines Löwen, welcher keine Kuh getödtet hatte.«