[Wild auf den Quaggaflats.]
Die Nacht war ziemlich dunkel, im Norden blitzte es unaufhörlich, ein Gewitter zog dort nach Osten zu. Außer dem zeitweiligen Gepfeife und Geschnatter in dem Gewässer vor mir war die Stille um mich nicht unterbrochen; einigemale schien es mir, als ob ich das Grunzen des schwarzen Gnu's hören würde, doch es mochte nur Einbildung sein, die meine Gedanken in der Erwartung dieser Thiere eben nur auf sie concentrirte. Einmal hörte ich deutlich das Schlürfen von Wasser, ähnlich wie es die Hunde thun, ich strengte mich an, den Gegenstand zu erkennen, doch war dies nicht möglich, es mochte wohl ein Schakal sein, der sich mir windabwärts genähert hatte.
Ich lauschte noch in der Stille der Nacht hin, als ich plötzlich das erwartete Grunzen vernahm. Ich richtete mich etwas auf, um desto deutlicher hören zu können, richtig, ja das sind schwarze Gnu's; ich lege das Ohr an eine vom Gras entblößte harte Stelle und vernahm deutlich den dumpfen Schall, den eine auf dem Wildpfade dahinschreitende Gnuheerde hervorbringt.
Freudig und in gehobener Stimmung ducke ich mich wieder nieder, sowie ich jedoch wieder aufschaue und mit dem Blicke die Richtung suche, in der ich die Annäherung des Wildes erwartete, blizt es ziemlich hoch am nördlichen Himmel auf, dort, wo ich zuvor das Gewitter beobachtet.
Ich unterschied ein mehrstimmiges Brummen und etwas später erschien ein dunkler Gegenstand am gegenüberliegenden Ufer der Lache. Das Gnu ging um das Gewässer nach mir zu, kehrte um, kam wieder zurück und nun sah ich es von mehreren anderen gefolgt. Sie standen eine geraume Zeit, ohne sich zu nähern, dann trat der Leitstier von einem zweiten Thiere begleitet vor und kam auf das sandige Ufer zu. Da steht das Thier einige Schritte vor mir mit dem Kopfe nach mir zugekehrt, daß ich nur diesen Theil und die Lache darunter sehe. Ich ziele so wie es die Dunkelheit erlaubte, auf den Schädel und mit einem lauten Krach schlägt die Kugel ein. Ich springe auf, um meine Jagdbeute zu suchen, ohne mich weiter um die enteilende Heerde zu kümmern. Doch ich sehe nichts, ich reibe mir die Augen, mit dem Gewehrlaufe auf der Erde herumtastend, hoffte ich jeden Augenblick den Körper des gefallenen Thieres zu finden.—Doch alles war Täuschung. Der Schuß traf, trotzdem war das verwundete Thier noch mit den anderen geflohen. Das Aufleuchten des Blitzes am nördlichen Firmament brachte mich wieder zur Besinnung. Ich mußte für diese Nacht das Jagen aufgeben und zum Wagen zurückkehren.
Boly, der mit mir auf den Anstand gezogen, war noch nicht zurückgekehrt. Ich ließ F. mit einem Feuerbrande etwa 200 Schritte aufwärts gehen, um damit den vielleicht irre Gehenden sein richtiges Ziel zu weisen. Allein F. schwenkte den Feuerbrand bis es zu regnen anfing und noch immer war von B. nichts zu hören und zu sehen. Der Wind hatte sich inzwischen gesteigert und bald raste ein wahrer Orkan über die Ebene hin. Theilweise kam uns nun—und auch später als Blitz auf Blitz auf die Ebene niederfuhr—unsere etwas tiefere Lage zu Gute, allein sie hatte auch ihre Schattenseiten. Das Wasser fiel nicht allein in Strömen, es floß auch in solchen von der Ebene herab in die Tiefe und machte unsere Lage recht unbequem. Doch es war weniger diese, die uns beunruhigte, Boly's Zustand machte uns Alle sehr besorgt, sogar die Schwarzen sprachen von nichts Anderem, als wo doch der Baß B. sein möge. Blitz folgte auf Blitz, kaum war der Nachhall des einen Donners verhallt, folgte schon ein anderes Donnergebrüll und dazwischen schlug der Regen, von der rasenden Windsbraut getragen, so heftig gegen den Wagen an, daß wir uns kaum durch Schreien einander vernehmbar machen konnten. Die Atmosphäre war auch bedeutend abgekühlt worden, welcher Temperaturfall uns nach der furchtbaren Tageshitze und bei den bis auf den Leib durchnäßten Kleidern durchaus nicht willkommen war.
[Gnujagd bei Nacht]