Stunde auf Stunde verrann, das Gewitter war vorübergezogen, Regen und Wind hatten sich gemäßigt, endlich hörte der Regen gänzlich auf. Die Sorge um Boly's Schicksal ließ uns kaum zwei Stunden der Ruhe pflegen, zu der uns die Müdigkeit zwang. Am frühen Morgen sandte ich einen der schwarzen Diener nach Boly aus. Schon nach einigen hundert Schritten sah dieser den Gesuchten kommen, er war über und über mit Koth bedeckt und sah recht erbärmlich aus. Sein Körper zitterte vor Kälte, doch was uns alle erstaunte, war, daß er das Gewehr so rein zurückbrachte wie er es mitgenommen. Der Aermste hatte an einem Termitenhügel zusammengekauert das Unwetter über sich ergehen lassen müssen und hatte überdies, um seine Waffe schußbereit zu erhalten, dieselbe mit seiner Jacke umwickelt.
Am Abend fanden sich einige berittene Barolongen bei uns ein, welche uns ein Zebra für einen Sack Pulver (5 Pfund Gewicht) und zwei Stangen Blei (12 Pfund) zum Kaufe anboten. Sie hatten eine Treibjagd veranstaltet, dabei eine Zebraheerde »eingejagt« und von ihren Pferden eines mit den Assagaien so verwundet, daß das Thier zurückblieb und von den zu Fuße mit Gewehren nacheilenden Genossen erlegt wurde. Schon wollte ich den Kauf eingehen, als ich noch rechtzeitig bemerkte, daß das Fell sehr beschädigt und zum Präpariren ungeeignet war.
Die gesammten bis nach Mamusa reichenden Ebenen sind von etwa 70, in der Regel 100-300 Schritte breiten, 200-800 Schritte langen Mimosengehölzen bedeckt. Beinahe in jedem dieser Gehölze stoßen wir auf eine Eingebornentruppe, welche über dem Winter oder Sommer auf den wildreichen Ebenen der Jagd obliegt; trotzdem wird, da die Barolongen und Batlapinen meist schlechte Schützen sind, höchstens alle 2-4 Tage ein Stück Wild erlegt.
Die Formation dieser Ebene ist der harte, graue, im südlichen Transvaal-Gebiete erwähnte Kalkstein, dem hie und da das Vaalgestein aufliegt, im Gerölle sind häufig Rosenquarzstücke zu finden. An den Abhängen zum Konanaflusse sah ich mäßige Quarzitadern, einige Fuß hoch jenen Kalkstein durchbrechend, weithin in ihrer weißlichen Farbe schimmern.
Am 29. November Morgens machte ich einen Ausflug und kehrte mit einem Hyänenschädel heim. Im Allgemeinen hatten wir hier eine große Anzahl von Gnu-, Bläßbock- und Springbock-Schädeln gesammelt. Um Mittagszeit verließ ich den Ort und zog nach Osten, um den vom östlichen Taung nach Molema's Town führenden Weg zu treffen und auf diesem meine Reise nach Norden fortzusetzen. Nach einer sechs Meilen langen Tour hielten wir in einem Mimosengehölze Rast und trafen mehrere Barolongen, außerdem sahen wir zahlreiche verlassene Hütten. Um diese Hütten lagen förmliche Knochenhügel; mit Ausnahme der Hörner waren alle Knochen zerschlagen, es mußte wohl unzähligen der auf den Ebenen ringsum flüchtigen Thieren das Leben in den letzten Jahrzehnten gekostet haben, bevor diese Knochenhaufen aufgestapelt werden konnten. Ich suchte unter den Knochenresten nach pathologischen Mißformen und fand nur zwei verunstaltete Hörner. Beide Hörner waren durch Kugelschüsse abgeschossen, die entstandene Wundfläche zugeheilt und durch neuen Hornüberzug bedeckt worden; ich fand außerdem ein zum Lederarbeiten von den Eingebogen gebrauchtes, zugespitztes und durchlöchertes, an einem Riemchen hängendes Hornstück.
Bei einbrechender Dunkelheit schlugen wir an einem dicht bebuschten, in der Nähe eines Salzsees sich erhebenden Hügel, unter einigen schattigen Kaameeldornbäumen unser Nachtlager auf. Der sich unter uns ausbreitende Salzsee war trocken, allein an seinem Ufer, am Abhange des Hügels und der Ebene, fanden sich überall süße Quellen, die uns mit reinem Trinkwasser versahen. Zeitlich am nächsten Morgen machte ich einen kleinen Gang durch das Gehölz und fand abermals Knochenstätten und mehrere Gruppen verlassener Jagdhütten der Eingebornen; da ich auch mehrfach Hasen, Perlhühner, Rebhühner und Deukerantilopen bemerkte, entschloß ich mich, hier einen Tag zu bleiben. Der Tag war schön und lohnte meinen Aufenthalt in jeder Beziehung. Vogelbälge, zahlreiche Schlangen, Insecten und Krustenthiere, doch auch Pflanzen hatten am Abend meine Sammlungen bereichert. Meine Gefährten erbeuteten so manchen schönen Vogelbalg, darunter namentlich Bienenfänger, schwarze und kleine graue Würger, Regenpfeifer etc., während es mir gelang eine Chenalopes zu überlisten.
Der bewaldete Hügel erhob sich über der westlichen Ecke der Salzpfanne, doch auch das südliche und nördliche Ufer waren von felsigen, niederen Höhen begrenzt. Zwischen dem ersteren und den nördlichen Höhen öffnete sich ein Thal und hier führte ein gegenwärtig trockener Bach von der Ebene das überschüssige Regenwasser herab, der vorgestrige heftige Regen, der uns kaum 12 englische Meilen von dieser Stelle entfernt überraschte, hatte hier keine Spuren hinterlassen, war also, wie immer in dieser Gegend, im engsten Sinne des Wortes local gewesen. Von der Höhe herab vernahm ich das Geschnatter mehrerer egyptischer Gänse. Durch einen Busch am Abhange gedeckt, übersah ich die gesammte Pfanne, folgte dem Ufer und doch konnte ich nirgends das schreiende Thier zu Gesicht bekommen. Erst nach langem Suchen erblickte ich das Thier auf dem hervorragenden Aste einer halbvertrockneten Mimose. Da ich nur mit kleinem Schrot geladen hatte, mußte ich mich näher anzuschleichen trachten. Hier durch einen Busch, dort durch einen Block gedeckt, war es mir gelungen, unbemerkt in das Thal hinabzusteigen. Das Thälchen war mit niedrigen, blos stellenweise höheren, schütteren Büschen und einigen wenigen Bäumen bewachsen, doch der Boden war steinig, und ich mußte nun meine Fußbekleidung zurücklassen und barfuß weiter schleichen. Der Vogel saß hochaufgerichtet auf dem dicken Aste, gegen den Stamm zu sah ich ein Nest, welches ich später als das seine erkannte. Auf 60 Schritte nahegekommen, feuerte ich und erlegte die Gans, deren schöner Balg meiner Sammlung einverleibt wurde. Die Formation um diese Pfanne, welche ich Jungmanns Salzsee oder Chuai Jungmann taufte, war ähnlich jener des Vaalgesteins bei Bloemhof, die Grünsteinblöcke bis drei Kubikfuß groß.
[Verlassener Jagdplatz der Barolongen.]