Nach Sonnenuntergang setzten wir unsere Reise wieder fort. Wir übernachteten auf einer unabsehbaren Ebene, die deutliche Spuren von Regenlosigkeit trug, der Boden war zersprungen, das Gras so trocken, daß es bei der Berührung bröckelte, und selbst die dahinjagenden Springböcke wirbelten Staubwolken auf. Der Wassermangel gab uns auch Veranlassung am nächsten Tage tüchtig auszugreifen, so daß wir an diesem Tage 18 englische Meilen zurücklegten. Auch das Wild war in diesem wasserarmen, nördlichen Striche recht spärlich geworden; zweimal trafen wir mit Barolongentruppen zusammen, welche Schießpulver erhandeln wollten; sie brachten Milch als Tauschartikel. In Folge ihrer Ungeschicklichkeit als Jäger und ihrer Arbeitsscheu schauten die Leute recht verhungert aus; wir gaben ihnen Schießpulver und etwas Beltong (getrocknetes Wildfleisch). Die Entdeckung einer mit reichlichem Wasser gefüllten Bodeneinsenkung gab das Signal, den heutigen Marschtag zu beschließen.

[Barolongen Zebra's jagend.]

Am Morgen des 1. December wurden wir durch den Besuch eines Boers überrascht, dessen Mitteilungen uns dahin belehrten, daß wir an der westlichen Grenze der Transvaal-Republik angelangt waren. Der in der Nähe unseres Lagers angesiedelte Boer wartete auf den Besuch des Präsidenten Burger, von dem er endlich Abhilfe von den unausgesetzen Grenzstreitigkeiten mit den Barolongen erwartete. Er theilte uns auch mit, daß zwei seiner Söhne in das Innere auf Elephantenjagd ausgezogen waren und ersuchte uns, ihnen im Begegnungsfalle seine Grüße zu entbieten. Von dem gesprächigen Farmer scheidend, setzten wir unsere Fahrt in nordwestlicher Richtung fort und gelangten auf eine reichlich mit Mimosen bestandene Ebene, zwischen dem Molapo- und Maretsaneflusse, dessen Quellen wir in der verflogenen Nacht, ohne es zu wissen, passirt hatten.

Einige der weißdornigen Mimosen waren auf dieser Ebene in voller Blüthe, mit hunderten und aber hunderten kleiner, grellgelber, kugelförmiger und duftender Blüthen behangen. Die Blüthen wie Blätter der bis zu 18 Fuß hohen Bäumchen waren äußerst zart und mit hunderten von verschiedenartigen Blumenkäfern (Cetonidae), sowie einigen rothgebänderten Holzböcken bedeckt; es wunderte mich, daß unter den zahlreichen Bäumchen blos zwei von den Insecten ausgesucht wurden, während an den Aesten zahlreiche weiße, über einen Zoll lange Puppen der großen Cicade klebten, die allenthalben ihre laute Stimme erschallen ließen, bei unserer Annäherung mit lautem Summen davonflogen und sich mit einem hörbaren Schlag auf dem nächsten Mimosenbäumchen niederließen. Auch buntfärbige Blattwanzen fehlten nicht und große stahlblaue Raubwespen zogen summend und nach Fliegen haschend um die Büsche. In gewohnter emsiger Weise schnurrend flogen zahlreiche Hummeln über den kräftig emporsprießenden Grasteppich hin, um für sich und die im nahen verlassenen Termitenhaufen eingenistete Brut Vorräthe zu sammeln.

[Pürsch auf egyptische Wildgänse.]

Der südafrikanische Frühling war mit aller Macht in die Gegenden am oberen Molapo eingezogen, all' das kleine Gethier fühlte seine Herrschaft und war zum Leben erwacht, um ein neues Dasein zu beginnen; fremd, weder ersehnt noch willkommen schien er dem Menschen am oberen Molapo zu sein. Friede, neues Leben, vereinigtes Schaffen, Lust und Freude, das war um mich her an jenem Morgen auf den Fluren am Molapo der Hauch der verstandeslosen Natur. An Hader, Brand und blutige Thaten dachten, davon sprachen und damit drohten—die Herren der Schöpfung.