Nach einer kurzen Fahrt am Morgen des 2. Decembers langten wir bei dem Dorfe der Makuben an, welches am südlichen (linken) Ufer des Molapo gelegen, zu Molema's Town (d.h. die Stadt Molema's, eines Bruders des Königs Montsua) gehörte. Das Thal des oberen Molapo ist in den ersten 15 Meilen seiner Länge eng, von dem steilen Abfall des Hochplateaus eingeengt, in seinem weiteren Verlaufe ist es flach, ein mäßiger Einschnitt in die etwas nach Westen abfallende Hochebene. Wir hatten es in der letzteren Partie zu überschreiten. Das Bett des Flusses war hier von Kalktuff gebildet, der zahlreiche fossile Pflanzen enthält und deutlich darauf hinweist, daß dieser Thaleinschnitt schon vor Jahrtausenden als ein geräumigeres Flußbett benützt worden war. Dieser Kalktuff wird von dem harten, grauen Kalkstein überlagert und ist durch eine Unzahl kleiner Grotten, Höhlen, Löcher charakterisirt, welche die Tümpel der fast monatelang trockenen Flußrinne bilden. Oberhalb dieser Stellen und in den eingeengten oberen, wie auch in dem Bergthale ist das Bett schlammig und sumpfig und dieser Umstand ist wohl der Grund, daß in der trockenen Jahreszeit große Wassermengen verloren gehen und der Fluß schon nach wenigen Meilen seines Oberlaufes versiegt.

In dem marschigen Theile des Thales finden sich die westlichsten, die sogenannten Molapo-Farmen des Marico-Districtes, deren Besitzer ihre Felder continuirlich irrigiren können; in dem mehr offenen Theile finden sich die Niederlassungen der Barolongen[[1]], welche ihre hie und da nach europäischem Vorbilde angelegten Grundstücke zu bewässern im Stande sind.

[1] Nach Westen erstreckt sich ihr Gebiet bis gegen Namaqualand.

Den Molapo (d.h. ein Fluß) überschreitend, lagerten wir an seinem rechten Ufer in der Nähe einiger Wartebichi-Mimosen. Gegen Sonnenuntergang blickend sahen wir Molema's Town vor uns, an einem mäßigen Abfall der im Hintergrunde bewaldeten Hochebene; im Osten ist die Stadt durch zwei interessante Felsenpartien begrenzt und im Schutze der einen, zwischen ihr und dem Flüßchen, stand das geräumige, im Style der Eingeborenen ausgeführte Missionshäuschen der Wesleyan Missionsgesellschaft.[[1]]

[1] Dieselbe besitzt in Molema's Town, in Lothlakane und Poolfontein (zu der Zeit meines Besuches war die eine, die sich jetzt in Lothlakane befindet, in Moschaneng) je eine Station, von denen früher die in Molema's Town, gegenwärtig die in Lothlakane von einem weißen Missionär dirigiert wird. Außerdem ist Poolfontein auch der Sitz eines Predigers der deutschen Hermannsburger Missionsgesellschaft, der jedoch unter den meist der Wesleyan'schen Kirche angehörenden aus der südcentralen Transvaal-Republik nach der Poolfonteiner Ebene (auf Montsua's Gebiet) verpflanzten Borolongen eine schwierige Stellung hat. Poolfontein liegt zwischen Lothlakane und Lichtenburg.

Die erwähnten Felsenpartien, das mit Bäumen bestandene Ufer des kaum vier bis zehn Schritte breiten Flüßchens, sowie die vielen zwischen den Gehöften sich erhebenden Karie-, Kameeldorn- und Weidenbäume, welche den ganzen Abhang des Plateaus bedecken, verleihen Molema's Town eine der schönsten Lagen unter den Eingebornenstädten des centralen Süd-Afrika. Seine Gehöfte stehen weniger dicht aneinander und sind mit Zäunen versehen, aus denen sich die spitzig zulaufenden mit den Stauden der Kalebaß-Kürbisse überwucherten Dächer der Hütten erheben.

Zahlreiche Wägen zeugen von der zunehmenden Wohlhabenheit des Stammes, die namentlich dem Umstände zugeschrieben werden darf, daß König Montsua den Branntweinverkauf im Lande sistirte, eine Verfügung, welche Molema, der Unterchef und Gouverneur von Molema's Town, mit seiner ganzen Autorität zur Geltung brachte, ferner daß der früher hier ansäßig gewesene Missionär, europäischen Getreidearten in Molema's Town Eingang verschaffte.[[1]]

[1] Siehe [Anhang 17].

Was mich in Molema's Town besonders angenehm berührte, war das Verbot Molema's, der nebenbei gesagt ein Christ und Prediger ist, im Bereiche der Stadt keinen Baum zu fällen; wir hatten kaum unser Lager ausgeschlagen, als ein Eingeborner (einen Polizisten vertretend) im Namen des Fieldcornets (Sheriff, oberster Sicherheits-Beamter) bei uns erschien, um uns Weideplätze für die Zugthiere anzuweisen und das eben erwähnte Verbot zur Kenntniß zu bringen.

Bevor ich noch meinen Entschluß, Rev. Webb aufzusuchen, ausführen konnte, kam aus dem Missionshäuschen ein blondbärtiger, untersetzter Mann, ein kleines Mädchen an der Hand führend, auf mich zu. Es war der Gesuchte. Wir waren bald in ein eifriges Gespräch über Molema's Town und die Grenzfrage verwickelt. Von Montsua, dem Herrn des Landes, erfuhr ich, daß er in Moschaneng, in einer im Gebiete seines königlichen Freundes, des Banquaketse-Herrschers Chatsitsive, erbauten Stadt wohne und entschlossen sei, sich in Poolfontein niederzulassen, wohin jedoch, wohl um den unabhängigen Barolongenfürsten zuvorzukommen, die Transvaal-Regierung ihr unterthane Barolongen bereits angesiedelt hatte. Montsua war darüber sehr verdrießlich und im Begriffe, Moschaneng zu verlassen und sich in seinem Gebiete eine andere Stelle zum Baue der Residenz auszusuchen.[[1]]