Ich bereite für Mrs. Webb und den Häuptling einige Medicamente, darunter auch Pulver, bei welcher Manipulation ich von den zahlreichen uns besuchenden Eingebornen angestaunt und bewundert wurde. Einer der Männer setzte sich neben Pit am Feuer nieder und fragte hier mit gedämpfter Stimme, was ich da thue, Pit meinte, ich bereite ein Medicament. Der Fragesteller mischte sich nun sofort unter die gaffende Menge und verbreitete unter ihr die Nachricht, daß ich ein Naka sei und eben ein Molemo bereite. Das dadurch hervorgerufene Erstaunen war in den Zügen Aller, der Männer, Frauen, ja selbst der Halberwachsenen deutlich zu bemerken. Einer raunte dem Andern die Worte »Naka und Molemo« zu und man konnte an den Lippenbewegungen beobachten, wie es sich die Einzelnen wiederholten. Ich hatte damit bedeutend an Ansehen und Respect gewonnen und es wurde so stille um mich, daß man jedes Wort der abseits am Feuer sprechenden Diener vernehmen konnte. Jede, auch die geringste meiner Bewegungen wurde mit dem größten Interesse verfolgt, am meisten jedoch das Abwägen der gleichen Theile und das Einschütteln der Pulver in die von F. am Wagenbrette zubereiteten Papierhülsen. Als ich meine Arbeit beendet, frug ich, ob einer das Molemo zum Chef Molema tragen wolle; Alle, die Männer wie die Knaben, schrieen durcheinander, manche eine, manche beide Hände darnach ausstreckend. Jeder wollte der Ehre theilhaftig werden, des weißen Naka's Medicin dem geliebten Häuptlinge zu überbringen. Bei solcher Auswahl hatte ich die Laune, auch wirklich wählerisch zu sein, ich suchte mir den Aeltesten im Haufen aus, ein gebeugtes, weißhaariges Männchen, das gar nicht seinen Augen trauen wollte, und gab ihm die zu einem Päckchen geformten Pulver; er wollte sie jedoch nicht berühren, sondern bat mich, sie ihm an seinen Stock zu binden, den er nun vor sich hertragen wollte. Da ihm dies jedoch, beschwerlich fiel, so ergriff ich einen der zunächst stehenden Jungen, seine Peitsche fassend befestigte ich an dieser das Päckchen und hieß ihn dem Alten folgen, was diesem erwünscht war, und den Haufen um mich zu befriedigen schien, denn wiederholt hörte ich den Ausruf monati, monati (schön).

Am folgenden Tage hatte ich den Häuptling wieder zu besuchen. Molema empfing mich in seinem Höfchen, stellte mir seine Frau und seine um ihn herum wohnenden Söhne vor. Dann ließ er für mich und Herrn Webb je ein hölzernes Stühlchen bringen und bat mich, ihm die letzten Ereignisse und Tagesneuigkeiten aus der Cap-Colonie und den Diamantenfeldern mitzutheilen, erkundigte sich nach den Verfügungen der englischen Regierung im Süden, klagte über die Anmaßungen der Boers im Osten und frug mich endlich, ob ich ein Engländer oder Boer wäre. Die ihm von Herrn Webb ertheilte Antwort, daß ich ein Böhme (Bohemian) sei, konnte er nicht begreifen und ließ, nachdem er noch nach meinem Namen gefragt, die beiden ihm so fremd erscheinenden Worte von den im Höfchen herumsitzenden alten Barolongen so oft wiederholen bis er sich dieselben eingeprägt hatte. Als ich von ihm schied, mußte ich ihm versprechen, ihn so oft ich in das Land der Barolongen käme, zu besuchen, ich würde ihm stets willkommen sein. Ich traf hier auch den Häuptling Schebor von Konana, der zu Molema auf Besuch gekommen war, und dieser entschuldigte sich, daß seine Leute, von denen wir drei Ochsen für einen Hinterlader eintauschen wollten, sich verspätet hatten, wodurch der Handel nicht zu Stande kam.

Den kommenden Nachmittag verbrachten wir mit Fischfang, der ein äußerst ergiebiger war (wir fingen nicht weniger als 42 Welse). Als Köder benützten wir die überall häufigen, 1½ Zoll langen Grasheuschrecken. Das Wasser in den Grotten der Tufffelsen war so klar, daß man auch jedes größere Sandkörnchen auf eine Tiefe von 2½-6 Fuß unterscheiden konnte. Wir hatten kaum unsere Angeln ausgeworfen, als die dunkle Gestalt eines schildköpfigen Welses (Glanis siluris) aus einer der Seitengrotten herauskam, den Köder langsam umschwamm und dann ahnungslos verspeiste. Die Thiere wogen alle ¾-1 Pfund; als ich im Jahre 1875 während meines zweiten Besuches an derselben Stelle fischte, fand ich nur kleine, braune, 6 Zoll lange Thiere; die Trockenheit des Jahres 1874 hatte die meisten der Grotten trocken gelegt und die Fische getödtet, die neue Brut war mit den Regenfluthen aus den Sümpfen des oberen Molapo herabgekommen.

Herr Webb versah mich mit zwei Briefen, an Herrn Martin, einen in Moschaneng wohnenden Händler, und an den König Montsua, den ihm der Erstgenannte vorlesen sollte. Montsua's Titel lautete: »Morena Montsua (Montsiwe, Montsiva) Khoschi ca Barolong.« Außerdem machte mich mein neuer Freund auf zwei alte, unter den Barolongen noch vor ihrer Kenntniß des Christenthums geläufige Sagen aufmerksam. Die eine berichtet von einem Chef, der nach Belieben die Gewässer eines Flusses theilen und durch die so entstandene trockene Stelle schreiten konnte, und die zweite erzählt von einem Chef, der gleich Salomon zwischen zwei Frauen zu entscheiden hatte, von welchen jede ihr Mutterrecht an einem und demselben Kinde geltend machen wollte.

Am 5. brachen wir endlich auf, und zogen nordwärts am Fuße einer bewaldeten Erhebung. Die nächste Umgebung unserer Route bot mir reichlich Gelegenheit, meine Insectensammlung zu bereichern; unter anderen fand ich eine schöne große, mir bisher unbekannte Schildkäferart, deren Flügeldecken grünlichgolden und braun punktirt waren und die ich häufig an einer der gemeinsten Nachtschattenarten Süd-Afrika's antraf. Meine Aufmerksamkeit war auch auf die zahlreichen, den Weg säumenden Kameeldornbäume gerichtet, die mit den Nestern des Siedelsperlings (Philetaerus socius) dicht bedeckt waren.

In einer Bodenvertiefung nahe einem nach Nordosten dem Taung oder Notuani-River zufließenden Bache beendeten wir unsern heutigen Marsch. Die zu einem förmlichen Niederwald angewachsen Kameeldornbestände durchziehend stießen wir am nächsten Morgen auf ein Makalaharidorf, dessen Insassen Hirten und Jäger Montsua's waren. Sie schilderten uns den weiten Weg bis nach Moschaneng in sehr düsteren Farben und meinten, wir würden mit den schwachen Zugthieren kaum die Königsresidenz erreichen. Der Weg war auch thatsächlich äußerst beschwerlich, der tiefe Sand ermüdete die Thiere in hohem Grade, dazu war der Wald von zahllosen kleinen, 1-2 Fuß tiefen Senken (in der Regenzeit Tümpel) durchsetzt; der von dem Sandboden aufsteigende Staub trocknete Mund und Luftröhre in bedenklicher Weise aus und schmerzte im Gesichte. An einer kleinen der eben genannten ausgetrockneten, mit frischem Gras überwachsenen Senken fand ich zu hunderten eine metallischblau glänzende Lytta mit einem rostrothen Flecke (ich traf sie später nur noch einmal und unter ähnlichen Verhältnissen auf meiner dritten Reise im Schescheker Walde, etwa 15 Meilen nordwestlich von Schescheke an), auch schoß ich einen über uns kreisenden Honigbussard (Pernis apivorus).

Dieser Zustand des Weges blieb sich auch am folgenden Tage gleich und an zwei zum größten Theil trockene Salzpfannen angelangt, schien es kaum möglich, die mit 14 Zoll tiefem Sand bedeckten Pfannen zu passiren. Unter Anwendung aller erdenklichen Auskunftsmittel und mit vereinten Kräften gelang es nach stundenlanger Arbeit, das jenseitige bewaldete Ufer zu erreichen. Die nun folgende Rast war redlich verdient. In dem Walde fanden wir zwei eßbare Beerenfrüchte, und zwar die schon vom Hart-River bekannte rostrothe Beere des Blaubusches (die Samenkerne derselben werden von den Koranna's als Schrot verwendet) und gelbliche, unseren Johannisbeeren nicht unähnliche Beeren, die von den Boers wilde Granaten, von den Koranna's geip genannt und gerne genossen werden.

Wir näherten uns am nächsten Tage einem unseren Weg kreuzenden Höhenzuge, der uns von vorbeiziehenden Barolongen als Malau's Höhen bezeichnet wurde und dessen höchste, bisher namenlose Kuppe ich Hußhöhe nannte. Ich hatte an diesem Tage Gelegenheit, meine Sammlungen um eine Zwergeule und den Balg eines Milans zu vermehren. Am Fuße der Höhen stießen wir auf zahlreiche Viehposten der Baharutse und Barolongen von Moschaneng, welche ihr Vieh an Regenlachen tränkten, während sie selbst ihren Wasserbedarf den natürlichen Felsencisternen entnahmen. Die Abhänge der Höhen waren zum größten Theile hochbegraste Triften, zur Viehzucht wie geschaffen. In der Nacht begegneten wir zwei mit Elfenbein beladenen von Schoschong, der Stadt der östlichen Bamanquato kommenden und von den Elfenbeinhändlern Francis and Clark nach Grahamstown abgesandten Wägen.