[Nest des Siedelsperlings.]

Am 9. hatten wir den Sattel der Malauhöhen erreicht und lagerten zwischen grünen, gruppenweise zusammenstehenden mit Zaunrüben, Cucurbitacaeen und Lianen überspannten Büschen, auch schattige Kameeldornbäume fehlten nicht, in denen sich namentlich die langschwänzigen, schwarzweiß gescheckten Würger bemerklich machten. Große Turteltauben waren nicht selten und zum ersten Male vernahm ich hier einen Pfiff, der einem Psittacus anzugehören schien. Dem Rufe folgend hatte ich auch die Freude, ein Pärchen kleiner, graulicher, am Kopfe und den Flügelwurzeln gelb gefleckter und an der Brust schön grün gefärbter Papageien zu entdecken. Diese Species (Psittacus Rupelii) ist bis über den Zambesi verbreitet, lebt meist paarweise und nistet in Baumlöchern.

Auf unserer Weiterfahrt fand ich neben dem Wege einen getödteten Schlangenadler, den wohl ein einfältiger Barolonge aus Muthwillen erlegt und dann abseits vom Wege in den Busch geworfen haben mochte. Wir hatten mehrere Thäler zu überschreiten und steile, äußerst steinige Höhen zu erklimmen. Auf einem der Hügel hatte Niger eine Schlange entdeckt und sie in einen Dornbaum gejagt; und da ich den Schlangen Süd-Afrika's, nachdem man mir überall von den vielen Opfern, die jährlich den giftigen Schlangen dieses Kontinentes anheimfallen, berichtet, ewige Feindschaft geschworen hatte (alle, die nicht in Spiritus untergebracht werden konnten, wurden abgehäutet oder wenigstens enthauptet und der Kopf aufbewahrt), war ich auch bald mit dem Gewehre zur Stelle, um dem Hunde beizustehen. Das von ihm verfolgte Reptil war mehr denn daumenstark, grün und über vier Fuß lang und hatte sich in ein Bäumchen (Acacia giraffe) geflüchtet, in dessen dichtem Geäste es sich blitzschnell auf- und nieder bewegte. Ein Dunstschuß betäubte die Schlange, ohne sie zu tödten, ich ergriff nun das Schwanzende des Thieres, um es aus dem Dornengeäste herauszuziehen. Ich zerrte etwas heftiger—da gibt der neben mir stehende Pit einen Schrei von sich, ich kehre mich nach ihm, als durch ein schmerzliches Gefühl an meinem rechten Daumen meine Aufmerksamkeit rasch zu dem Object zurückgeführt wurde. Die Schlange hing mit ihren Kinnladen an meinem Finger. Mir wurde recht warm um's Herz, ich riß an dem Schwanzende, daß ich beinahe die Schlange entzwei gerissen hätte, wodurch das Thier vollends getödtet zur Erde fiel. Sofort rief ich nach Salmiak, beugte mich jedoch gleichzeitig zu dem Reptil nieder, um die Art zu bestimmen. Ist das nicht ein Bucephalus viridis (cupensis)? Eine gift- und harmlose Schlange? Das Köpfchen ergreifend öffne ich die Kinnladen, kein Giftzahn zu sehen, noch zu fühlen. Auf F. hatte dieser Zwischenfall einen tiefen Eindruck gemacht und ihn zum erbitterten Feinde aller Reptilien umgewandelt; während wir unsere Fahrt fortsetzten, ließ er kein Akazienstämmchen unbehelligt, seine Rache spähte eifrig nach einem Opfer, doch stundenlang mußte er nur über sich selbst die Rache der Dornen ergehen lassen.

»Hurrah, Halloh, Hurrah,« und ebenso viele Luftsprünge von Seite F.'s unterbrachen unseren Gedankenlauf; wir hielten den Wagen an, Weiß und Schwarz eilte auf den vor Freude übersprudelnden Jüngling zu. Da stand er, selbstbewußt, und wies siegesgewiß nach der Spitze des nächsten Busches. Doch nur einen Augenblick währte sein vermeintlicher Triumph, in das krampfhafte Gelächter, welches B. und E. mit den Schwarzen im Chorus anstimmten, mußte auch ich einfallen, als ich ein harmloses Chamäleon erblickt hatte. Der arme F. hatte aber auch entschiedenes Unglück mit seinen Anläufen zu Heldenthaten.

Der Wassermangel wurde am nächsten Tage schon äußerst fühlbar und obwohl wir von vorbeiziehenden Barolongen einige Töpfe mit Milch erstanden, war unseren lechzenden Zugthieren nicht gedient. In einem breiten Thale nach Norden bei Osten vordringend, hatten wir endlich die bewaldeten Abhänge der Ausläufer der Malauhöhen erreicht, eine frische Brise fächelte uns Armen Kühlung zu und zu unserer größten Freude versprach ein aufsteigendes Gewitter das heißersehnte Naß zu spenden.

Unsere Hoffnung ward nicht getäuscht, ein mäßiger Regenschauer füllte unsere Wassergefäße und gestattete die Thiere zur Noth zu tränken. Nun hieß es frisch weiterziehen, da ich die Absicht hatte, noch am selben Tage Moschaneng zu erreichen. Ein dumpfer Schall, der sich uns deutlich zu nähern schien, verzögerte unsere Abfahrt. Ueber die Ursache desselben wurden wir bald aufgeklärt.

[Auffangen von Regenwasser.]

Es erschien ein berittener Barolonge und ihm folgte eine Heerde von gegen 50 Pferden, welche von zwei anderen Barolongen angetrieben und deren seitliches Ausweichen von je einem an jeder Seite in dem Gehölze galoppirenden Eingebornen verhindert wurde. Unsere Ueberraschung, hier eine solche Pferdetruppe zu sehen, war nicht gering. Einer der Nachtreiber sprang auf einen Augenblick aus dem Sattel und berichtete uns, daß dies Montsua's, des Barolongenkönigs, Pferde seien, die er jährlich zu seinem Vetter Maroka nach dem Freistaat schicke, um sie daselbst während der Dauer der in den Betschuanaländern grassirenden Pferdekrankheit weiden zu lassen. »Hat denn Dein König so viel Pferde, wie die Zahl derer beweist, die an uns vorbeigejagt hatte?«—O, Master. Morena (der König) hat mehr denn diese, in der Stadt behält er sich nur die gesouten (gesalzenen) Pferde, welche eben die werthvollsten sind.«