[Wald am Fuße der Malau-Höhen.]

Nach einer kurzen Fahrt hielt ich eine Stunde Weges vor Moschaneng. Der Regen hatte hier alle Vertiefungen mit Wasser gefüllt, und die Stelle war ein anziehendes, gegen den Wind geschütztes, leicht bewaldetes, für einen zweitägigen Aufenthalt wie geschaffenes Thal, so daß ich hier von den Anstrengungen der Molapo-Reise auszuruhen und dann erst nach Moschaneng zu gehen gedachte, wo ich außerdem recht beschäftigt zu sein und für meine Zugthiere, der vielen in der Stadt gehaltenen Heerden halber, keine gute Weide zu finden glaubte.

In dem Gehölze gab es schöne (von den Boers so genannte) Buchenholzbäume, sowie die unter dem (fälschlichen) Namen wilde Syringa bekannten, wilden Oliven- und Kareebäume, Mohatla- und Morethwabüsche, Bäume und Sträucher mit ahornartigen, geflügelten Samen, mehrere Arten von Mimosen (Acacia detinens, Acasia giraffe, Acacia horrida), an den Höhen die von Süden her bekannten (doch wie es mir schien in neuen Formen vertretenen) Aloën. Hier schoß ich auch einen großen, grauen Lori (Go-away von den Engländern, grote Mausevogel von den Holländern genannt), ferner eine braune Gabelweihe und zwei gelbgeschnäbelte Tukane. Der erstere Vogel nistet auf den höchsten Spitzen der Bäume, von wo er mit nach rechts und links bewegendem Köpfchen Alles ihm fremd erscheinende beäugelt, und dabei so oft er sein häßliches Geschrei go-a-wäh ausstößt, seinen Schopf hoch ausrichtet. Am 11. December machte ich mehrere Ausflüge in die Umgegend, die meinen Sammlungen sehr zu Statten kamen. Unter der Ausbeute befanden sich Papageien, sechs jener Lori's, Witwen, Tukane und zwei Kukuksarten, eine kleine, grün und grau melirte, rothbeschopfte Spechtart und Würger.

Unsere Ankunft führte, da ich F. nach der Stadt entsendet hatte, um den dort ansässigen holländischen Schmied zu entbieten, bald mehrere Besucher herbei, deren erste scheu hervorgebrachte Frage dem Feuerwasser galt. Ihre Verlegenheit bewies mir, daß Montsua's Ruf als Gegner des Branntweins begründet war.

Nachmittags erhielten wir einen andern Besuch aus Moschaneng, und zwar den ehrendsten im Lande der Banquaketsen, deren Gebiet wir (ungefähr unter 25° 10' südlicher Breite) etwa halben Weges zwischen Molema's Town und dem jetzigen, 70 englische Meilen davon entfernten Aufenthalte überschritten hatten. Ein gedeckter, zweirädriger mit vier Pferden bespannter Karren kam angefahren, bog im Gehölze um und dann gerade auf uns zu. Während Stephan die Pferde hielt, stiegen die Insassen, vier Eingeborne, aus. Zuerst ein junger Mann von etwa 25-28 Jahren, der sich uns als Mobili, den Sohn eines Basutohäuptlings vorstellte und der F. von Kimberley aus kannte, wo er ob seiner englischen Erziehung und seiner Fertigkeit in der englischen Sprache durch einige Zeit als Dolmetsch bei dem Gerichtsamt angestellt und ein Lebemann südafrikanischen Anstrichs war. Er war auf einer Rundreise unter den Betschuanahäuptlingen begriffen und eben vor wenigen Tagen vom Könige der Bakwena's angekommen. Mobili stellte uns nun, nachdem er mit F. Händedrücke ausgetauscht, die übrigen drei Personen mit den Worten vor. »These are two of the most distinguished Bechuana Kings (zwei der hervorragendsten Betschuanakönige), Montsua, jener der Barolongen, of a wealthy and mighty tribe (über einen wohlhabenden und mächtigen Stamm), hier Chatsitsive, König der Banquaketsen und dort der Hauptrathgeber oder der Vice-Kanzler des Banquaketse-Reiches.«

Montsua, ein Mann von über 50 Jahren, wohlbeleibt mit einem stets lächelnden, gutmüthigen Gesicht, flößte mir sofort Zutrauen ein. Chatsitsive, ein großer, hagerer Mann, zeigte deutlich, wie auch sein Reichskanzler, daß sie ihr faltenreiches Antlitz den Umständen anzupassen verstanden. Alle waren europäisch gekleidet, Chatsitsive mit einem langen Ueberrock und Cylinder und sein Factotum mit einem Mentschikoff. Nachdem wir während des Gesprächs, das Mobili und Pit als Dolmetscher leiteten, scharf gemustert worden waren, meinte Montsua, daß er mich im Weichbilde seiner Stadt willkommen heiße, er wäre wohl nicht eigentlich auf seinem Gebiete, er lebe hier auf dem Boden seines Freundes Chatsitsive und habe vor langer Zeit schon den Molapo verlassen, weil er von den Boers bedrängt worden war; er sei nun aber ihres Treibens satt und wolle Moschaneng verlassen, um sich am Molapo oder in Poolfontein oder am Lothlakaneflüßchen eine Stadt zu bauen, dann müsse ich kommen und ihn besuchen.