[Königliche Besucher.]

Hierauf wurde ich über Ziel und Zweck meiner Reise befragt. Als Antwort zeigte ich einige der Vogelbälge, welche mit Staunen betrachtet wurden. Mobili verdolmetschte dem König die Bearbeitung des Balges, was dieser jedoch nicht begreifen konnte und darüber unaufhörlich den Kopf schüttelte. Als ich den König zur Vorsicht mahnte, da Gift in der Haut des Balges enthalten sei (Mobile übersetzte es mit molemo maschwe, schlechte, böse Medicin) stieß der alte König einen leisen Schrei aus und ließ den Balg fallen; die Betschuana's fürchten nichts mehr als künstlich zubereitetes Gift, jedes Medicament, das nicht hilft und eine Verschlechterung des Kranken herbeiführt oder den Tod nicht verhüten kann, wird als Gift betrachtet »O,« seufzte Montsua, und er wie seine beiden Genossen besahen sich die Hände und fingen an, die Aermel ihrer Röcke aufzuschlagen, um sich die Finger im Sande abzureiben. Ich ließ Wasser und Seife bringen und holte eines meiner Handtücher, das Montsua noch immer mit einem besorgten Gesichte annahm und sich nicht eher beruhigte, als bis ich ihm durch Mobili die Wirkungslosigkeit des Giftes auf der menschlichen Haut erklären ließ.

Größeres Erstaunen aber als der Vogelbalg, und laute Ausrufe selbst auch von Seite des sich den Anschein eines Gelehrten gebenden Mobili folgten, als ich zwei meiner mit Reptilien, Schlangen, Eidechsen, Fröschen und Spinnen gefüllten Flaschen vorwies. Alle vier Besucher waren dabei zurückgewichen und Montsua, seinen Kiristock gegen die Flasche vorhaltend, wollte nicht näher herantreten. Bald mich, bald die Flasche anstaunend beruhigte er sich erst, nachdem er sich überzeugt hatte, daß die Schlangen in dem Butshuala a Makao (im Biere des Weißen) »schliefen« und nicht heraus konnten.

Inzwischen war ein Mokka fertig geworden und die Blechbecher wurden herumgereicht. Unterdessen besah sich Montsua den Wagen, frug die Jungen (Diener), woher sie kämen und mich endlich, was sein Bruder Molema thue, ob er wohl sei; ich antwortete ihm, daß er an seinem alten Uebel leide und daß ich ihm ein Molemo gab, was ihm wohl helfen dürfe. Montsua nahm diese Nachricht mit beifälligem Schmunzeln auf.

Sowie sich auch Chatsitsive gesetzt, frug Mobili, ob ich den »hohen Herren« keine andere Erfrischung zu bieten hätte. Ich verneinte, ich wüßte nicht, was ich ihnen antragen könnte. Mobili stand auf, kam zu mir herüber und meinte, ich solle Pit und Stephan um Wasser schicken, er wollte mir etwas sagen, die Diener dürften jedoch nicht dabei sein. Ich that es und nun entpuppte sich das Geheimniß. Ich sollte jedem einen Schluck Brandy anbieten. Ich that es und Montsua meinte, daß er seinen Unterthanen Brandy anzubieten nicht gestatte, daß er ihn selbst nur ein oder zwei Mal im Jahre und dann nur zu einem halben Glas Wein trinke. Ich schenkte ein, Montsua trank etwa einen halben Löffel voll, griff aber darauf sofort nach Wasser. Chatsitsive brachte zwei Löffel voll hinunter, verzog aber dabei sein langes Gesicht derart, daß selbst Montsua (mit uns) in ein krampfhaftes Lachen ausbrach. Chatsitsive ließ etwa einen Löffel in dem Blechbecher übrig, reichte ihn dem Vize-Kanzler, und dieser leerte ihn rasch, worauf er den Rest mit dem Finger zu erhaschen sich bemühte. Mobili spülte den halben Becher hinab, ohne eine Miene zu verziehen.

Nachdem die hohen Herren uns allen die Hände geschüttelt hatten, und sogar die Diener mit einem Kopfnicken bedachten, stiegen die Besitzer von einigen hundert deutschen Quadratmeilen Landes in ihren Karren, Mobili nahm die Zügel zur Hand, um sich zur Abfahrt fertig zu machen; da legte sich Montsua's Linke an seine Schulter, während er mir mit der Rechten noch einmal an den Karren heranzukommen winkte. Mit zwei Sätzen war ich an seiner Seite und der Dolmetscher frug mich in des Königs Namen, wo ich den für ihn bestimmten »Rumela« (Empfehlungsbrief) des Missionärs Webb habe. Ich holte beide Schreiben und bat nun den König, den zweiten an seine Adresse zukommen zu lassen, konnte jedoch nicht umhin, meiner Verwunderung Ausdruck zu geben, daß man am Hofe zu Moschaneng schon von der Sache vernommen hatte. Montsua lachte. »Ja,« meinte er, »ich weiß es seit drei Tagen, denn an Euch gingen eines Tages, während Ihr schliefet, zwei Barolongen von Molema's Town vorüber, welche mir die Nachricht von Deinem Besuche der Stadt, Deinem Thun daselbst und von dem Zwecke Deiner Reise, von den beiden Briefen und der guten Wirkung Deines Molemo an Bruder Molema zu berichten hatten.«

Am folgenden Morgen besuchte mich Herr Martin, einer der besten Männer unter den Weißen, die ich unter den central-südafrikanischen Eingebornen gefunden, zugleich mit Gentuña, dem Häuptling der Baharutsestadt, welche den nördlichen, durch einen Bach getrennten Theil von Moschaneng bildet. Wir hatten eine längere Unterredung, die mir sehr willkommen war.[[1]] Ich benutzte jeden freien Augenblick zum Sammeln und war mit dem Aufenthalte in dem traulichen Gehölze sehr zufrieden.

[1] Kanja (Kanje) die Hauptstadt der Banquatetsen (oder Ba-N'Quatetsen) und Chatsitsive's Residenz liegt neun englische Meilen, Süd bei Ost, von Moschaneng; eine Tagreise weit ostnordöstlich (zwischen 17 und 20 Meilen liegen die Ruinen der früheren Residenz des Balwenakönigs Seschele, doch in ihrer Nähe, nur durch ein Flüßchen entfernt, gegenwärtig zwei Eingebornenstädte, die diesseitige, welche an Chatsitsive's Gebiet liegt von den Manupi und eine zweite an Seschele's Gebiet grenzend, die von den Makhosi bewohnt wird (seitdem sind die Makhosi ausgewandert). Herr Martin sprach sich sehr lobend über Gentuña aus. Herr Martin hatte mit einem anderen Händler auch einen Jagdzug nach dem westlichen Matabeleland unternommen, dabei jedoch durch Krankheit, die Tsetse und andere Unannehmlichkeiten viele Zugthiere und im Allgemeinen sehr viel eingebüßt. Er war an die Tochter des vor Kurzem verstorbenen Districtbeamten des Maricodistrict verheiratet und seine Frau wohnte theils bei ihren Verwandten in Zeerust, theils lebte sie mit ihm in einem kleinen Häuschen in Moschaneng, das er mir gastlich zur Verfügung stellte.

Am 14. Nachmittags setzte ich meine Reise nach Moschaneng fort. Die Fahrt dahin ging durch angebaute Felder und in einem offenen sich nach Osten ausbreitenden, nach Westen durch Felsenhöhen und zu unserer Linken nach Süden durch bebuschte Höhen begrenzten Thale; die letzteren bildeten als die nördliche Kette von Malau's Rand die Höhen von Moschaneng. Malau's Rand ist wiederum als der südcentrale Theil der Banquaketsehöhen zu betrachten, welche durch die Lekhutsa und Makarupuhöhen in östlicher Richtung mit dem westlichen Gebirgsknoten des zentralen Süd-Afrika zusammenhängen.[[1]]

[1] Ich unterscheide drei Gebigsknoten im centralen Süd-Afrika; einen östlichen, die Magalisberge; einen westlichen, das Marico-Höhennetz; und einen nördlichen, den im Matabeleland.