X.

Von Moschaneng nach Molopolole.

König Montsua und das Christenthum.—Die Wesleyan-Mission in Moschaneng.—Besuch am Wagen.—Meine ärztliche Praxis in Moschaneng.—Merkwürdige Termitenbauten.—Ein Intermezzo bei unserer Abreise.—Das Banquaketse-Hochland.—Anzeichen tropischer Vegetation.—Hyänenhunde.—Pittoreske Landschaftsscenerien an den Naprstek-Höhen.—Beleuchtungseffecte auf der Hochebene.—Ruinen von Mosilili's Stadt.—Klippdachsjagd.—Grasbäume.—Ein Thari.—Molopolole.

Der südliche Theil von Moschaneng war von Molema und seinen Barolongen bewohnt, und mit Ausnahme der schon verfallenen Kirche und dem Häuschen, in dem Herr M. wohnte, besaß es kein im europäischen Style aufgeführtes Wohnhaus. Die Häuschen der Eingebornen zeigten den, den Betschuana's eigenthümlichen Typus, nur waren sie ob des beschränkten Raumes sehr dicht nebeneinander erbaut, dagegen waren die Gehöfte des durch einen Bach und sein kleines Thälchen geschiedenen Stadttheils der Baharutse geräumiger. Ich schätzte die Einwohnerzahl beider Städte auf 7000, welche Zahl um circa 1000 auf- und abschwankt, da einestheils viele Bewohner längere Zeit in den Diamantenfeldern arbeiten, andere wieder die entfernten Felder bestellen. Des Königs Behausung, je ein Gehöft mit zwei Wohnungen für jede seiner fünf Frauen und sein eigenes stand in der westlichen Hälfte der Stadt nahe am Ufer des Bächleins.

Die Verfassung unter den Barolongen und Banquaketsen ist eine im gewissen Sinne constitutionelle, wenn auch etwas beschränkter als unter den Bakwena's und östlichen Bamanquato's. Unter den Betschuanakönigen steht nach Khama, dem nunmehrigen Könige der östlichen Bamanquato, Montsua obenan. Er ist ein Heide, doch besser als der christliche Seschele, obwohl er anfangs, als das Christenthum in's Land drang, aus Unkenntniß seiner Satzungen es lebhaft bekämpfte, da er befürchtete, daß dasselbe seine Unterthanen von ihm abwendig machen und seine königliche Macht schwächen könnte und daher alles aufbot, es wieder aus dem Lande zu verdrängen.

Wie bei den meisten Betschuanastämmen, unter denen Missionäre zu wirken begannen, waren es auch hier meist die jungen Leute, welche an den neuen Lehren Gefallen fanden, während die alten fest an ihren heidnischen Satzungen hielten. Montsua fiel dies auf und dies um so mehr, als sich die jungen Männer und Mädchen nicht in der entsprechenden Anzahl zur Circumcision einstellten, an den Hochzeitsorgien nicht theilnehmen wollten und viele andere heidnische Feste spärlich besucht waren. Unter den Betschuana's ist ein Tanz gebräuchlich, welcher Rohrtanz heißt, einem alten, heidnischen Gebrauche zu Grunde liegt und der von durch die Städte ziehenden, auf Schilfrohrpfeifen unaufhörlich blasenden Männern getanzt wird (zuweilen stirbt einer oder mehrere während des Tanzes oder kurz darnach an acutem Emphysem der Lungen durch das unaufhörliche Pfeifen hervorgerufen). Montsua stellte daher das Verlangen, daß die jungen Leute der herkömmlichen heidnischen Sitte gerecht werden sollten, und hatte unter dieser Bedingung nichts gegen die Taufe (bathu ba lehuku: nach Rev. Mackenzie das Volk des Wortes, oder das Volk, welches das Wort Gottes aufnimmt) einzuwenden. Durch seinen eigenen Bruder Molema, der das Christenthum mit vollem Herzen aufgenommen, angespornt und ermuntert, verweigerten es die Neubekehrten, dem Wunsche des Königs nachzukommen. Molema fand an Jan, dem nunmehrigen dunklen Barolongen-Prediger einen treuen Helfer.

Von seinen Regendoctoren aufgestachelt, forderte Montsua, daß sich die Bekenner des neuen Glaubens an zwei mit der Regenzauberei zusammenhängenden Ceremonien betheiligen sollten, d.h. an der Letschulojagd, welche von den Regendoctoren veranstaltet wird, um von gewissen Wildarten bestimmte, zu ihren abergläubischen Handlungen gebrauchte Theile zu erlangen, sowie an dem Umgraben einer Ackerstelle, welche von den Regendoctoren benutzt und als geweiht angesehen, und tsimo ea pulta, d.h. Garten, dem Regen geweiht, genannt wird. Auch dies wurde von den Bekehrten verweigert, sie ließen jedoch dem Könige wissen, daß sie ihm jeden anderen Beweis ihrer Treue und ihres Gehorsams als Unterthanen geben wollten, allein die Gebräuche ihrer Vorväter, seitdem sie bathu ba lehuku geworden, nicht mehr ausüben könnten.

In Folge des constitutionellen Regimes und der Zahl der Anhänger des neuen Glaubens konnte er die sich Weigernden nicht so leicht bestrafen, allein er sann auf andere Mittel und fand auch bald Gelegenheit, solche in Anwendung zu bringen, als sich am nächsten Sonnabend Molema und Jan auf das Land begaben. Er ließ in der Stadt bekannt machen, daß sich am folgenden Tage kein Mensch in der Kirche blicken lassen dürfe. Allein ohne sich um diesen Befehl zu kümmern und von zwei Frauen (denn diese erkannten zu wohl, daß das Christenthum sie aus der Stellung der »Sclavinnen« in eine dem Manne ebenbürtige hob) angefeuert, fehlte auch nicht Einer, als die Zeit des Gottesdienstes kam, in dem kleinen Gebäude. Des Königs Getreue brachten ihm bald die Kunde von dem Geschehenen, auch konnte er aus seinem Häuschen den Gesang der Hymnen hören. Aufgebracht über diesen offenen Widerstand bewaffnete sich Montsua mit einem langen, dolchartigen Messer und eilte nach der Kirche, in welche er eintrat, als eben einer der Männer (in Molema's Abwesenheit) das Dankgebet vorlas. Sein Erscheinen brachte natürlich Schrecken unter die Versammelten und diese Verwirrung benutzend, befahl ihnen der König, sich sofort zu entfernen. Da war es eine der Frauen, die ihm mit den Worten entgegentrat, daß sie (die Versammelten) als bathu ha lehuku erst ihre Andacht beenden würden. Diese Worte brachten den König derart in Zorn, daß er auf die Frau losstürzte und es ihm nur durch die Drohung, von seiner Waffe Gebrauch zu machen, gelang, die Anwesenden aus der Kirche zu treiben. Unter den Bekehrten befand sich auch eine seiner Töchter und ihr Mann. Der König verbot ihr aus dem Hause zu gehen, als sie jedoch von einem der Unterrichteten aus der neuen Gemeinde besucht wurde und mit diesem in einem Hymnenbüchlein las, schied sie ihr Vater von ihrem Manne, nahm sie zu sich in's Haus und zwang sie, der alten heidnischen Sitte gemäß sich blos mit dem Lederschürzchen zu bekleiden.