Doch alles dies half Montsua nichts und so wurde er endlich seines strengen Verfahrens müde und nachdem er eingesehen, daß die Bekehrten sonst ebenso treue Unterthanen waren und überdies arbeitsamer und wohlhabender wurden, ließ er nicht allein von den Verfolgungen ab, sondern beförderte (ohne selbst die neuen Lehren anzunehmen) die Verbreitung des Christenthums in seinem Lande als Jener und Molema später von einander schieden, ordnete er an, daß Jan, der Barolonge, den um ihn Wohnenden und Molema den in Molema's Town am Molapo Weilenden predigen sollte.[[1]]

[1] Das Christenthum wurde unter die Barolongen durch die Weslyanische Missionsgesellschaft gebracht, deren nördlichste Station zur Zeit meines Besuches im Jahre 1875 Moschaneng, gegenwärtig, nach der Uebersiedlung Montsua's nach Lothlakane, Molema's Town ist. Hier wirkt noch immer Molema, während Herr Webb seitdem die Stadt verließ und in Lothlakane Rev. Harris (statt Rev. Webb) fungiert. Das Wirken der Missionsgesellschaft hat insofern gute Früchte getragen, als es viele der Barolongen veredelte, den Herrscher zu weisen Maßregeln brachte, und dadurch, daß die Missionäre auch Ackerbau einführten, den Wohlstand der Eingeborenen hob.

Einer der ersten Besucher am Wagen war ein alter Regendoctor, der mich, als er von Montsua hörte, daß ich ein Naka (Doctor) sei, als Kollegen zu begrüßen kam. Der alte Mann fand großen Gefallen an Monkey und bat mich wiederholt, ihm das Thier zu verkaufen, da er es zu seinem pula-jana (Regenzauberei) gebrauche, und wunderte sich, daß ich, trotzdem ich auch ein Naka sei, es nicht glauben wolle. Auch Montsua kam mit Einigen seines Haushaltes, ein Diener trug ihm ein Stühlchen nach, worauf sich Seine königliche Hoheit niederließ; er erzählte mir von dem die Manupi beherrschenden, über 100 Jahre (105) alten Häuptling und von der Weise, wie die Matabele Moselikatse's Begräbniß gefeiert hatten.

Was ich schon während der Reise bis hierher wiederholt befürchtet, trat ein, von meinen Zugthieren erkrankten nicht weniger als vier, von denen ich drei, Dank eines mir von Herrn Martin anempfohlenen Heilmittels noch retten konnte, ihre Leistung konnte aber für die nächste Zeit kaum in Betracht kommen. Ich stand nunmehr der absoluten Nothwendigkeit gegenüber, mir Ersatz zu schaffen; glücklicher Weise gelang mir dies leichter, als ich es je gehofft. Am nächsten Tage ließ mich Montsua zu sich rufen und erbat sich nicht nur für sich selbst, sondern auch für drei seiner Frauen, von welchen er eine mir als sterbenskrank schilderte, meinen ärztlichen Beistand. Die von mir verabreichten Arzneien hatten Wunder gewirkt, alle meine Patienten fühlten sich schon in den nächsten Tagen bedeutend wohler. Ich sah mich in Folge dessen bald von Hilfsbedürftigen umlagert, des Königs Bruder, der Chef Chatsitsive, der Barolong-Prediger Jan Leschumo, seine Frau und sein Sohn und zahlreiche andere Eingeborne, darunter besonders Frauen mit ihren Säuglingen, drängten sich zu meinem improvisirten, unter freiem Himmel errichteten Ordinationssalon. Meinen ärztlichen Erfolgen hatte ich es zu danken, daß ich Moschaneng mit einem frischen, zugkräftigen Gespann verlassen konnte.

Die von Molema (des Königs Bruder) vom Molapo gesandte und durch zwei Boten abermals bestätigte Nachricht von seiner Besserung hatte mir nicht allein als Empfehlung gedient, sondern mir auch das Vertrauen der Leute in Moschaneng im Sturm gewonnen.[[1]]

[1] Siehe [Anhang 18].

Montsua bewies seine Erkenntlichkeit, indem er mir 1 £ St. für die verabreichten Arzneien nebst vier weißen und ebensovielen schwarzen Straußenfedern von seltener Schönheit überreichte, von welchen er die weißen für meine Frau bestimmte; meine Entgegnung, daß ich noch keine Frau hätte, nahm er mit ungläubiger Miene auf, rieth mir aber schließlich, die Federn für meine zukünftige Gattin aufzubewahren. Dem Wohlwollen des Königs verdankte ich auch fünf kräftige Zugthiere, die er mir für mein Snidergewehr überließ, während Herr Martin und der Händler Mr. T. mir zu weiteren fünf Thieren verhalfen, so daß ich nunmehr über 14 Zugthiere verfügen konnte und frohen, leichten Muthes der Weiterreise entgegensah.

[Barolongfrauen aus Moschaneng.]