Ich muß hier einer interessanten Beobachtung gedenken. An der Lehmwand von Mr. Martin's Wohn- und Verkaufslocale sah ich Termiten von einem unter der Mauer, in der Erde befindlichen Baue einen Gang nach auswärts an der Außenseite der Wand, aus dem Anwurf mit Hilfe der Speichelsecretion kneten und formen. Dieser bedeckte Gang war so weit, daß man etwa einen Bleistift hätte einführen kennen, zeigte viel Abzweigungen nach rechts und links und auch Gabelungen nach oben. Aus einem zweiten Souterrainbau führten mehrere solcher Kanäle nach auswärts, aus der Ferne betrachtet schien es, als hätten Menschenhände an Herrn Martin's Hauswand Strauchformen durch Ankneten von röthlicher Thonerde nachzuahmen versucht.

Der Aufenthalt in Moschaneng war auch der Vermehrung meiner ethnographischen und etymologischen Sammlungen sehr förderlich. In Bezug auf erstere erwarb ich mehrere Carossen, Kiri's, Waffen, Stöcke mit eingebrannten Verzierungen, zu Wassergefäßen hergerichtete Straußeneier, hölzerne Löffel, eine Holzschüssel, Schnupftabakdosen aus Kürbisschalen und Horn gearbeitet und viele Insecten. Unter den letzteren eine neue Cerambyx und eine dieser Familie verwandte, schwarzgelb gebänderte Species, zwei stahlgrüne und eine kupferfarbige Scarabidenart, sowie andere neue Stücke und Duplicate, im Ganzen etwa 350 Stück. Die trockenen Mimosenzäune waren die Rendezvousstellen zweier schöner Bockkäferarten.

Am 17. wollte ich endlich abreisen, doch Montsua ließ es nicht zu. Ich müsse noch bleiben, hätte ich kein Fleisch, würde er mir welches senden und um Mittag wurde ich thatsächlich mit einem Ziegenbock als Geschenk des guten Mannes überrascht. Dann kam er selbst wieder und bat mich noch einen seiner Leute, einen wohlhabenden Mann, besuchen zu wollen. Als ich einwilligte, wurde ich sofort zu dem letzteren geführt und hatte hier Gelegenheit, Einblick in das Familienleben eines Betschuana's zu thun.

In einem etwa 40 Schritte im Durchmesser zählenden Höfchen standen drei der gewöhnlichen Betschuanahütten oder Häuschen. Eine Schaar nackter Kinder spielte lustig umher. Ich hatte kaum Zeit, mich in dem Höfchen umzusehen und die riesigen aus Gras geflochtenen Körbe zu betrachten, in denen das Kafirkorn aufbewahrt wird, als der Bote aus dem Häuschen heraustrat und mir mit den Worten Bapila, Sir (Warte, Herr) ein primitives Stühlchen zum Sitze anbot. Dann lief er in die nächste Hütte und holte ein junges Weib heraus, sowie eine alte Frau, welche die Kinder zur Ruhe verwies. Die Frauen begaben sich sodann in das Häuschen, in dem der Kranke lag, brachten zuerst ein gegerbtes Ochsenfell heraus und dann mit Hilfe des Führers den kranken Mann, der es nicht zugeben wollte, daß sich der weiße Doctor in das Innere der kleinen Wohnung bemühen solle. Ich hatte vor mir einen noch jungen Mann. Er betrachtete mich mit neugierigen, etwas ängstlichen Mienen und schien seit Langem ein Lazarus zu sein. Um den Hals trug er ein aus Gras geflochtenes Schnürchen und an diesem im Abstande von 1¼-1½ Zoll kleine, gekerbte, Schwärzliche Holzpflöckchen, etwas ähnliches über der Wade—Beschwörungsmittel die ihm, um seine Krankheit zu heilen, von den Regendoctoren angelegt worden waren. So ängstlich wie der Kranke, sahen mich auch die beiden Weiber, seine Frau und seine Mutter, an. Ich fand den Fuß in sehr schlechtem Zustande und die meisten der Tarsusknochen cariös entartet. Als ich die Sonde in die Wunde einführte, schloß ihm die junge Frau mit ihrer rechten Hohlhand die Augen und ich sah deutlich, wie sich die Stirne des Mannes über der vorgehaltenen Hand und seine Schläfe mit dichten Schweißtropfen bedeckten.

Als ich die Untersuchung der Wunde beendet hatte, sprach ich dem Kranken gegenüber die Hoffnung aus, ihn bei meinem nächsten Besuche Moschanengs besser zu finden. Er war des Holländischen nicht mächtig und richtete einen fragenden Blick auf den Boten. Sofort übersetzte dieser mein Gutachten, wobei er dreimal so viel Worte gebrauchte. Nun folgten meine Rathschläge, welche zwei- und dreimal so lang, meist in umschriebener, mit Gesticulationen verbundener Form wiedergegeben wurden. Als der Mann das Einspritzen von lauwarmem Wasser in die Wunden, dann jenes einer Lösung von Medicamenten erklärte, mußte ich alles aufbieten, um nicht in lautes Lachen auszubrechen. Ich hatte eine kleine Glasspritze mitgenommen, deren Wirkung von allen offenen Mundes angestaunt wurde; höchst verwundert nahm jeder der Anwesenden die Spritze zur Hand.

War schon die Gebrauchsanweisung derselben von meinen Zuhörern schwer begriffen worden, so war dies noch im höheren Grade der Fall, als ich das Vorgehen bei dem Loslösen zerstörter Knochenstücke und das Herauf- und Herausheben der so zur Oberfläche durch die Wundkanäle getretenen zu erklären hatte; doch auch dies gelang, ebenso die Belehrung, täglich häufige Waschungen zu halten und ihm eine Medicin (Eisen und Chinin) dreimal und ein Pulver (Kalk-Phosphate) zweimal des Tages zu verabreichen. Hier mußte ein Holzlöffel geholt, Wasser eingeschüttet, dann das Pulver mit etwas Mehl nachgeahmt und das ganze von dem Führer verschluckt werden, um alles dies im Höfchen wohl begreiflich zu machen und dem Kranken selbst Vertrauen einzuflößen. Als ich beendet, ersuchte mich der Kranke, ihm meine Hand zu reichen und unter einem allseitigen Rumela verließ ich das Höfchen, um die Medicamente zu präpariren; mein Führer jedoch eilte zu dem Könige, um hier (wie ich später erfuhr) die ganze Scene, mein Betragen etc. haarklein zu beschreiben.

Während unseres Aufenthaltes in Moschaneng wurde Pit häufig von einer Landsmännin besucht, welche von ihrem Vater (einem Griqua) an einen hiesigen Barolongen verkauft, d.h. verheirathet worden war. Sie schien sich vollkommen glücklich zu fühlen, ebenso daß sie einen »Stammesbruder« fand, mit dem sie, einen Säugling im Tuche am Rücken gehüllt und ein Kind an der Hand führend, stundenlang im Tage Pfeifchen um Pfeifchen ausschmauchen konnte. Sie schien ein weniger hartes Los zu haben, als es sonst die Frauen der Betschuana's ertragen müssen.

Montsua machte mir den Vorschlag, mich in Moschaneng häuslich niederzulassen, und meinte, an Praxis würde es mir hier nie fehlen können, da die Leute von Kanja, Molema's Town, von Manupi u.s.w. alle um Molemo (Medicin) zu mir kommen und diese mit Straußenfedern, Fellen, Ochsen und Ziegen bezahlen würden. So wohlwollend die Einladung auch war, ich hatte eine andere Aufgabe vor mir.

Am Morgen des 18. machte ich mich zur Abreise bereit. Alle Notabilitäten von Moschaneng fanden sich ein, Montsua und Herr Martin brachten noch je eine schöne, weiße Feder und ich mußte wiederholt dem Könige die Hände schütteln. Als letzten Beweis seiner Huld bot mir der König einen Führer nach Molopolole zu dem Könige der Bakwena's an, den ich, obwohl er nicht kräftig schien, mitnahm. Ein Intermezzo, das unsere Lachlust auf's Höchste in Anspruch nahm, beschloß unseren Aufenthalt in Moschaneng. Unser neuer Führer nahm Freund Boly bei seite und frug ihn, ob der Baß es wohl erlauben würde, daß er seine Frau und Nichte mit auf die Reise nehmen könne. Da Boly es verneinte, wandte er sich darauf an mich und über den Grund dieses seines Ansuchens befragt, gestand er, daß dieser Makoa (Weiße), auf B. weisend, seiner Frau und dem Kinde (Nichte) tata, tata (viel, viel) gefiele und sie deshalb mitreisen wollten.