[1] Siehe [Anhang 20].

Auf einem längs des Flußufers unternommenen Ausfluge fand ich recht anziehende Partien sowohl in dem Flußbette selbst als auch an den beiden hohen, mit bunter Boden- und Buschvegetation dicht bewachsenen Ufern. Bald stufen- bald walzenförmig lagen die vom Wasser spiegelglatt geschliffenen Felsenblöcke übereinander und bildeten kleine Katarakte, die für den künftigen Besiedler des Ufers natürliche Wehren sind, um seine Mühle zu treiben und seine Gefilde zu bewässern. In den Dickichten am Flusse jagten sich Heerden der gehörnten Perlhühner (N. coronata) und an den lehmigen Stellen sah ich deutliche Fischotter- und Leguanspuren.

Um die Mittagszeit, als wir überall auf den vorragenden Felsenblöcken den Klippschliefer hocken und herumhuschen sahen, machten wir uns mit den Hunden auf, um einigen dieser von den Engländern Rockrabbits, von den Boer's Dossies genannten Dickhäutern nachzustellen. Wohl weil von den Eingebornen häufig verfolgt, zeigten sich diese kleinsten der lebenden Pachydermata sehr scheu; so lange wir am Wagen oder im Bereiche der Ruinenstadt blieben, wichen sie, meist in kauernder Stellung an den vorragenden Felsenblöcken—vielleicht auch als Wachen sitzend—sonst aber in den Büschen nach Wurzeln und Gras, auf den dickstämmigen Sykomoren nach Feigen suchend, nicht von der Stelle; sobald wir jedoch den Fuß der Höhen erreicht hatten, verschwanden sie in der nächsten Felsenritze.

Während Freund Eberwald und F. mit Stephan auf dem östlichen Hügel darauf losknallten, hatte ich mich von dem westlichen steilen Abhange nach dem nördlichen geschlichen, um einen auf der äußersten Felsenspitze vollkommen apatisch und melancholisch hockenden, um seine und die Sicherheit seiner Kameraden unbesorgten Klippdachs anzuschleichen. Nicht ohne Schwierigkeiten und manchen meine Lachlust erregenden Zwischenfall gelang es, den steilen Abhang emporzuklimmen und eine Stelle zu erreichen, von welcher aus das kleine Thierchen in Schußweite lag. Mein Begleiter Pit wollte durchaus noch weiter klettern, ich aber ersah den günstigen Moment und feuerte eine Schrotladung hinauf. Der Schuß hatte getroffen, der Klippdachs kollerte zum Stamm einer über den Abhang sich erhebenden Sykomore und fiel dann einige Fuß senkrecht herab. Athemlos klettern wir über die großen Felsblöcke auswärts, um die Stelle am Fuße der Sykomore zu erreichen—doch welche Enttäuschung, die Erde war vom Blute des Thieres geröthet, das Thier selbst war jedoch verschwunden. Wir durchsuchten alle Ritzen und Löcher zwischen den Felsen—vergebens.

Hyrax capensis, wohl eine und dieselbe Species oder eine sehr nahe Varietät des Hyrax abissinicus ist von der südlichen Meeresküste durch ganz Süd-Afrika über den Zambesi hinaus verbreitet und wählt sich meist felsige Höhen zum Aufenthaltsorte. Von seinem gewählten Schlupfwinkel weicht er nicht gerne und mag auch unter dem Felsen, auf den er sich eingenistet, ein Gehöft oder eine Stadt entstanden sein, er bleibt ruhig wo er war, nur daß er scheuer als in der Wildniß wird. Als kleinster der Dickhäuter ist er ein eigentümlicher Kauz, ein tiefer Denker, der seine Handlungen wohl überlegt, bevor er sie ausführt, sonst ein närrischer und bissiger Geselle. Etwas über Kaninchengröße, mit kurzen Ohren und kleinen, sehr lebendigen Aeuglein, ist er mit einem dichten, dunkel gelblich-braunen Pelze bekleidet, dessenthalben ihm von den Eingebornen eifrig nachgestellt wird. Doch auch sein Fleisch wird von vielen Weißen und von den Eingebornen genossen und manche der Stämme, wie die Makalaka's, bedienen sich mit Nägeln versehener Stöcke, um die in die Felsenritzen geflüchteten Klippschliefer aus diesen herauszuholen. Nebst dem Menschen sind es der Caracal und der südliche Luchs (Lynx pardinus) sowie der braune Adler, welche ihm nachstellen, doch ohne seiner großen und raschen Verbreitung viel Abbruch thun zu können; seiner Brut werden die Genetten gefährlich.

Die steilsten Höhen, schroffe Abfälle, in Süd-Afrika als »Kränze« bekannt, sind seine Lieblings-Aufenthaltsorte. Ein kleiner Hase bewohnt diese Höhen und ist oft sein Gesellschafter, wenn dieser auch nicht in die tiefsten Spalten herabsteigt, sondern sich mehr an der Oberfläche aufzuhalten sucht. Der Klippdachs liebt die Wärme und sich zu sonnen ist neben seinen Nahrungssorgen seine wichtigste Beschäftigung. Nasse Winter (eine Seltenheit auf den Hochebenen) und große Kälte schaden ihm sehr. Gefangene, denen man nicht vollkommen das freie Herumlaufen gestatten konnte und die in feuchten, oben geschlossenen Localen gehalten wurden, erkrankten an Augenentzündungen und siechten zusehends ab; sonst sieht man sie häufig in Behausungen gehalten und an Schnürchen, die sie nicht zerbeißen, angebunden. Man kann sie hier und da für 2-5 Shilling per Stück erstehen.

In einer der vielen trichterförmigen Kalk-Felsenhöhlen in der westlichen Transvaal-Republik beobachtete ich eine Art mit etwas zottigem, fuchsrothem Fell, ohne ihrer jedoch habhaft werden zu können und in den bewaldeten Partien des südlichen Theiles der Cap-Colonie, wie auch in Kafraria, Natal und weiter nordwärts lebt eine graue mit einem weißen Band geschmückte, etwas kleinere Art nur auf Bäumen, von der ich zwei Exemplare sah. Sie sollen ein weithin tönendes Gepfeife ausstoßen und sind sehr scheue, besser als ihre Stammesbrüder auf den Felsen, Feuchtigkeit vertragende Thierchen.

Freund E. war glücklicher als ich, er brachte Turteltauben und ein schönes großes Rebhuhn (Francolinus gariepensis), sowie einige der uns bisher fremden, palmenartigen Grasbäume heim; manche derselben waren stark angekohlt, ein Beweis, daß die Höhen zeitweilig von Bränden heimgesucht werden. Wir benutzten die aus den Stammenden und an den armleuchterartig emporsehenden Abzweigungen hervorsprießenden, viel Kieselkrystalle enthaltenden Blätter, um damit unsere Eisen- und Stahlsachen blank zu scheuern. Ich beobachtete noch eine zweite, höhere und bedeutend dünnere starkverzweigte Art an einigen (immer nur an) Höhen im Zambesithale, eine der beiden Arten soll auch im centralen Transvaal-Gebiete auf den Magalisbergen vorkommen. Die Pflanze gehört unstreitig dem wärmeren Theile Süd-Central-Afrika's an und fesselt durch ihre dunklen, aus dem Grase und zwischen den grauen oder weißlichen Felsblöcken hervorsprießenden, 2-3 Fuß hohen und armdicken Stämmchen sofort die Aufmerksamkeit des Fremden.

Nachdem ich die Häupter meiner Lieben gezählt und keines fehlte, brach ich wieder auf; unser Weg führte uns durch mehrere sandige Flußbette (Koluany und Mahatelve) und zahlreiche Regenmulden, deren Ufer von herrlich grünenden Mimosen bestanden waren. An einer dieser Regenmulden entdeckte unser Führer zahlreiche Hyänen- und Leopardenspuren, die uns zur Vorsicht mahnten. Kaum hatten wir das Schutaniflüßchen, dessen felsiges Flußbett den Zugthieren viel zu schaffen gab, überschritten, als die Hunde mit besonderer Vehemenz auf einen Busch anschlugen.

Da rief Stephan plötzlich: »Bas, Bas. Sir, pass up, een chut lup nack ye tu« (Herr, Herr, gib' acht, ein Ding läuft auf Dich zu). Ich sprang zur Erde, Pit, E. und B., wir alle wandten unsere Blicke nach der Schallrichtung, das Hundegekläffe kam näher, entfernte sich dann aber, als plötzlich einige Schritte vor den Ochsen ein gelbliches, schwarzgeflecktes Thier, ein südlicher Luchs, Thari von den Eingebornen genannt (L. pardinus) über den Weg setzte und den Anhang hinablief. Es schien uns allen so klein, und da die Hunde, namentlich Onkel, dem Thiere auf den Fersen waren, dachte Niemand nach dem Gewehre zu greifen, alles lief dem flüchtigen Thiere nach. Ueber Busch, über Stock und Stein flogen und fielen wir—doch dieses spontane Wettrennen war nur von kurzer Dauer, denn an einem Haufen tief in die Erde eingebetteter Felsblöcke, vor einer tiefen, in eine Höhle führenden etwa 16 Zoll breiten Zerklüftung hielten die Hunde mit einem Male still und kläfften in die Höhle hinab, aus der das Fauchen des Raubthieres zu hören war.