Wir hatten indeß keine Zeit zu versäumen und mußten, wenn auch ungern, zum Wagen zurückkehren. Am Lagerplatze angelangt, schärfte ich den Dienern die größte Wachsamkeit ein und ließ mehrere größere Feuer zur Abwehr der Leoparden errichten.
Durch dichten Niederwald, in dem Laubhölzer zahlreich auftraten, setzten wir am nächsten Tage unsere Reise fort. Wir begegneten zwei Frauen, deren Hals und Brust über und über mit Glasperlenschnüren und Arme und Schenkel mit aus kleinen Glasperlen gearbeiteten fingerdicken Ringen bedeckt waren; ein ihnen folgender Knabe trieb einen Ochsen, der als Packthier das Gepäck der »Schönen« trug. Mit dem Ueberschreiten des Koluanyflüßchens hatten wir das Gebiet Seschele's betreten, des Herrschers der Bakwena's, der nächst den beiden Bamanquato-Herrschern das umfangreichste Landgebiet unter den unabhängigen Betschuana-Königen besitzt.
Durch den Knall unserer Peitsche angelockt, kamen zwei Bakwenaknaben zum Wagen herbeigelaufen, und trugen mir eine Deukergazelle zum Kaufe an; ich erstand das liebe, zierliche Thierchen, das ohne Verwunderung über den Wechsel seines Gebieters so treu und traulich uns mit seinen schönen, großen Augen anblickte und sich im Wagen bald heimisch fühlte, für eine Bagatelle.
Nachdem wir das theils felsige, theils sandige Flüßchen, Malili genannt, überschritten hatten und durch einen tiefsandigen Wald reisten, erblickten wir, während des Aufstiegs durch Bäume verdeckt, eine Höhenkette im Norden, welche bebuscht zu sein schien. Näher kommend, gewahrten wir, daß sich im Osten noch andere Höhen an die erwähnte (der mittlere Theil der Bakwena-Höhen) anschlossen und auf einer derselben hoch oben einen weißen Punkt, einem europäischen, weißgetünchten Gebäude nicht unähnlich. Unser Führer machte uns auf diesen weißen Punkt aufmerksam, es war das Wahrzeichen Molopolole's, die Residenz Seschele's. Der Weg zu der am Abhange eines Höhenzuges erbauten Stadt führte uns durch ein Kesselthal, dessen Sohle von dürftigen und schlechtgepflegten Feldern eingenommen wurde.
Abends fuhren wir bis zu einem in der Mitte des Kessels sich ausbreitenden, von einer Bachschlucht durchschnitten Rasenplatz, in dessen Nähe drei Eingebornendörfer gruppenweise je an dem Fuße einer Höhe lagen und schlugen hier unser Lager auf. Gegen Osten blickend sahen wir in der Entfernung von circa 300 Schritt den Höhenrücken mit Seschele's Villa, die einige hundert Fuß hoch über dem Bette des Baches und dem südlichen Ende einer auf den Höhenrücken sich nach Norden windenden seichten Thalvertiefung, erbaut war. Diese Villa, der sieh die Gebäude des königlichen Haushaltes und die Kotla (der umzäunte Berathungsplatz der conservativen Bakwena's) wie die Gebäude der hier zeitweilig wohnenden Händler anschlossen, lag unter dem Schutze eines kleinen Felsenhügels. Unten am Rande des Thalkessels und am Fuße dieser Höhe lag ein anderer Theil Molopolole's (ein Eingebornendorf). Ein dritter Theil liegt am Fuße des isolirten südlichen Höhenrückens, der von den östlichen und von der lagen nördlichen, von Westen nach Osten sich ziehenden Höhenmasse durch eine lange Felsenenge, das von den Eingebogen Kobuque genannte Felsenthor, geschieden war. Auch am Fuße der eben erwähnten nördlichen Kette liegt ein Stadttheil neben einem in Ruinen verfallenen, doch nicht mehr im Thalkessel, sondern außerhalb desselben, an die nach der offenen Südsüdwestseite hin sich ausbreitenden Felder angrenzend. Eine zweite Schlucht, deren felsenthorartige Mündung Molopolole genannt ist und der Stadt den Namen gab, führt in nördlicher Richtung aus dem Thalkessel; durch sie tritt der Bach aus dem Bakwena-Höhennetze in den Kessel. Unter der Mündung dieser Schlucht im Thalkessel liegen die Gebäude der Missionäre und die Schule, während die Kirche oben auf dem Höhenrücken im oberen Stadttheile zu Anfang einer zum Thalkessel führenden Schlucht erbaut ist.
XI.
Von Molopolole nach Schoschong
Malerische Lage der Stadt.—Rev. Price und Williams.—Die Kotla.—Ausflug in die Molopolole-Schlucht.—Ein Festtag für Molopolole.—Millionärs-Laufbahn in Süd-Afrika.—Empfang bei Seschele.—Die Bakwena's.—Geschichte des Bakwena-Reiches.—Königin Ma-sebele und Kronprinz Sebele.—Molopolole's Umgebung.—Sitten und Gebräuche der Betschuana's.—Religiöse Vorstellungen derselben.—Naka's, Linjaka's und Moloi.—Heilmethode und Heilmittel derselben.—Beschwörung Khama's.—Regenmacher.—Aufbruch von Molopolole.—Ein dornenvoller Marsch.—Eingeborne Postboten.—Wassernoth.—In Lebensgefahr.—Barwa's und Masarwa's.—Abergläubische Gebräuche dieses Sclavenstammes der Betschuana's.—Ihre Jagdlist.—Neujahrsfeier in der Wildniß.—Im Bakwenalande verirrt.—Von Masarwa's gerettet.—Ein merkwürdiger Fund.—Begegnung mit Leoparden.—Ein besorgter Vater.—Einzug in Schoschong.