[Termitenhügel.]

Unstreitig bietet Molopolole von dem Thalkessel aus gesehen den interessantesten Anblick und die schönste Scenerie unter allen Betschuanastädten dar. Aus dem kleinen, grün begrasten Thalkessel, in dem wir stehen, erblicken wir um uns die meist in ihren oberen Partien oder bis zur Hälfte perpendiculär abfallenden, oder bis an ihren Fuß von Blöcken gebildeten, zwischen diesen aber und an den minder abschüssigen Abhängen dichtbebuschten, hie und da mit einer riesigen Aloëspecies gezierten Felsenhöhen. Zu unserer Rechten die von Norden kommende Schlucht mit der überaus interessanten Felsenformation des überhängenden Molopololefelsens und zwischen uns und dieser Schluchtmündung hohe Laubbäume, die Gebäude der Missionäre und ihre Gärtchen mit dem tropischen Pflanzenwuchse der Bananen und des Zuckerrohres geschmückt. Vor uns, am Fuße der östlichen steilen, und rechts von uns an dem der westlichen bewaldeten Höhe je ein Eingebornendorf, in dem letzteren die umfangreichen Gehöfte der Handelsfirma Taylor, nächst Francis und Clark die bedeutendste in den Betschuanaländern, und zwischen den beiden dringt der Blick durch das nach Süden führende Felsenthor, die Kobuque—und über dem Dorfe vor uns endlich nach Osten zu—hoch oben der von den Besten des Stammes bewohnte Stadttheil mit den königlichen Gehöften. Wenden wir uns nach Norden und Westen, so sehen wir den nördlichen Stadttheil am Fuße der nördlichen Höhenkette und außerhalb des Thalkessels die röthlichen Ruinen einer verlassenen Eingebornenstadt und die breite Ebene, von dem dunklen Grün des eben durchreisten, tiefsandigen Waldes nach Süden und Südwesten begrenzt. Was uns noch bei dieser Betrachtung auffällt, sind einige am Fuße der letztgenannten Höhen wie am Uferrande des Bächleins stehende Riesenbauten der Termiten.[[1]]

[1] Der eine war 9½ Fuß hoch (die Hauptpyramide) und hatte (mit den Nebenpyramiden) 40 Fuß Peripherie.

An Molopolole haben wir die Schönheit der Naturscenerie zu bewundern, ohne daß der Fleiß seiner dunklen Bewohner durch Anpflanzungen oder hervorragende Form im Baustyle seiner Hütten etwas dazu beigetragen hätte, nur die Anlage der Stadt an der von der Natur aus befestigten Stelle spricht zu Gunsten ihres Königs. Der gegenwärtige König Seschele, dem schon Livingstone einige Capitel seines Buches (»Missionary Travels«) widmet, und von dem ich noch ausführlicher zu reden haben werde, wohnte mit seinem Stamme, den Bakwena, der durch innere Reibungen und Kriege mit den umwohnenden Stämmen bedeutend herabgeschmolzen war, südöstlich von Molopolole, nahe da, wo wir jetzt die Stadt der Manupi finden. Ruinen bezeichnen noch die Stelle wo er gehaust; diese seine erste, gegen die Transvaal-Grenze zu gelegene Residenz hieß Kolobeng. Hier wurde er im Jahre 1842 von dem Nestor der Afrika-Reisenden besucht.

Aus Kolobeng wurde Seschele von den Boers vertrieben und siedelte sich dann in Liteyane, 10 englische Meilen westlich von Molopolole an. Seit 1865 residirt er in Molopolole, wo sich schon früher eine Niederlassung im Thalkessel befand und wohin auch Pilani aus der Mosupa-Stadt übersiedelte. Das Gebiet Seschele's, das nördlichste der vier erwähnten Betschuanareiche, grenzt nach Westen an das große Namaqualand, im Norden an das der westlichen oder N'Gami-Bamangwato's oder der Batowana's und an das der östlichen oder Schoschong-Bamangwato's, im Osten mit dem Limpopo und Marico an die Transvaal-Colonie und im Süden an das Land der Banquaketse. Die Südgrenze verläuft unter 24° 10' s. Breite von Koluany, an Kolobeng vorbei in südöstlicher Richtung zu den Dwarsbergen bis zum großen Marico. Die nördliche Grenze gegen die zwei Bamangwato-Reiche liegt unter 23° 30' s. Breite und folgt zum Theile dem Sirorume-River. Die Zahl der eigentlichen Unterthanen Seschele's schätze ich auf 32-35.000 und jene der im Lande wohnenden, allein keinen Tribut an Seschele zahlenden Batloka, Bakhatla und Makhosi auf 18-20.000, während ich die Kopfzahl der das ganze Banquaketseland bewohnenden Stämme auf 28-30.000, die eigentlichen Unterthanen im Lande Montsua's, des Königs der Barolongen auf 33-35.000 und jene in seinem Lande südlich vom Molapo gegen die Batlapinen zu wohnenden, allein ihm nicht Tribut zahlenden kleinen Barolongenstämme in der Umgebung gewisser Städte, wie Marokana etc. auf 30.000 veranschlagen möchte. Mankuruane, der Batlapinenkönig hat über 30.000 unter seinem Scepter, während sich in dem kleinen Mamusa-Königreiche kaum 8000 finden dürften, obwohl die Stadt Mamusa allein vor einigen Jahrzehnten an 10.000 Bewohner in ihrem Weichbilde beherbergt hatte.

Als wir am 21. Abends auf dem Rasenplatze in dem Molopololekessel lagerten, näherten sich uns ein ärmlich gekleideter Holländer, der hier Schmiedarbeiten versah, und zwei Eingeborne, welche uns Weideplätze für die Zugthiere anwiesen. Bald adarauf erschienen die beiden Missionäre Price und Williams und hießen mich willkommen. Der letztere ist seitdem nach Europa zurückgekehrt, während Rev. Price von seiner Gesellschaft nach Central-Afrika beordert wurde. Durch seine zweite Verehelichung mit Miß Moffat ist er mit Livingstone verschwägert.

Am folgenden Morgen unternahm ich einen Ausflug zu der nach Westen gelegenen Ruinenstadt und einen zweiten in die mit dem Molopolole-Thor in den Thalkessel mündende Schlucht aufwärts. In der Ruinenstadt fielen mir die gewölbten, aus Schilfrohr und Ruthen errichteten und cementirten Doppelbauten auf, wie ich sie in Mosilili's Stadt am Mosupaflusse beobachtet habe.

Türkische Feigen und die bekannte südafrikanische violettblühende Datura gediehen auf diesem Platze vorzüglich.