Unter den bewohnten Hütten der Baknena oder Bakwena fielen mir namentlich zwei Merkmale auf, durch welche sich dieselben von jenen der Barolongen und Batlapinen etc. unterscheiden. Sie waren im Allgemeinen weniger fest gearbeitet und konnten sich mit denen der Barolongenhütten etc. nicht messen, doch zeigten die meisten aus Thon gearbeitete Umzäunungen, die wir z.B. bei den östlichen Batlapinen nur noch an dem Feuerherde, bei den südlichen und westlichen gar nicht vorfinden. In den Dörfern fand ich frei zwischen den Gehöften stehende Berathungshäuschen, d.h. ein kegelförmiges, auf 20 und mehr Pfählen ruhendes Strohdach, die Oeffnungen zwischen den einzelnen Pfählen waren bis auf die Eingangsstelle mit einer solid gearbeiteten Rohrwand bis zur halben Höhe der Pfähle geschlossen und diese Wand mit einfachen Ockermalereien verziert.

Mein Ausflug die Molopolole-Schlucht aufwärts, an den Gebäuden der Missionäre vorbei, war recht lohnend. Ich schoß in dem Gewässer, das jedoch noch im Bereiche der Stadt versiegt, mehrere Fische und fing mit der Angel am Felsenthore sieben Welse. Der linke Flügel des Felsenthores wird durch einen perpendiculären, man könnte beinahe sagen, in seinen oberen Partien etwas überhängenden Felsen gebildet, unter welchen sich eine tiefe Stelle findet, die durch theils natürliche, theils künstliche Abdämmung stets gefüllt ist und den Fischen auch in trockenen Jahren eine sichere Zufluchtsstätte bietet; diese würden sich auch in den oberhalb in der Schlucht befindlichen Tümpeln bedeutend vermehren, wenn die letzteren ob ihres geringen Umfanges nicht so leicht von den Fischottern und Leguanen heimgesucht wären.

Mit nicht geringem Erstaunen und zugleich mit Unwillen, hörte ich von einer Elephantenjagd, die sich einige Monate zuvor mitten in der Stadt zugetragen. Der letzte Winter (die Zeit des europäischen Sommers) war im Lande der Bakwena's ungemein trocken. Von allen Seiten brachten die Barwa's und Makalahari Wildfleisch und Felle zu ihren Herren nach Molopolole, denn das abgemattete und durstende Wild ließ sich mühelos erlegen. Die Regentümpel, die Quellen (die Flußbette waren längst ausgetrocknet) trockneten aus, so daß man die Heerden bis an den unteren Marico und Limpopo zur Weide führen mußte. In Molopolole selbst war der Bach beinahe vollkommen versiegt und die Frauen mußten stundenlang warten, bevor sie ihre Töpfe füllen konnten. Die halbverdursteten Thiere, Eland-Antilopen, Giraffen, Säbel-Antilopen, gestreifte Gnu's, nebst einer Unzahl Gazellen und kleiner Antilopen schleppten sich zu den wenigen übrig gebliebenen Wasserstellen, um hier in den Tod zu laufen, denn diese waren von Jägern umstellt.

Zu dieser Zeit—im Monate Juni—erscholl eines Tages ein Geschrei von Hütte zu Hütte, von Dorf zu Dorf im Thale sich verbreitend und auf die Hohen dringend, ein Geschrei, das die Händler und Missionäre für Kriegsgeschrei hielten; als sie bestürzt nach der Ursache desselben forschten, sahen sie mitten im Thalkessel eine zehn Stück zählende, laut brüllende, nach den Quellen sich Bahn brechende Elephantenheerde vor sich. Weiße und Schwarze, alles was nur ein Kugelgewehr hatte, sprang herbei und die Metzelei begann.

Für Molopolole war dies der größte Tag seitdem es zur Residenz des Königs Seschele auserkoren war. Das Auge des Bakwena, der an der Jagd, recte Metzelei, Theil genommen, glüht und er lacht und gesticulirt laut, wenn er von dem Ereignisse spricht, das sich auch bis in die Köpfe der Greise und der Frauen, selbst die ihrer Kinder eingeschlichen hat, wer von ihnen hätte auch jener glorreichen Festtage vergeben können, an denen man einige Tage hindurch an Fleisch ñama (njama) Ueberfluß hatte. Diese in Molopolole getödteten Elephanten gehörten sämmtlich (wie ich später von den Boers erfuhr) der größten, doch die kleinsten Zähne tragenden Varietät des afrikanischen Elephanten an, die Zulah oder Hohlkopf genannt wird.

Von den beiden Predigern eingeladen, besuchte ich sie und fand, daß Rev. Price geschmackvoll eingerichtet jeder Bequemlichkeit sich rühmen konnte. Er hatte aber auch hart arbeiten müssen, bevor er es so weit gebracht. Er war einer der beiden Missionäre, welche die Mission im Lande der Makololo, d.i. in dem von ihnen mit Waffengewalt eingenommenen Gebiete zu errichten bestimmt worden waren und die Arbeit auch in Angriff genommen hatten, allein durch Mißerfolge entmuthigt, endlich aufgeben mußten. Rev. Price und Helmore erreichten die Stadt Linyanti am nördlichen Tschobe im Februar 1860 nach einer siebenmonatlichen Reise von Kuruman und wurden von dem Makololokönige Sekeletu freundlich aufgenommen, doch schon nach 14 Tagen waren beinahe Alle am Fieber erkrankt. Zuerst starb Malatsi, einer der Betschuana-Wagenführer—alle central-südafrikanischen Betschuana's mit Ausnahme der Batowana's vom N'Gami-See und der Makoba's am Zuga-River werden in Malaria-Gegenden vom Fieber decimirt—acht Tage später, als Rev. Price, der sich noch auf den Füßen erhielt, den Kranken die letzte Wegzehrung reichte und Einer nach dem Andern mit dem Tode abging, fand er das kleinste der vier neben Frau Helmore liegenden kranken Kinder kalt und leblos. Der Mutter, die bewußtlos am Fieber dalag, wurde so das Leid erspart, das erste Opfer unter den Ihrigen zu sehen; am 9. März starb der Säugling, dem Frau Price das Leben gegeben. Am 11. schied Selma Helmore aus dem Kreise der Niedergeworfenen und am nächsten Tage folgte ihre Mutter, den Folgen des schrecklichen Uebels erliegend. Selbst die Schwarzen wissen nur Gutes von dieser edlen Frau zu berichten, welche die Wildniß und das giftige Klima nicht gescheut, um dem Manne zu folgen, und mit ihm das Los seines Berufes zu theilen, unter einem wilden, kriegerischen Volksstamm das Wort Gottes zu verbreiten.

Auf der Reise gegen den Tschobe, auf welcher die Reisenden mehr als einmal vor Durst beinahe umgekommen wären, hatte sie oft ein seltenes, aufopferndes Beispiel ihrer Mutterliebe gegeben, um ihre Kinder vor dem Tode des Verdurstens zu retten und nun, in ihre neue Heimat gekommen, war ihrem, einem der edelsten Leben, in wenigen Tagen Halt geboten worden. Doch selbst in ihren Delirien—zu einem Skelett abgemagert und mit entstellten Gesichtszügen—hatte ihre innige Mutterliebe ihr momentan die überstandenen Sorgen in's Gedächtniß zurückgebracht, denn oft murmelten die in Fieberhitze glühenden Lippen, daß ihrem »Henri« (dem ersten Opfer in ihrer Familie) dürste und baten, man möge den ihr zukommenden Löffel voll des rettenden Elementes dem Kinde reichen. Nach dem Tode der Frau besserte sich für kurze Zeit der Zustand der übrigen, verschlechterte sich jedoch wieder im April und am 21. erlag Helmore dem Fieber, nachdem schon am 11. und 19. März Tabe (sprich Teb) und Setloke, zwei Betschuana's (Batlapinen), gestorben waren.

In dieser schweren Zeit wurde außerdem einer der Diener mit Namen Mahuse Verräther an den übrig gebliebenen. Den Zustand derselben wohl einsehend, fand er sich täglich am Hofe des Sekeletu ein und brachte ihn endlich zu der Ueberzeugung, daß alles, was dem Herrn Helmore gehöre, nur ihm, dem Könige, zufallen müsse. Daß diese und ähnliche Worte unter dem wilden Makololostamme und von Seite seines Königs williges Gehör fanden, wird man leicht begreifen. Die Makololo stahlen und nahmen was sie wollten und als Herr Price Linyanti verlassen wollte, da kam Sekeletu, nahm ihm außer einigen wenigen Kleidungsstücken alles ab und ließ ihn nur mit dem leeren Wagen von dannen ziehen. Bei dem später erfolgten Besuche Livingstone's trachtete er seine Infamie auf jede Weise zu beschönigen, doch sein unruhiger Geist ließ ihm keine Rast, bis er freiwillig einem in die Tschobe-Gegenden auf die Elephantenjagd ausgehenden Banquaketse, mit Namen Sebehwe, ein volles Geständniß seines schurkischen Betragens abgelegt hatte.

Auf seiner Reise von Linyanti nach dem Süden verlor auch Rev. Price sein treues Weib in den Ebenen des östlichen Mahabi; sie starb am 5. Juli und wurde von ihrem Gemal unter dem einzigen auf der weiten Grasfläche sichtbaren Baum beerdigt. Er reiste langsam mit den beiden Waisen des Herrn Helmore weiter gegen den N'Gami-See und wurde, hier endlich angekommen, von dem Könige der westlichen Bamangwato's Letschulatebe, freundlich aufgenommen und behandelt und traf einige Tage später meinen geliebten Freund, Rev. Mackenzie, der auf dem Wege nach Linyanti begriffen war, um der Mission Proviant etc. zuzuführen.