Sein Stamm, die Bakwena's, leiten ihren Namen von Ba (oder Ma) und Kuena (Kwena) her, d.h. »die Menschen des Crocodils, oder die Menschen, die den Tanz des Crocodils tanzen,« also Menschen, die, ohne das Crocodil zu vergöttern, ihm eine gewisse Achtung zollen.[[1]]

[1] In dieser Weise finden wir auch die übrigen Betschuanastämme benannt, d.h. mit Namen, die sie sich selbst gegeben, nachdem sie das centrale Süd-Afrika eingenommen und sich dann in die verschiedenen Stämme getheilt hatten. So bedeutet der Name der Batlapinen eigentlich die Ba-Tlapi, d.h. »die den Fische geweihten«. Bakhatla (Ba-Khatla), die den Affen Geweihten; Batau = Ba-Tau (Taung), dei dem Löwen Ergebenen: Makhosi oder Makosi = Ma-Khoschi, Menschen, die einen Herrn (Häuptling), Banoga = Ba-noga (oder nocha), die eine Schlange etc. verehren.

Die Bakwena waren noch vor vierzig Jahren, nachdem sie sich bereits von den Banquaketse getrennt und selbst nachdem ein Theil derselben nach Norden auswanderte und sich näher an die Bamangwato ansiedelte, ein reicher Stamm, der sich meist von der Jagd und Viehzucht nährte. Der schwächere Theil zog nach dem Ngami-See ab, wo er zwar anfangs durch Fieber arg litt, der Rest aber sich nach und nach acclimatisirte und über die daselbst wohnenden Stämme die Oberhand gewinnend, mit ihnen ganz verschmolz. Die zahllosen am Notuany, am westlichen Marico-Ufer und den westlichen Nebenflüssen des letzteren weidenden Heerden bildeten den Reichthum des Stammes.

Mochoasele, Seschele's Vater, machte sich eines Verbrechens à la Morena David schuldig, in Folge dessen er ermordet wurde und die unzufriedenen Häuptlinge eine andere Herrscherfamilie zu wählen beschlossen. Es geschah um die Zeit als Sebituane, von dem Stamme der Basuto's, mit seinen kriegerischen Makololo die Masse der Betschuana's durchbrechend, nach Norden zog, um sich jener Striche, von denen er vernommen, daß sie sich eines ewigen Frühlings erfreuen, d.h. der Gegenden am Tschobe und Zambesi zu bemächtigen. Die Freunde des getöteten Mochoasele sandten heimlich Boten zu Sebituane und baten ihn, dem jungen Seschele zu seinem Rechte zu verhelfen. Sebituane entsprach auch ihrem Wunsche und sicherte dem Sohne des getöteten Fürsten die Herrschaft über die Bakwena's. Diese Verfügung, sowie die neuerliche Loslösung einzelner Abtheilungen vom Hauptstamme, welche nach Nordost, Süden und Südost auswanderten, schwächte die Bakwena's an Zahl und Macht und verminderte ihre Wohlhabenheit. Auf Livingstone's Anrathen, der im Jahre 1842 Seschele zum ersten Male besuchte und ihm den ersten Begriff eines rationell betriebenen Ackerbaues, wenn auch in einfachster Form, beibrachte, wechselte der junge Herrscher seinen Wohnsitz und ließ sich 20 geographische Meilen entfernt am Kolobengflüßchen nieder; so entstand seine erste und eigentliche Residenz Kolobeng.

Der Ackerbau schien den Bakwena's Segen zu bringen und der Stamm erholte sich sichtlich; trotz einiger Dürre-Perioden war der Stamm derart erstarkt, daß er den anwohnenden Holländern, die, wie es ihr Vorgehen mit Mankuruan, Montsua und Chatsitsive beweist, ihre Grenzlinien nach Westen ausdehnen wollten, allzu mächtig zu werden schien und sie ihn »kleen« zu machen beschlossen. Sie beschuldigten die Bakwena's, daß sie Diebstähle an ihren Farmen begangen und drangen auf Züchtigung derselben. Mochte nun auch der Vorwurf des Viehdiebstahls gerechtfertigt sein, das Vorgehen der holländischen Boer's, welche im Jahre 1852 Kolobeng überfielen und verbrannten, alles Vieh, dessen sie habhaft werden konnten, raubten und zahlreiche Gefangene mitschleppten, läßt sich in keiner Weise entschuldigen, es bleibt ein willkürlicher Gewaltact. Nach der Zerstörung Kolobeng's erstand Liteyane und später Molopolole.

Seschele wurde in seiner Jugendzeit Christ, als er aber bemerkte, daß die Mehrzahl seines Stammes am Heidenthume hielt, sein Bruder Khosilintschi von dem Volke sehr geachtet wurde und durch seine (Seschele's) Bekehrung die von ihm aufgegebenen heidnischen Gebräuche, deren Leitung dem jeweiligen König zufielen und mit dem Genuß der ersten Feldfrüchte und der Regenmacherei etc. verbunden waren, nunmehr von seinem Bruder geleitet und vollstreckt wurden und dieser in der Gunst der Volkes stieg, entschloß sich Seschele, wohl bis zu einem gewissen Punkte, so z.B. den Besuch der Kirche, der Taufe seiner Kinder u.s.w. Christ zu bleiben, sonst aber, soweit dies mit seiner Macht als Herrscher zusammenhing, die heidnischen Gebräuche auszuüben und theilweise auch zu leiten. Die kleine, junge, christliche Gemeinde unter den Bakwena's sah darin nichts Arges, betrachteten das Singen, Kirchengehen und die Monogamie als die Hauptpflichten eines Christen, während die mächtige Partei der Regenbeschwörer, id est Heiden, froh war, den König den alten herkömmlichen Landesgebräuchen treu zu sehen.

Noch einige Züge aus seinem Leben, um seine Geschichte abzurunden und dann, lieber Leser, wollen wir sein jetziges »Schlößchen« auf den Bakwenahöhen betreten. Im Jahre 1864 sandte Seschele einige Hundert seiner Leute aus, um Sekhomo, den damaligen König der Bamangwato, anzugreifen. Doch die Makalahari-Vasallen berichteten diesem rechtzeitig die Annäherung der Bakwena's und diese wurden im Thale des Schoschon-Rivers, vor der Stadt Sekhomo's, geschlagen. Diese Truppe wurde von Khosilintschi angeführt. Seschele entschuldigte sich, daß er den Raubzug auf Anrathen Matscheng's, des früheren, nun flüchtigen und bei ihm wohnenden Bamangwatokönigs angeordnet hatte. Einer weiteren Schandthat machte sich Seschele durch die Ermordung Tschukuru's im April 1866, des Schwiegervaters des gegenwärtigen Königs der Bamangwato, Khama (Sekhomo's Sohn), schuldig. Bei einem der schändlichen Versuche, seine beiden vom Volke geliebten Söhne Khama und Khamane zu tödten, wobei diese sich flüchten mußten, sich später aber auf Gnade ergaben, wollte Sekhomo den Anhängern seiner Söhne gegenüber nicht gleiche Gnade walten lassen, weshalb diese, darunter auch Tschukuru, auf Seschele's Einladung hin, Zuflucht bei diesem nahmen. Sie kannten zwar Seschele nicht, allein weil ihnen ein Sohn Seschele's (ein Getaufter) mitgegeben war, ließen sie sich doch überreden, nach Molopolole zu wandern. In der ersten Nacht wurde Tschukuru unter dem Vorhaben aufgeweckt, daß ihn des Königs Bruder zu sehen wünsche und als er unvorsichtiger Weise dem Boten folgte, im Walde von Bewaffneten niedergestoßen. Seschele hatte dies angeordnet, weil sich Tschukuru im Kampfe gegen die Schoschong angreifenden Bakwena hervorgethan und dann auch, um Sekhomo, der den alten Mann haßte, einen Gefallen zu erweisen. Als Sekhomo durch den vertriebenen und zu Seschele geflüchteten Mascheng verdrängt wurde und selbst bei Seschele Zuflucht nahm, half dieser mit seinen Leuten den Söhnen Sekhomo's, Mascheng, seinen früheren Schützling, zu vertreiben.

In den folgenden erneuten Kämpfen zwischen Sekhomo und seinem Sohne Khama bot er beiden seine Hilfe zugleich, gegen eine Summe von 2000 £ St. in Straußenfedern und Elfenbein. Eine seiner letzten Ehrenthaten war das von ihm erlassene Gesetz, womit er einigen holländischen Jägern gegen schweres Geld Erlaubniß gab, durch sein Land zu ziehen und in dessen nordwestlichem Theile zu jagen, dabei aber den Makalahari, welche die Jagdgebiete bewohnten, sowie den Führern der Jäger verbot, diesen die Wasserstellen zu zeigen. Die von den Bakwena's unter Führung seiner Söhne im Jahre 1876 an den Bakhatla's verübten Grausamkeiten sind noch in frischer Erinnerung.—

Bei unserem Eintritt in den Hof des königlichen Hauses wurden wir von der sich erhebenden Königin, einer großen starken Frau, die ein nach hinten zusammengebundenes Kopftuch, so wie ein großes, wollenes Umschlagtuch und ein Cattunkleid trug, bewillkommnet und in's Haus geführt. Des Königs voller Titel ist »Seschele M'Kwase Morena ea Bakwena.«[[1]]

[1] Unter den centralen Betschuana's ändert der Vater seinen Namen wenn seine Familie mit mehreren Söhnen bedacht ist und diese im Aufwachsen begriffen sind, indem er den Namen des ältesten Sohnes annimmt, z.B. heißt der Häuptling der östlichen Bakhatla gegenwärtig Ra-Piti, d.h. der Vater (Ra) des Piti (sein ältester Sohn), während die Mutter den des jüngsten Sohnes annimmt, so heißt die Königin oder Seschele's Frau, Ma-sebele, d.h. (Ma oder M') Mutter des Sebele.