Die freie Zeit meines Aufenthaltes in Molopolole benützte ich zu Ausflügen in die nächste Umgebung, auf welchen meine Sammlungen um manches interessante Object vermehrt wurden. Theils erstand ich, theils erhielt ich als Geschenk: einige Carossen, einige sehr primitiv gearbeitete Assagaie, d.h. Wurfspieße, deren Schaft kurz und fingerdick, deren Eisen stumpf und äußerst schlecht gearbeitet, deren oberes Schaftende mit Sehnen umflochten, oder mit einigen Stückchen einer im nassen Zustande umgelegten und zusammengenähten Boahaut zusammengehalten war, ferner Schlachtbeile, welche in dem ¾ Meter langen, hölzernen Stiel lose befestigt, unseren Hackbrettmessern nicht unähnlich sind, ferner einige gut gearbeitete Holztöpfe und einige Beschwörungsmittel, eines aus Rüsselkäfern, zwei aus Samen und eines aus Vogelklauen, Haut- und Hornstücken gearbeitet. Herr Williams verehrte mir einen aus Boababrinde (Andansonia) gearbeiteten Reissack, den er von den von einem Raubzuge aus dem Maschonalande heimkehrenden Matabele erhalten hatte.

Meine zoologischen Sammlungen vermehrten sich um einen schönen Orix capensis-Kopf mit langen Hörnern, ein Leopardenfell und eines von Gueparda jubata, einige Hyraxfelle, ferner eines von Viverra Zivetia, welches jedoch selten zu sein scheint, und mehrere von Felis caligata. Herr Williams brachte mir den Cadaver eines dreijährigen Kamafuchses, das Thier hatte sich früher schon in einem Schlageisen gefangen, war jedoch nach Zurücklassung des einen Hinterfußes davongekommen, nun hatte es sich zum zweiten Male täuschen lassen und diesmal sein Leben verwirkt. Die Bakwenahöhen beherbergen auch den schönen Klippspringer; im Lande der Bakwena's, nördlich von Molopolole begegnen wir endlich zum ersten Male der Eland-(Elen-)Antilope und der Giraffe.

Unter den Vögeln fiel mir die Häufigkeit mittelgroßer Raubvögel auf, namentlich Sperber, Falken, Bussarde und Milane; von letzteren hatte Herr Williams mehrere erlegt, da sie die Küchlein seiner Frau Gemahlin decimirten. Sonst fielen mir durch ihre Häufigkeit Eulen, Uhu's, Schleiereulen und Zwergkäuze auf, welche in den Felshängen ihre Wohnsitze aufgeschlagen hatten. In den Felsenritzen und unter den vielen Felsblöcken herrscht ein reges Thierleben—Säugethiere, namentlich Raubthiere in großer Zahl, dann Reptilien, besonders Schlangen und Eidechsen finden hier die besten Schlupfwinkel; an die reiche und üppige Pflanzenwelt, die an den Abhängen vermodernden Baumstümpfe ist die Existenz zahlloser Insecten, darunter Lepidoptera, Fliegen etc. gebunden. Meine Ausbeute an Käfern, Spinnenarten und Scolopender war eine sehr reiche; für einen Naturforscher ist überhaupt der Aufenthalt in dem Bakwena-Höhennetze in jeder Beziehung ein äußerst lohnender.

Wir finden auch hier wie an den Bamangwato- und anderen auf dem Hochplateau des zentralen Süd-Afrika gruppenförmig ansteigenden, felsigen, mit dem Marico- oder Matabele-Gebirgscentrum zusammenhängenden Höhen, den steilen, zerklüfteten Abfall der Tafelberge oder tafelförmige, mit kegelförmigen, isolirten Höhenspitzen besäete Hochflächen. Dieses Gesammthöhennetz geht allmälig nach Norden in eine bewaldete und meist tiefsandige Hochebene über, um sich dann wieder ebenso allmälig in einer Ausdehnung von 30 bis über 100 englische Meilen zu einem seicht eingeschnittenen Flußbette zu verflachen, auf dessen gegenüber liegendem Ufer ein ähnlich beschaffenes Höhennetz, wie das eben beschriebene sich fortsetzt. Granit, Quarzitschiefer, Trapdykes, Kalkadern und eisenhaltiger, sandiger Thon bilden die Hauptformation der Höhen, deren Vegetation durch mehrere riesige Aloëspecies charakterisirt wird, welche förmliche Gehölze bilden.

Bevor wir von Molopolole scheiden, sei es mir erlaubt, hier einige der wichtigen religiösen und lokalen Gebräuche unter den Betschuana's zu erwähnen. Ich verdanke die folgenden Mitteilungen der Güte der englischen Missionäre Herren S. Mackenzie, Hephrun, Price, Williams, Brown und Webb und des deutschen Missionärs T. Jensen, ferner einigen der hervorragendsten Trader und einigen gebildeteren holländisch und englisch redenden Betschuana's und fand dieselben aus eigener Anschauung während meiner drei in's Innere unternommenen Reisen betätigt.

Religion im eigentlichen Sinne des Wortes besitzen die Betschuana's, d.h. die das centrale Süd-Afrika bewohnenden Stämme dieser Völkerfamilie nicht, doch kennen wir aus dem Umstande, daß sie bei den ersten Belehrungen über das Christenthum dem unsichtbaren Gott sofort den Namen Morimo beilegten, ohne daß das Wort eine anderweitige Verwendung fände, schließen, daß sie in längstvergangener Zeit einem sichtbaren oder unsichtbaren Wesen göttliche Verehrung gezollt haben mußten. So hat sich denn das Wort Morimo bei ihnen traditionell erhalten. Das nächstverwandte Wort zu Morimo ist Barimo, welchen Ausdruck die Betschuana's noch immer häufig gebrauchen und der »die Geister der Abgestorbenen« bezeichnet. Trotzdem sie also keine eigentliche Religion besitzen, hängt doch die Masse an vielen Gebräuchen, welche bei anderen Völkern, die Vielgötterei treiben, als religiöse Gebräuche angesehen werden, z.B. eine gewisse Verehrung, die sie, wie schon erwähnt, gewissen Thieren zollen, dieselbe ist jedoch nur darauf beschränkt, daß sie das Thier nicht tödten, sein Fleisch nicht genießen und sein Fell nicht gebrauchen. So finden wir auch, daß diese Gebräuche von bestimmten, dazu herangebildeten Personen gelehrt und ausgeübt werden, welche den König, oder ist der König ein Christ geworden, einen ihm an Würde zunächststehenden Heiden als ihr Oberhaupt anerkennen und auf diese Weise die Kaste der Priester und des Oberpriesters repräsentiren, welche unter den Betschuana's Naka (Njaka, Njaga) heißen. Als die Betschuana's ein wohl in mehrere Unter-Familien getheiltes, doch noch unter einem Scepter vereinigtes Volk und Reich darstellten, war das Königthum in der Familie Baharutse erblich. Selbst als sich später die Betschuana's theilten, der eine Stamm (eine Abzweigung, Unter-Familie) etc. nach Norden, die anderen nach Süden, Osten, Südost und Südwest zogen und selbstständige kleinere und größere Königreiche errichteten, die alte königliche Familie von den meisten ihrer Unterthanen verlassen auf die Unter-Familie, aus der sie entsprang, beschränkt, und machtlos geworden war, blieb ihr doch das Vorrecht jene abergläubischen, dem Hohenpriesteramte unter den Betschuana's zukommenden Gebräuche zu verrichten, und Mitglieder königlicher Familien, sowie Naka's aus den neuerstandenen Betschuana-Reichen wanderten an den Hof der Baharutse (Bahurutse) um von dem jeweiligen Oberhaupte diese Gebräuche verrichten zu sehen. Seitdem jedoch einzelne der losgetrennten Stammzweige der Betschuana's eigene, ziemlich mächtige Reiche errichteten und einige der Chefs oder Könige Christen geworden sind, hat dies beinahe völlig aufgehört, trotzdem aber wird von allen Betschuana's mit höchster Verehrung von der alten königlichen Familie gesprochen, welche seitdem durch des Geschickes Walten ihre Macht durch eine abermalige Theilung ihrer Mitglieder und der daraus folgenden Zersplitterung ihres Stammes völlig eingebüßt hat und gegenwärtig als Unterthanen der Transvaal-Colonie in und im Weichbilde der Stadt Linokana (früher zur Lebzeit des Häuptlings Moilo nebenbei Moilio oder Moiloa genannt) und als Unterthanen des Königs der Banquaketsen, Chatsitsive, die Stadt Moschaneng bewohnt. Der gegenwärtige Häuptling der ersteren (der östlichen Baharutse) und somit das eigentliche Oberhaupt der Betschuana's ist Kopani, ein noch junger Mann.

[Regenbeschwörer.]

Zu jenen Gebräuchen, die in den einzelnen Betschuana-Reichen von dem Oberhaupte des Landes oder wo verschiedene Stämme ein Reich bewohnen von den diesen vorgehenden Häuptlingen angeordnet werden, gehört vor Allem der ceremonielle Genuß der ersten geweihten Feldfrüchte (meist Kürbisse), ferner die Ausübung der Heilkunde, das Regenmachen und das Bezaubern. Dem Stammes-Oberhaupte als obersten Doctor, Zauberer etc. stehen bei der Ausübung der Zeremonien mit Ausnahme der ersten obgenannten, die er nur allein verrichten kann, die Linjaka's (Priester), die man jedoch auch Naka (Njaka) nennt, zur Seite (wir wollen sie aber der Unterscheidung und ihrer untergeordneten Stellung halber Linjaka's nennen), welche die übrigen Zeremonien der Zauberei und der Regenmacherei verrichten und damit auch einige primitive Kenntnisse der Heilkräuter verbinden.