Als Heilkünstler erkennt man sie in der Oeffentlichkeit an einem aus Pavianfell (Cynocephalus Babuin) verfertigten Mäntelchen, und in ihren Wohnungen an den aus dem Felle der Hynena crocaia (maenlaia) gearbeiteten Fußdecken (Teppichen), auf denen sie Audienzen ertheilen. Manche tragen auch um den Hals an Schnüren oder Riemchen verschiedene Säugethier-, Vögel- und Reptilienknochen, doch immer auch vier meist aus Elfenbein, zuweilen aus Horn geschnitzte, mit eingebrannten Zeichnungen versehene Stäbchen und Pflöckchen, welche Würfel darstellen und zur Diagnose benutzt werden. Diese letzteren werden auch von Menschen getragen, welche gegen Bezahlung des Lehrgeldes blos in dem Werfen dieser Dolo's unterrichtet werden, ohne daß sie wirkliche Linjaka's wären.
Ihr Amt ist unter den Betschuana's erblich, doch werden auch wißbegierige junge Männer zu Doctoren gebildet. Der Aspirant hat als Honorar seinem Lehrer eine Kuh (gegenwärtig zumeist andere Objecte im gleichen Werthe), oder falls derselbe in den Diamantenfeldern Mali (Geld) verdient hat, 4-7 £ St. zu geben und wird darauf sofort in die »Lehre« genommen. Der medicinische Lehrcurs beginnt mit dem Ausgraben (das »Graben« bildet einen wichtigen Begriff und eine wichtige Manipulation bei vielen Zeremonien der Betschuana's) der Heilkräuter, wobei er von seinem Lehrmeister durch Wald und Flur geleitet, über die Species der Pflanzen, die zur Benützung gelangenden Theile, sowie über die Jahres- und Tageszeit, zu welcher die Pflanze ausgegraben werden muß, belehrt wird. Die gesammelten Pflanzentheile werden sodann getrocknet, geröstet oder zerstampft und dann ein Pulver oder Absud derselben als »Heilmittel« erklärt, wobei jedoch gewisse Sprüche und Formalitäten bei der Zubereitung wie bei der Verabreichung zu beobachten sind, welche von den Aerzten bei der Behandlung wohlhabender Leute unter großem Lärm inscenirt werden.
Ein oft verordnetes Heilmittel sind schweißtreibende Vegetabilien und dies, wie das Schröpfen um locale, so jenes um innere, im ganzen Körper oder über größere Partien desselben verbreitete Schmerzen (Typhus, Dysenterie etc.) zu beseitigen, dabei wird der Kranke verhalten, sich in seine beste Carosse oder in eine gekaufte Wolldecke zu hüllen, und nachdem das Mittel seine Schuldigkeit gethan, erscheint der Doctor, um die Carosse oder die Decke mit dem Schweiße, dem transpirirten Krankheitstoffe »einzugraben«, d.h. sie in Besitz zu nehmen, während der Kranke froh ist, den Grund seines Uebels aus dem Hause entfernt zu wissen. Der Patient würde es nie wagen, dieselbe zurückzufordern, sollte er auch nach seiner Genesung die Frau Doctorin mit seinem Schakalmantel in den Straßen des Dorfes herumstolziren sehen.
Den letzten Lehrcurs bildet die Belehrung über das Werfen der Dolo's. Neben dem Dienste der Medicinmänner haben die Linjaka's auch einen zweiten Dienst, den der Beschwörer oder guten Zauberer zu versehen. Hierher gehören: das Herbeischaffen, der Gebrauch und der Verkauf von Mitteln, welche an einer Schnur an der Stirne und am Halse getragen, z.B. den Träger einer Löwenklaue muthig und flink, seine Verfolger träge und ihn selbst kugelfest machen sollen. Solche Mittel sind ferner: aus kleinen Tarsus- und Carpusknochen gewisser kleiner Säugethiermännchen, verschiedener Vierfüßler, Schuppen des Schuppenthieres, Metatarsus-Knochen gewisser Vögel und den Klauen bestimmter Raubvögel, aus Schlangen- und Leguanhaut, kleinen Schildkröten, den Leibern großer Rüsselkäfer verfertigte Amulete; mit verschiedenen eingebrannten Zeichen versehene Holzpflöckchen, eingeschnittene Ziegenbockhörner und kleine Hörnchen der zarteren Gazellenarten etc. welche allein oder mit verschiedenen buntbemalten Glasperlen an eine Gras- oder Giraffenschwanzhaar-Schnur angefädelt als Schutz vor Krankheiten, Uebeln und Unfällen am Arme oder um den Hals getragen werden. In den Amtsberuf der Linjaka's gehört endlich der Gebrauch der Dolo's um die Zukunft oder z.B. den Ort zu erfahren, an welchem ein gestohlenes Gut oder ein Flüchtling zu finden ist etc. etc.; die Beschwörungsweisen, um böse und unreine Menschen und Thiere zu schrecken, und sich von den ersteren zu befreien: z.B. durch das Aufhängen verschiedener Artikel unmittelbar an oder in der Nähe der Umzäunung des Gegners, durch das Errichten von Feuer in seiner Nähe, welche umgangen, umtragen und über welche gewisse Formeln gemurmelt werden.
[Die Beschwörung Khama's.]
Zur Arbeit der guten Zauberer gehört auch die Ausübung der zum öffentlichen Wohle gereichenden Beschwörungsgebräuche, wie das Vergraben von zwei Antilopenhörnern an den zu einer Stadt führenden Pfaden, das Aufhängen von Töpfen auf Pfählen zwischen den Gehöften, in manchen Hofräumen oder an den die Stadt beherrschenden Punkten, das Aufhängen von Pavianköpfen nahe am Eingange zur Kotla und der Köpfe größerer Raubthiere in der Nähe jenes Viehkraals, dessen Insassen von dem betreffenden Raubthiere getödtet worden waren etc.
All' dieses geschieht, um damit Segen und Gedeihen über eine Stadt zu verbreiten, um sie gegen Feuersbrunst und feindliche Angriffe zu schützen, im letzteren Falle um die Heerde vor einem weiteren Unfall zu bewahren. Auch die Felder werden in ähnlicher Weise mit Beschwörungsmitteln umgeben, um eine gute Ernte zu sichern und Heuschrecken abzuhalten. Aus diesem Grunde werden auch diese öffentlichen Amulete, lipeku genannt, auf die feierlichste und geheimnißvollste Weise bereitet (bei den Marutse am centralen Zambesi wurden Menschenopfer zu diesem Zwecke dargebracht) und nur die ältesten Linjaka's zu der Zubereitungs-Ceremonie zugelassen. Nur einige solcher Ceremonien sind auch Fremden zugänglich, z.B. der Khomo kho lipeku, d.h. der dem lipeku geweihte Ochs; zu dieser Ceremonie wird ein bishin weder als Zug- noch als Packthier benütztes Thier ausgesucht, diesem die Augenlider mit seinen Thiersehnen zugenäht und dasselbe wieder in die Heerde eingetrieben, dabei sorgfältig bewacht und nach einiger Zeit geschlachtet; hierauf wird sein Blut mit anderen Mitteln zusammengekocht und der Brei in kleinen Kürbisgefäßen aufbewahrt. Im Kriege beschmieren sich der König und die Heerführer mit diesem Brei oder behängen sich mit kleinen, damit gefüllten Gefäßen.
Linjaka's, welche aus Rache oder Böswilligkeit, Jemandem schaden wollen, aber auch solche, deren Zauberschwindel eine der beabsichtigten entgegengesetzte Wirkung hervorbringt, erhalten den Beinamen Moloi, d.h. böser Zauberer und werden gefürchtet und gehaßt, so daß schon der Name Moloi den Ausdruck der höchsten Verachtung bezeichnet und man dem Betschuana keinen ärgeren Schimpf anthun kann, als ihm diesen beilegen. Der Moloi erscheint den Betschuana's auch mächtiger als der Linjaka, da ihm ohne die Ausübung seiner Zaubermittel selbst die stumme Natur gehorcht, er bewegt sich, klettert über Zäune und Felsen und geht über Flüsse, ohne gehört zu werden, Feuer schadet ihm nicht, Hunde, Schakale etc. hören auf zu heulen und verhalten sich stille, wenn er an ihnen vorbeigeht oder an sie herantritt. Mütter gebrauchen den Namen Moloi, um ihre schlimmen und schreienden Kinder zur Ruhe zu verweisen.