Die bösen Zauberer trachten auch die Ernte zu schädigen; werden jedoch die Linjaka's von ihren Häuptlingen ausgesandt, dies einem Nachbarstaate anzuthun, so trägt nur der Auftraggeber das Odium der That, sie, die blos seinen Befehl ausgeführt, bleiben wie zuvor Linjaka's. Die Betschuana's behaupten, daß die Moloi's Leichen ausgraben, um ihnen gewisse Körpertheile zu entnehmen, auch daß sie Neugeborne tödten und aus gewissen Korpertheilen derselben Zaubermittel bereiten, doch die wichtigsten ihrer Mittel (d.h. die ihrer Meinung nach schädlichsten) behaupten die Moloi von Thieren zu gewinnen, die allgemein gefürchtet sind und nur schwer in die Gewalt des Menschen gelangen, so z.B. von der Boa, vom Krokodil und anderen. Haßt ein Mann seinen Nebenmenschen, ist er auf ihn eifersüchtig, so begibt er sich in der Dämmerung zu einem Moloi, um diesen gegen entsprechendes Honorar für seinen Plan zu gewinnen. Ereignet es sich nun zufällig, daß der auf der Jagd Abwesende oder Verreiste der bösen Macht des Zauberers erliegt und natürlichen Todes stirbt oder von einem Thiere getödtet wird, dann heißt es, der Mann sei im ersten Falle durch das Molemo (Gift), oder im letzteren Falle durch das vom Moloi gewonnene Thier (Büffel, Löwe etc.) getödtet worden.

Das vorstehende Bild stellt eine Scene dar, die sich im Jahre 1866 in Schoschong zutrug. König Sekhomo hatte Moloi's gedungen, welche durch verschiedene in der Nacht vor dem Häuschen Khama's, seines beim Volke beliebten Sohnes, auszuführende Zaubereien diesen tödten sollten. Khama erwachte durch den Glanz des vor seiner Einfriedigung hell auflodernden Feuers, schlich sich an den Zaun und sah ruhig zu. Als sich zufällig einer der »Alten« nach seiner Wohnung umsah und ihn erblickte, stieß er einen Schrei aus; bei dem nun folgenden Tumulte suchten die Zauberer das Weite. Khama trat vor, zerschlug die Beschwörungsgefäße, warf den Beschwörungströdel in's Feuer, löschte dieses aus und erschien zum größten Erstaunen Sekhomo's und der von ihm gedungenen Moloi's am nächsten Morgen, frischer und froher wie je in der Kotla.

In Uebereinstimmung mit ihrem Charakter gelten die Moloi auch als Feinde des Regens. Die Moloi glauben durch die frischen Zweige eines grünen Busches, welche unter einer Verwünschungsformel in die Flammen geworfen werden—den Regen bannen zu können, ferner suchen sie denselben Zweck durch die Verwüstung der von den Regendoctoren ausgesetzten Zaubermittel zu erzielen, auch glauben sie, daß das wiederholte Abfeuern von Gewehren die sich nähernden Wolken verscheuche.

Der wichtigste Dienst, der von den Linjaka's und ihrem Oberhaupte gefordert wird, ist die Regenbeschwörung. Da jedoch der Mißerfolg bei dieser öffentlichen Beschwörung nur zu leicht ersichtlich wäre, überträgt man zur Zeit langer Dürre-Perioden die Beschwörung des Regens an Linjaka's aus regenreichen Gegenden. Es sind meist die am rechten Ufer des mittleren Limpopo wohnenden Ma-lokwana, welche gegen ein Geschenk an Vieh zu dieser Arbeit gewonnen werden.

In feuchten, niederschlagsreichen Jahren wird die Arbeit den heimischen Linjaka's überlassen; allein oder von Freiwilligen begleitet, begeben sich dieselben auf ein speciell dazu bestimmtes, fruchtbares Grundstück, um »isimo ea pula« d.h. das Feld des Regens zu graben. Dies ist eine allgemeine Ceremonie und geschieht zeitlich im Frühjahr. Dann folgt das Umgraben der Fluren durch die Frauen, nachdem noch zuvor die Männer von den Linjaka's durch Beschwörung gesegnete Samen (Kafirkorn, Mais, Kürbis, Wassermelone etc.) gekauft und diese in die vier Ecken des Feldchens eingepflanzt haben. An diesem Tage wird alle Arbeit eingestellt und erst am folgenden von den Frauen fortgesetzt.

Von diesem Tage ab ist es ferner den Betschuana's verboten, die jungen Zweige der Bäume abzubrechen, vor Allem aber nicht jene des schon oft erwähnten Wart-en-bichi(bitje)-Baumes, der unter den Betschuana's allgemein verehrt wird. Erst zur Kafirkornreife und von den Njaka angeführt, versammeln sich die mit Aexten und Messern versehenen Männer in der Kotla, um einige Aeste von der geheiligten Accacie abzuhauen; mit den ersten wird der an die Kotla angrenzende königliche Viehkraal ausgebessert und nachdem dies geschehen, dasselbe an den übrigen Kraalzäunen gethan. Vor der Ernte einen abgeschnittenen Ast der Accacia detinens um Mittagszeit in einem Betschuanadorfe herumzutragen, käme einer schweren Beleidigung des Stammes gleich.

[Pit, der Griqua, entdeckt Leopardenspuren.]

Zur Erntezeit müssen alle Baum- und Buschfrüchte, Straußenfedern und Elfenbein bedeckt aus dem Walde zur Stadt gebracht werden. Hat es in der Nacht geregnet und der Regen bis zum Morgen angedauert, so bebaut Niemand an diesem Tage die Felder, um den Regen nicht aufzuhalten und zu stören. Hat sich die nasse Jahreszeit eingestellt, oder, wie der Betschuana sagt, der Linjaka mit seinen Medicinen den Regen herbeigerufen, so trachten nun die letzteren auch den Regen auf längere Zeit zu »fesseln«. Aus diesem Grunde besuchen sie allein oder von ihren Schülern oder von den Besitzern der Felder begleitet einsame Orte, meist Höhen, pfeifen, schreien, murmeln Formeln und entzünden hie und da an den vorspringenden Stellen der Höhen Feuer, wobei sie zuweilen gewisse Ingredienzen in's Feuer werfen.