Versagen alle angewendetem Zaubermittel und fällt kein Regen, dann wird in der Regel die Schuld auf die Masse geschoben und dieselbe irgend eines Verstoßes gegen die herkömmlichen Gesetze beschuldigt; meist sind es Witwen und Witwer, welchen der Vorwurf trifft, die vorgeschriebenen Reinigungen unterlassen zu haben. Die Untersuchung beginnt und findet sich nun ein Schuldiger oder eine Schuldige, so wird der- oder dieselbe verurtheilt, sich öffentlich der Reinigung zu unterziehen. Die Linjaka's bauen ihnen dann gegen Bezahlung außer der Stadt Grashütten, in welcher sie einige Zeit bleiben müssen, um sich ihre Wolle vom Kopfe abschaben und sich von den Linjaka's reinigen zu lassen; dann erst können sie zu den Ihrigen heimkehren.

Hilft auch dies nichts, dann wird eine allgemeine Reinigung des Feuers und der Herdsteine vorgenommen. Die Linjaka's beseitigen in jedem Höfchen die drei Herdsteine, auf denen der Topf an's Feuer gestellt war und tragen sie auf einen bestimmten Punkt vor die Stadt, wo sie aufgehäuft und neue geweiht werden. Während der Dauer dieser Zeremonie müssen alle Herdfeuer im Orte ausgelöscht werden. Abends oder am folgenden Morgen erscheint der Unterpriester mit Reisig und einem geweihten brennenden Stock, um, nachdem die Feuerstelle gut abgescheuert worden ist, die Feuer in der ganzen Stadt anzuzünden.

Sollte dies Alles noch keinen Regen zur Folge haben, ordnet man eine allgemeine Reinigung der Stadt an, herumliegende Fellstücke, Knochen, im Felde, vielleicht nahe an der Stadt zu Tage liegende Menschenreste werden begraben. Liegt der Ort in der Nähe der Begräbnißstelle eines Häuptlings, die sonst sehr geheim gehalten wird, so schlachtet man ein Stück Hausvieh, um damit den vielleicht erzürnten Todten zu besänftigen. Es werden auch ganze Jagden auf gewisse Thiere abgehalten, von welchen die Linjaka's gewisse Organe als Regen beschwörende Mittel gebrauchen; diese Jagd heißt »Letschulo« und wird unter den Auspicien der Regenmacher abgehalten.

Obgleich das Christenthum das Loos der Frauen unter den Bekehrten etwas gemildert hat, konnte es ihnen doch viele der schwersten Arbeiten nicht abnehmen, und erst der eingeführte Pflug, dessen Gebrauch sich gegenwärtig immer mehr einbürgert, hat das Loos des Betschuanaweibes erleichtert, dadurch, daß der Mann ihn mit Hilfe der Ochsen verwendet, welche die Frau nie berühren darf. Einen ähnlichen guten Einfluß wird die Einbürgerung des Pflugs auf das allmälige Verschwinden der eben betriebenen abergläubischen und sinnlosen Regenbeschwörungs-Gebräuche nehmen.

Ich schließe hiemit diese vorläufige ethnographische Skizze und kehre zur Schilderung meiner Reiseerlebnisse zurück.

Der freundlichen Einladung Rev. Williams, die Weihnachts-Feiertage noch in Molopolole zuzubringen, konnte ich leider nicht willfahren.

Durch das Kobuque-Felsenthor verließen wir den Thalkessel von Molopolole und zogen im Thale eines Tschanjanazuflusses nach Norden. Die üppigste Vegetation sproßte um uns her, das Ufer des Flüßchens und die unbebauten Thalstellen, die Abhänge an den Felsenhöhen waren mit den mannigfachsten Blumen und Gräsern bekleidet, stellenweise bebuscht und mit Bäumen bestanden, so daß die hier röthlichen, dort gelblichen, dann wieder auch grauen bis schwarzbraunen senkrechten Felsenmauern, stufenförmige, natürliche Felsenterrassen, die viereckigen und die abgerundeten, sowie die herabgekollerten Felsblöcke wie von einem buntgeblümten hier hellen, dort dunkelgrünen Teppich umrahmt schienen.

Der Himmel hatte leider kein Erbarmen mit uns, in strömendem Regen mußten wir uns durch den tiefen Sand des Weges hindurcharbeiten. Das Mißgeschick dieses Tages war aber damit nicht erschöpft. Als ich nach des Tages Mühen ruhen wollte, fehlten die beiden schwarzen Diener Stephan und Dietrich, die ich von Musemanjana mitgenommen, und mit ihnen waren zwei meiner kräftigsten Zugthiere spurlos verschwunden. Es war mir schon am verflogenen Abend aufgefallen, daß die beiden Flüchtlinge mich wiederholt vor umherstreifenden Löwen warnten, sie hatten offenbar mich damit von der Verfolgung abhalten wollen. Obwohl bereits 15 englische Meilen von Molopolole entfernt, beschloß ich, dahin zurückzukehren, um Seschele zu bitten, die Diebe durch Reiter auf Chatsitsive's Gebiet verfolgen zu lassen. Von Boly und Pit begleitet, machte ich mich am nächsten Tage, nachdem der Regen etwas nachgelassen, zu Fuß auf den Weg.