[Eingeborne Postboten.]

Doch schon nach fünfstündigem Marsche war ich außer Stande den Weg fortzusetzen, die schwere Fußbekleidung hatte meine Fuße gänzlich dienstunfähig gemacht; ich blieb am Rande des zum Molopololekessel führenden Kobuque liegen und sandte Boly und Pit zu Rev. Price und Seschele. Stunde um Stunde verrann, es war ein böses Omen für den Erfolg ihrer Mission—endlich spät Nachmittags hatten sie mich wieder erreicht, wie ich es geahnt, war ihr Gang vergebens.

Die Rückkehr zum Wagen war für mich eine wahre Martertour. Der Regen hatte zahllose Samen einer Ranunculus-Species (R. crepens) von der Höhe in das Thal herabgeschwemmt, die ob ihrer stachlichen Eigenart von den Boers »Develkies« genannt werden. Unfähig in meiner Beschuhung den Rückweg anzutreten, mußte ich es barfuß thun,—das weitere bedarf keiner näheren Schilderung. Mitternacht war nicht fern, als wir das lodernde Feuer des Lagers meiner Gefährten mit einem Freudenschrei begrüßten—die Stunde der Erlösung war gekommen.

[Scene aus dem Leben der Masarwa's.]

Wir beeilten uns am 27. zeitlich Morgens die Stätte trüber Erinnerungen zu verlassen und setzten die Reise durch den tiefsandigen Wald nach Norden fort. Die schlechte Beschaffenheit des Weges nöthigte uns zu öfterem Rasten; während einer solchen kam Pit, welcher die Zugthiere abseits des Wagens zwischen den Grasbüschen weiden ließ, athemlos auf mich zugelaufen und schrie von Weitem. »Teiger, Teiger, Bass!« Bei näherer Untersuchung fanden wir zwar keinen Teiger (Leopard), jedoch zahlreiche Spuren desselben auf den salzhaltigen Stellen des Bodens. Ich hielt es daher für rathsam, den Marsch wieder weiter aufzunehmen.

Die Reise am 28. führte uns theils durch einige seichte Vertiefungen, welche deutlich den Abfall des Bodens nach Osten zu zeigten und in einige in der Regenzeit dem Limpopo zufließende Bachbetten ausliefen, theils durch sandigen Wald, in dem ich mir, nach dem Weglaufen der Diener als unfreiwilliger Wagenlenker meine Sporen zu verdienen hatte. Von Wildspuren fanden wir jene des gestreiften Gnu, der Elandantilope, des kurzschwänzigen Schuppenthieres und auch solche von Hyänen zahlreich vor.

Auch am 29. war die Fahrt recht beschwerlich, nicht allein daß der Sand nicht abnahm, es hob sich das Land merklich gegen Norden. Die Entfernung von Molopolole nach Schoschong beträgt in der kürzesten Strecke 128 englische Meilen, doch kann man diese, häufigen Wassermangels halber, nicht zu allen Jahreszeiten passiren und muß deshalb zeitraubendere Touren wählen. Zu Fuße kann die Strecke mit Benützung der Fußpfade in fünf Tagen zurückgelegt werden, eine Leistung, die auch von den Post-Betschuana's zu Stande gebracht wird. Der im westlichen Theile des Marico-Districtes wohnende Missionär, Herr T. Jensen, versieht den Dienst des Postmeisters für das Innere, d.h. für die in den Eingebornenstädten wohnenden Missionäre und Händler, bei denen auch die Briefe, die den Jägern von den Ihrigen nachgesendet werden, aufbewahrt werden. Wöchentlich kommt ein Eingeborner mit den Briefen von Molopolole und bringt die in Linokana angekommenen nach der Balwenastadt; alle vierzehn Tage werden wieder zwei Bamangwato von Schoschong von dem dortigen Prediger nach Molopolole gesandt, um die Post, die der Molopololer von Linokana gebracht, nach Schoschong zu befördern. Ein Feuerbrand, einige Assagaien, auf welche sie rohes Fleisch spießen und der lederne Gurt mit den Briefen ist die ganze Ausrüstung der Postboten. Früher wurde je ein Mann für diesen Postdienst von Schoschong nach Molopolole auf sechs Monate gemiethet, er erhielt Kost und wurde mit einer Muskete und etwas Schußmaterial, gegenwärtig aber mit barem Gelde für seine Mühe entlohnt.