[Flüchtender Leguan.]
Zahlreiche Löwen- und Leopardenspuren am Rande der vielen vegetationslosen Bodeneinsenkungen mahnten uns am folgenden Tage zur größten Vorsicht, auch bot der tiefe Sand, in dem die Räder bis acht Zoll tief einsanken, große Schwierigkeiten. Einst mochten diese eben durchzogenen Gegenden sehr wildreich gewesen sein, dafür sprachen die aufgehäuften Skelette von Antilopen, besonders des Elands und der Giraffe. An keinem der vielen, hier und auf der weiteren Reise nach Schoschong angetroffenen Giraffenschädeln beobachtete ich die kleinen knöchernen Stirnauswüchse gleich hoch, an manchen einen, an manchen beide mit Exostosen bedeckt, oder durch solche an der Stirnbasis brückenförmig mit einander verbunden.
[Trocknen von Giraffenhäuten.]
Gegen Abend fiel mir Niger's Betragen auf, der im Grase zu unserer Linken hin- und herlief. Ich rief Onkel herbei—wir hatten nach und nach die übrigen Hunde (sieben) eingebüßt—beschleunigte meine Schritte und kam eben noch zur rechten Zeit, um einen riesigen Landleguan gemächlich auf einen Baum klettern zu sehen. Auf dem ersten horizontallaufenden, dicken Aste legte er sich flach nieder und dehnte sich derart, daß man ihn leicht übersehen hätte, wenn nicht die gelblichen Querstreifen von der grauen Rinde des Baumes grell abgestochen hätten. Das Thier, welches durch sein plötzliches Erscheinen die befiederten Bewohner des Baumes nicht wenig erschreckt hatte, blieb vollkommen ruhig auf dem Aste liegen, man sah nur die Bewegungen der Augenlider und das momentane Aufblitzen der kleinen schwarzen, glänzenden Augen. Ein Schrotschuß tötete das Thier, das meinen Sammlungen einverleibt wurde.
Am 31. waren wir wieder in tiefsandigen Wald gelangt, die Gegend zeigte wellenförmige, geringe Bodenerhebungen, welche stellenweise bebuscht oder mit Bäumen schütter bestanden, stellenweise jedoch dicht bewachsen waren, während die seichten Vertiefungen eine äußerst üppige, wenn auch nicht tropische Vegetation bargen. Der Regen hatte in den letzten Tagen abgenommen und die südafrikanische Decembersonne ließ uns warm ihre Strahlen fühlen. Auf dem tiefsandigen engen Wege einherziehend, machte mich B. auf einen dunklen, auf einem hohen Kameeldornbaum hängenden Gegenstand aufmerksam. Wir fanden nähergekommen mehrere große Stücke trockener Giraffenhaut, die von den Jägern vor langer Zeit aufgehangen und vergessen worden sein mochten. In der Untersuchung derselben wurden wir durch einen herbeieilenden Makalahari unterbrochen, welcher durch seine Mittheilung, daß die Haut dem Morena Seschele gehöre, alle Annexionsgedanken im Keime erstickte. Er und seine im Walde wohnenden Gefährten waren hier stationirt, um die zeitweilig anzutreffenden Giraffen zu jagen. Das Fleisch gehörte ihnen, doch die Haut dem Könige. Die weitere Mittheilung des von mir beschenkten schwarzen Jägers, daß wir erst zu Mittag des folgenden Tages auf Wasser stoßen würden, trieb uns zur Eile an. Erst die einbrechende Nacht machte unserem Tagemarsche ein Ende.
Am Lagerplatz angelangt, berieth ich eben mit meinen Gefährten, wie der Wassernoth zu begegnen sei, als die Hunde zu knurren anfingen. Aus dem Benehmen derselben, die, ohne die Nähe des Feuers zu verlassen, auf eine Stelle in's Dunkle hinblickten und dann sich nach der entgegengesetzten Seite kehrten, wobei es uns auffiel, daß sie einen sich um unser Gefährt in den Gebüschen bewegenden Gegenstand witterten, schloß Pit, daß diesmal Masarwa oder Makalahari (die Sclaven der Bakwena's) die Ruhestörer waren.
Ein leises »Rumela, Sir!« das uns aus den Gebüschen entgegentönte, löste jeden Zweifel; nachdem Pit die Hunde zur Ruhe verwiesen hatte, traten zwei Schwarze an's Feuer, es waren die Postboten aus Schoschong auf dem Wege nach Molopolole. Der eine trug ein großes Stück Fleisch, das er in einem, eine halbe Tagreise entfernt liegendem Barwadorfe für eine Handvoll Zündhütchen erhandelt; als sie sahen, daß wir mit dem Wasser recht sparsam umgehen mußten, boten sie uns ihre beiden mit Wasser gefüllten und mit frischen Grasbüscheln zugepfropften Kalebassen an, leider konnten wir des starken Geruches der unrein gehaltenen Kürbisgefäße halber von ihrem freundlichen Anerbieten keinen Gebrauch machen.