Der Neujahrsmorgen 1874 brach recht trübe an, Tags zuvor war es glühend heiß gewesen, heute war der Himmel mit Wolken bedeckt und die Atmosphäre bedeutend abgekühlt. Gegen Mittag heiterte sich der Himmel auf und als wir unsere Ost bei Nord-Richtung in eine nördliche änderten, sahen wir in eine Vertiefung vor uns, die sich nach Osten zu ziehen und der Anfang eines Thales zu sein schien, sowie eine kleine Rauchsäule an der bebuschten Erhebung ober dieser Vertiefung. Ein Säule Gold hätte uns alle nicht so elektrisiren können, wie es der bläuliche, in kleinen Wölkchen sich emporhebende Dunst und Rauch vermochte. Nach und nach erkannten wir auch einige elende Grashütten, dann spielende Kinder in ihrer Nähe und unten in der Tiefe zwei Barwa, die auf uns zu warten schienen. Ich sandte Pit voraus, um nach Wasser zu fragen; als wir zur Gruppe gestoßen waren, theilte uns der Diener mit, daß außer einigen tiefen, engen Löchern, aus denen nur die Bewohner des kleinen Dörfchens Wasser holten und aus denen höchstens Ziegen trinken konnten, kein trinkbares Wasser in der Nähe sei, wohl aber gegen Sonnenuntergang, wohin sie uns mit der Erlaubniß ihres Herrn, eines Bakwena's, führen wollten.
Unser Führer gehörte ebenfalls dem Bakwenastamme an. Ich glaube schon erwähnt zu haben, daß die Betschuana's sowie die Koranna's von Mamusa Diener, oder besser gesagt Sclaven besitzen, die dem Makalaharistamme (auch Bakalahari) angehören, welcher früher die Gebiete zwischen dem Zambesi und dem Oranjeflusse sein eigen nannte. Außer diesen Sclaven, die jedoch ziemlich mild behandelt werden, befinden sich in den sechs Betschuana-Reichen noch zwei andere Stämme in der Stellung von Sclaven den Betschuana's gegenüber, doch ist diese Stellung eine drückendere, denn während es zu geschehen pflegt, daß Makalahari freigelassen werden, und zuweilen eine Annäherung und Verschmelzung der Ma- oder Bakalahari und der Bakwena's etc. statthat, geschieht dies nie zwischen den letzteren oder anderen freien Betschuanastämmen und den beiden hart behandelten Sclavenstämmen, den Barwa's, die bei den nördlichen Betschuana's Masarwa's genannt werden, und den Madenassana's, die in dem nordwestlichen Gebiete der östlichen, und dem nordöstlichen der westlichen Bamangwato's wohnen.
[Masarwa's am Feuer.]
Ich möchte die Barwa's und Masarwa's als ein Mischlingsvolk, hervorgegangen aus der Verschmelzung der Makalahari, d.h. eines Zweiges derselben, mit den Buschmännern bezeichnen. Gestalt, Teint, Gebräuche und die Sprache sind ebenso viele Indicien für diese beiderseitige Verwandtschaft und ich glaube nicht fehl zu gehen, wenn ich die Barwa's und Masarwa's ein Bindeglied zwischen den Buschmännern und der Banthufamilie nenne. Während die Makalahari etwa Leibdiener, hauptsächlich aber Hirten der Betschuana's sind, haben die übrigen Sclavenstämme Jagddienste zu versehen, in welcher Beschäftigung sie ihre Gebieter auch weit übertreffen. Der Bogen und der Pfeil, den Betschuana's fremd, sind bei den Barwa und Masarwa wie bei den eigentlichen Buschmännern noch immer im Gebrauch, ebenso verstehen sie die Thiere in Fallen, d. h. mit vergifteten Assagaien (siehe die [Illustration Seite 44]) und in Fallgruben zu fangen, als Antreiber sind sie—wie die ihnen bezüglich der Sprache und des Gesichtsausdrucks verwandten, doch sich sonst an die westlichen Eingebornenstämme anlehnenden Madenassana's—vorzüglich verwendbar. Nur gegen ihre Verschmitztheit, Untreue und ihren Hang zum Diebstahl ist es gerathen, sich vorzusehen.
[Anschleichende Masarwa's.]
Sie bewohnen in wildreichen Gegenden kleine Dörfchen, d.h. Hütten, deren heuschoberähnliches Gerippe aus einigen in die Erde schief eingetriebenen, etwa fünf Fuß über dem Boden miteinander verbundenen Pfählen besteht und mit einer Lage von dürren Zweigen und Gras überdeckt wird. Sonst zeigt keine Umzäunung, blos einige glatte Steine, worauf Samen zerrieben, Knochen zerschlagen oder geschliffen werden, sowie einige Aschenhaufen, zahlreiche trockene Schoten von Leguminosen (Bäumen, Sträuchern und Pflanzen) und einige Fußpfade, daß hier Menschen hausen oder gehaust haben. Gewehre und Schießbedarf werden ihnen anvertraut, die Felle, Straußenfedern, Elfenbein und Rhinoceroshorn, nebstdem auch wilde Früchte, wie jene des Baobab, der Fächerpalme etc. müssen sie an ihre Herren abliefern. In der Regel finden wir jedoch einen Bamangwato oder Barolong etc., dessen Leibdiener sie sind, mit ihnen jagen, kehrt er heim, so übergibt er dem ältesten von ihnen das Commando. In jedem andern Falle müssen sie sich nach zwei bis fünf Monaten in der Hauptstadt einfinden und die Jagdbeute abliefern. Bei dem Besuche derselben ist es ihnen aber nicht gestattet, bei Tage in die Stadt zu treten, sie lassen sich vor der Stadt nieder, und nachdem sie dem nächsten besten Einwohner ihren Namen, ihren Wohnort und den Zweck ihres Kommens mitgetheilt und dieser es dem König hinterbracht hat, wird ihnen am Abend nach Sonnenuntergang ein Bote zugesendet, der sie in die Kotla führt. Solche, die den Besuch der königlichen Stadt zur bestimmten Zeit unterlassen, wenden durch einen von dem Chef ausgesendeten Boten an ihre Pflichten gemahnt und abgeholt.