Die Masarwa's sind von mittelgroßer Statur, besitzen einen röthlichbraunen Teint und abstoßende Gesichtszüge; in ihrer Gestalt nähern sie sich dem Buschmanne, in ihren Gesichtszügen und dem Teint den Makalahari's. Sie sind weniger treu und anhänglich als letztere, darum werden sie auch von ihren Herren seltener im Kampfe und als Hirten benützt, wohl aber als Spione oder um die Grenzen zu bewachen und von der ersten Annäherung eines feindlichen Haufens nach des Königs Stadt Nachricht zu bringen.
Kein Stamm im centralen Süd-Afrika versteht es in den trockensten Gegenden mit solchem Erfolge nach Wasser zu spüren, die Fährte des Wildes so treu aufzunehmen und das Wild so geschickt und unbemerkt zu beschleichen und zu überlisten wie die Barwa's und Masarwa's. Weil sie jedoch in Folge ihrer Untugenden von den Betschuana's hart behandelt werden, sind sie auch den Weißen gegenüber mißtrauisch geworden. Reist man durch die Kalahari, oder in den sandigen Wäldern, die wir eben durchzogen, oder in jenen zwischen Schoschong und dem Zuga-River und jenen zwischen den Salzseen und dem Zambesi, so ist man oft, ohne die leiseste Ahnung davon zu haben, von Angehörigen dieses Stammes gefolgt, der ob seines Mißtrauens und um nicht schwere Arbeit verrichten zu müssen, sich scheu in der Ferne des Weißen hält. Hat man jedoch ein Stück Hochwild geschossen, so sieht man sich, bevor noch die Beute erstarrt, von einem Trupp Barwa's umringt, welche mit Ungeduld den Moment erwarten, zum Ausweiden der Jagdbeute aufgefordert zu werden, um einen Theil des Fleisches als Entlohnung zu erhalten. Ich möchte sagen, sie sind unter den südafrikanischen Racen das, was unter den Vögeln der Aasgeier und unter den Säugethieren die Schakale. Kreist in den obgenannten Gegenden ein Aasgeier hoch in den Lüften, so hat ihn auch schon des Masarwa Auge erspäht und er eilt rasch nach der Stelle zu, wo der Geier sich niedergelassen. Ueberraschen sie nun bei solcher Gelegenheit den König der Thiere beim Mahle, so trachten sie durch Geschrei, mit Stein- und Feuerbrandwürfen das Raubthier zu verscheuchen, angegriffen, flüchten sie sich wie die Affen in die Bäume und verkriechen sich wie die Wiesel in die Dorngebüsche, um dem sie verfolgenden Löwen einen ihrer vergifteten Pfeile in eine dünnere Hautstelle einzubohren.
Nach der Mittheilung meines Freundes Mackenzie werden diese Masarwa's und Barwa's von den Betschuana's in der Regel Masarwa a bolotsana thata, d.h. schlechte Menschen (Bösewichter) und Masarwa Ki linoga hela (wahre Schlangen) betitelt.
Gleich den Buschmännern in der Colonie und im Oranje-Freistaat hassen die Barwa's und Masarwa's Ackerbau und Viehzucht, doch beobachtete ich nie—außer an einigen, jenen der Makalahari's ähnlichen, auf Bein und Holz ausgeführten, höchst einfachen, eingebrannten oder eingeschnittenen Strichen etc.—daß sie Gravirungen in Stein ausführen oder steinerne Objecte in ihrer einfachen Haushaltung benützen würden. Dagegen arbeiten sie lange Ketten aus rundlichen Straußeneier-Scheibchen und andere Verzierungen aus diesem Material. Ich konnte bei ihnen weder von einem Höhlenbau in Felsen, noch etwas von einer Ausschmückung der Felsenkuppen sehen oder in Erfahrung bringen, hingegen fand ich bei ihnen den crassesten Aberglauben in voller Blüthe.
Auf der Jagd, mag der Masarwa nun allein oder in Begleitung seines Betschuanaherrn sein, werden die einfachen Knochen- und Holz-Amulete (Dolos) geschüttelt und geworfen, um die Richtung des Wildes, die Art und Zahl desselben und den Erfolg der Jagd zu erfahren. Sie werden auch in Krankheitsfällen befragt, und ob der »Herr« kommt. Von den Betschuana-Herren hat er den Namen Morimo für Gott aufgeschnappt, und obgleich der Betschuana selbst den Begriff Morimo, der von seinen Vorfahren verehrt wurde, bis auf den Gedanken, daß Morimo ein höher als die Morena's (Fürsten) gestelltes Ding oder höheres Wesen bezeichnet, verloren, so bezeichnet doch auch der Masarwa und der Barwa seine Dolos, die ihn über alles belehren und unterweisen sollen, seinen Schatz und seinen theuersten Besitz mit Morimo, er meint »dies ist mein Gott (Se-se morimo-se)« oder er sagt »die Dinge meines Gottes (Lilo tsa Morimo oa me)« und Dinge die ihn benachrichtigen, »Lilo-lia impulelela mehuku.« Doch nicht allein, daß ihm die Dolos sein Morimo oder die Eigenschaft, das Eigenthum eines mächtigen Wesens sind, er behauptet auch andererseits, daß er selbst mit dem Werfen dieser Dolos Morimo Gelegenheit gebe, seine Kenntniß darzuthun, und daß er selbst Morimo's Werkzeug sei.
Die Barwa- und Masarwamänner zeigen ihren Frauen gegenüber mehr Anhänglichkeit als die Betschuana's und Makalahari's, die schwerste ihnen zukommende Arbeit ist das Wasserholen in den mit Bast, Stricken oder Thierhautstreifen umflochtenen Straußeneier- oder Kürbisschalen und das Tragen der kaum nennenswerthen Hausutensilien. Die primitiven Hütten sind in wenigen Stunden mühelos hergestellt. Eine große Anhänglichkeit zeigt der Masarwa für seine Hunde, die, im Gegensatz zu der schlechten Behandlung, die diesem Hausthiere von den Betschuana's zu Theil wird, bei ihnen zumeist gut gepflegt werden.
Von ihren Gebräuchen sind nur wenige bekannt, da noch kein Reisender in der Lage war, längere Zeit in oder in der Nähe eines Masarwadorfes zu wohnen und ihrer Sprache mächtig zu werden; wir wissen blos, daß sie sich im Stadium der Pubertät, mit einem Knochen die Nasenscheidewand durchbohren und ein Holzpflöckchen einschieben, um eine kleine kreisrunde Oeffnung zu erzeugen. Das Hölzchen wird, nachdem der Zweck erreicht, wieder entfernt; sie benennen diese That rupa, was jedoch ein aus der Setschuana entnommenes Wort ist und die Einleitungceremonie zu der Beschneidung bei den Betschuana's bezeichnet.
[Neujahrstafel im Urwalde.]