Nahe am Wege in einer kleinen Sandvertiefung lag eine kleine von Eingebornen ausgegrabene, mit schlechtem Pfützenwasser gefüllte, doch mir sehr willkommene Grube. Gnu's hatten die Stelle kaum eine Stunde zuvor besucht und sich mit demselben Naß ihren Durst gestillt. Kaum hatte ich mich von dem Pfuhle erhoben, bedeutete mir der Masarwa ihm zu folgen, indem er nach dem Gewitter im Osten wies; die Dunkelheit war schon eingebrochen als wir vom Wege abbogen, und beinahe zur selben Zeit brach auch der Sturm los. Bald fiel der Regen in Strömen, die großen Tropfen schienen mir wie Schloßen und erzeugten, auf meinen schwitzenden Leib fallend, ein höchst unangenehmes Gefühl von Abmattung und Kraftlosigkeit.

Mein Führer hatte sein kleines Ledermäntelchen um mein Gewehr geschlagen und auf meinen Retter gestützt, ging es, stellenweise bis an die Knie durch das Wasser watend vorwärts. Endlich hörte ich die Hunde anschlagen und kaum hatte man mich erblickt, kamen E. und B. auf mich zu gelaufen und schalten mich wegen der Besorgniß, die ich ihnen mit meinem Ausbleiben bereitet hatte. Sie ahnten wohl nicht, wie es mir ergangen.

Nun, da ich wieder im Innern meines Wagens geborgen war, erwachten wieder alle Lebensgeister. Ich bat sie, den Masarwa zu bewirthen und ihn bei Pit am Feuer schlafen zu lassen. Ein kräftiger Imbiß und ein mehrstündiger tiefer Schlaf hatten mich so weit hergestellt, daß ich mich schon am nächsten Morgen ohne Stütze bewegen konnte.

Da nach Aussage des uns begleitenden Bakwena's der direkte Fahrweg in Folge des heftigen Regenfalles schwer passirbar geworden, schlugen wir am folgenden Morgen (am 3. Jänner 1874) einen etwas weiteren Seitenweg durch die Büsche ein. Schon nach einigen hundert Schritten stießen wir auf eine verendete Deukergazelle, welche in der verflossenen Nacht von einer Hyäne getödtet worden war. So unglaublich es mir auch schien, die von den Masarwa's verfolgten Spuren ließen keinen Zweifel darüber aufkommen, daß die schlanke Gazelle dem plumpen unbeholfenen Raubthiere zum Opfer gefallen war.

Nicht weit vom Wege trafen wir die Reste—einer amerikanischen Pumpe. Ein größeres Räthsel konnte uns nicht aufstoßen—unsere Führer konnten uns darüber keinen Anschluß geben, d.h. sie wollten oder durften es nicht. Nicht eher als in Schoschong wurde mir das Räthsel gelöst. Seschele hatte, als die Händler noch die directe, sehr wasserarme Route nach Schoschong frequentirten (gegenwärtig wird zumeist der wasserreiche Weg über die Dwarsberge und längs des Marico und Limpopo eingeschlagen), aus diesem Umstande Profit ziehen wollen, und sich deshalb durch einen der in seiner Stadt wohnenden Händler eine amerikanische Pumpe von Port Elizabeth bringen und an jener Stelle einsetzen lassen. Hier hatten Makalahari für die nach dem Innern reisenden Jäger, Händler etc. Wasser auszupumpen und jene dafür an den König eine Abgabe zu bezahlen. Da jedoch eine amerikanische Kettenpumpe den Makalahari's etwas Ungewöhnliches war und von ihnen trotz aller Instructionen unrichtig behandelt wurde, so währte es nicht lange und sie versagte den Dienst.

[Trinkende Masarwa's.]

Freund Eberwald, der dem Wagen vorausging, um demselben den Weg durch die Gebüsche anzuweisen, kam plötzlich athemlos zum Wagen zurückgelaufen. »Kommt rasch, nehmt Eure Gewehre, verseht sie mit frischen Zündhütchen, allein rasch, sonst verlieren wir ein schönes Stück Wild, das heißt Sie, Doctor, einen sehr schönen Balg. Wir folgten ihm alle, auch die Masarwa's. Hundert Schritte vom Wagen entfernt, war Eberwald plötzlich im hohen Grase auf einen Leoparden gestoßen. Das Thier sprang auf, fauchte und fletschte ihn an, machte einen Sprung und duckte sich weiter abwärts einige 30 Schritte vor ihm im hohen Grase nieder. Da Eberwald nur mit Schrot geladen hatte, wollte er sich nicht zu einem Schusse auf das Thier erkühnen und holte Succurs. An Ort und Stelle angekommen, konnten wir jedoch nichts wahrnehmen, einer der Masarwa warf seinen Speer nach der deutlich bezeichneten Stelle, doch nichts regte sich. Ich ließ die Hunde holen, doch da ich den Haß kenne, mit dem sich diese beiden Thiere stets verfolgen und Niger, der immer dem starken Onkel voraus war, dabei leicht zu Schaden kommen konnte, hielt ich und Pit die Hunde an der Leine, während B. mit einem Masarwa als Wächter am Wagen zurückblieb. Bellend nahmen die Hunde die Spur auf, welche geraden Weges auf das hohe dichte Gehölz zuführte, welches ich bereits Abends zuvor bemerkt hatte. Doch der Leopard war verschwunden, in dem dichten Buschwerk war er übrigens vor Entdeckung sicher.